{"id":62856,"date":"2020-09-27T18:03:15","date_gmt":"2020-09-27T16:03:15","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=62856"},"modified":"2020-09-27T18:03:19","modified_gmt":"2020-09-27T16:03:19","slug":"fuer-eine-internationale-partnerschaft-von-souveraenen-republiken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/blog\/2020\/09\/27\/fuer-eine-internationale-partnerschaft-von-souveraenen-republiken\/","title":{"rendered":"F\u00fcr eine internationale Partnerschaft von souver\u00e4nen Republiken!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Von Helga Zepp-LaRouche<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat es keine Situation gegeben, in der wir es mit so vielen Herausforderungen zugleich zu tun haben, insbesondere einer Pandemie, deren erste Phase Deutschland zwar noch vergleichsweise gut \u00fcberstanden hat, die aber vor allem f\u00fcr die Entwicklungsl\u00e4nder mit ihrem riesigen sogenannten informellen Wirtschaftssektor katastrophale Folgen hat. Der Lockdown der Wirtschaft hat eine beispiellose Insolvenzwelle und einen damit verbundenen Anstieg der Arbeitslosigkeit ausgel\u00f6st, den nur wenige Branchen relativ unversehrt \u00fcberstehen werden und einige sogar in ihrer Existenz bedroht. COVID-19 hat auch den Schleier von l\u00e4ngst vorhandenen und bisher nur verdeckten Schwachpunkten unserer Wirtschaft weggerissen, wie z.B. der Anf\u00e4lligkeit, die in Krisensituationen entsteht, wenn wichtige Produktionszweige ins Ausland verlagert wurden und Lieferketten f\u00fcr essentielle Produkten rei\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber auch die strategische Lage verschlechtert sich zunehmend: Die geopolitische Konfrontation zwischen USA, Gro\u00dfbritannien und der EU auf der einen Seite und Ru\u00dfland und China auf der anderen hat zu einem weitgehenden Vertrauensverlust in den internationalen Beziehungen und einer noch gef\u00e4hrlicheren Situation als selbst auf dem H\u00f6hepunkt der Kubakrise gef\u00fchrt. Damals gab es verl\u00e4\u00dfliche Kommunikationskan\u00e4le zwischen John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow; davon kann heute nicht mehr in der gleichen Weise zwischen den Pr\u00e4sidenten der wichtigsten Nuklearm\u00e4chte die Rede sein. Entgegen den nach der deutschen Wiedervereinigung abgegebenen Versprechen wird die NATO immer weiter bis an die Grenzen Ru\u00dflands vorgeschoben, 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs befinden sich wieder deutsche Truppen an der russischen Grenze, wie z.B. im Baltikum, und NATO-Generalsekret\u00e4r Stoltenberg verfolgt konkrete Pl\u00e4ne f\u00fcr die Globalisierung der Nato und die Errichtung eines neuen NATO-Hauptquartiers im indopazifischen Raum. Die USA haben weltweit 1000 Milit\u00e4rbasen errichtet, davon 400 im pazifischen Raum, die von Ru\u00dfland und China als Teil einer Einkreisungsstrategie betrachtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zahl gef\u00e4hrlicher Man\u00f6ver der verschiedenen Luftwaffen in Grenzn\u00e4he hat bedrohlich zugenommen, ebenso wie die Abfangman\u00f6ver der jeweils gegnerischen Seite, so da\u00df der Weltfrieden manchmal nur noch von den Flugk\u00fcnsten der Kampfpiloten abzuh\u00e4ngen scheint. Sanktionen sind l\u00e4ngst Teil eines regelrechten Wirtschaftskriegs geworden, der zu einer Politik des Regimewechsels geh\u00f6rt, aber in Coronazeiten erst einmal die schw\u00e4chsten Teile der Bev\u00f6lkerung trifft. Das unfa\u00dfbare Leid der Fl\u00fcchtlinge im Lager Moria auf Lesbos und die barbarische Unf\u00e4higkeit der EU, eine menschliche L\u00f6sung f\u00fcr die Fl\u00fcchtlingskrise zu finden, sollten eine dringende Warnung sein, da\u00df der Versuch, die gegenw\u00e4rtige Politik in den kommenden Jahrzehnten fortzusetzen, noch viel furchtbarere Fl\u00fcchtlingskatastrophen heraufbeschw\u00f6ren d\u00fcrfte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der tiefere Grund f\u00fcr die geopolitische Konfrontation gegen\u00fcber China und Ru\u00dfland, die beide in einer engen strategischen Partnerschaft verbunden sind, liegt in dem beispiellosen wirtschaftlichen Aufstieg, den China in den letzten 40 Jahren mit seiner Reform- und \u00d6ffnungspolitik vollzogen hat. Bis 1978 war China eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder dieser Welt und befand sich w\u00e4hrend der Kulturrevolution auf dem Entwicklungsniveau vieler s\u00fcdafrikanischer Staaten. Dank der von Deng Xiaoping in Gang gesetzten Wirtschaftsreformen erreichte China von 1978 bis 2017 eine durchschnittliche j\u00e4hrliche Wachstumsrate von 9,5 Prozent! Kein anderes Land der Erde hat ein vergleichbares Wirtschaftswunder geschaffen, und das schlie\u00dft das deutsche Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg mit ein. W\u00e4hrend China vor 1978 noch fast keinen Anteil an der globalen Wirtschaft hatte, \u00fcberholte es 2009 Japan beim BIP, 2010 \u00fcbertrafen die chinesischen Exporte die Deutschlands, und 2013 \u00fcberfl\u00fcgelte China die USA beim Handelsvolumen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer jemals unmittelbar erlebt hat, was Armut in den Entwicklungsl\u00e4ndern f\u00fcr die betroffenen Menschen bedeutet, wird kaum bestreiten, da\u00df Armut die vielleicht schlimmste denkbare Menschenrechtsverletzung ist. Sie beraubt die Menschen nicht nur der grundlegendsten Lebensbed\u00fcrfnisse, sie entzieht ihnen die Basis f\u00fcr die Entfaltung ihres kreativen Potentials. China hat 850 Millionen seiner eigenen Bev\u00f6lkerung aus der Armut befreit und zu 70 Prozent zur globalen Armutsbek\u00e4mpfung beigetragen. Ohne die Leistung Chinas in dieser Hinsicht w\u00e4re die Armut weltweit in den letzten 20 Jahren angestiegen. Die Vorstellung, eine Nation von 1,4 Mrd. Menschen, deren Regierung seit 40 Jahren auf Innovation als Motor der Wirtschaft setzt, eind\u00e4mmen zu wollen, ist v\u00f6llig illusion\u00e4r. Wir sollten statt dessen die zivilisatorische Leistung Chinas anerkennen und die vielf\u00e4ltigen Angebote, mit der Neuen Seidenstra\u00dfe beim Aufbau von S\u00fcdwestasien und Afrika zu kooperieren, zum gegenseitigen Vorteil nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht Spekulation, sondern Produktion!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Pr\u00e4sident Nixon am 15. August 1971 das Bretton-Woods-System beseitigte, indem er die festen durch flexible Wechselkurse ersetzte und die Goldbindung des Dollars aufhob, prognostizierte der amerikanische \u00d6konom und Staatsmann Lyndon LaRouche weitsichtig, da\u00df diese monetaristische Politik langfristig zur Gefahr eines neuen Faschismus, einer neuen Depression und der Gefahr eines neuen Weltkrieges f\u00fchren w\u00fcrde. In den Jahrzehnten seitdem erfolgte die schrittweise immer weitergehende Liberalisierung und Deregulierung des transatlantischen Wirtschafts- und Finanzsystems, das immer mehr die Spekulation anstatt die Realwirtschaft f\u00f6rderte. Infolgedessen \u00f6ffnete sich die Schere zwischen reich und arm immer mehr. Heute sind wir an dem Punkt angelangt, vor dem LaRouche 1971 gewarnt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">LaRouche initiierte ebenfalls bereits 1973 eine biologisch-\u00f6kologische Arbeitsgruppe, deren Aufgabe es war, die negativen Auswirkungen der Austerit\u00e4tspolitik von IWF und Weltbank auf die Entwicklungsl\u00e4nder zu untersuchen, denn die ihnen auferlegten Konditionalit\u00e4ten machte es diesen Staaten unm\u00f6glich, in Infrastruktur, Gesundheitsweisen, Erziehungswesen und damit die Bereiche zu investieren, die eine wirkliche Industrialisierung und damit wirkliche Entwicklung erm\u00f6glicht h\u00e4tten. Diese Studien ergaben, da\u00df der dadurch sinkende Lebensstandard der Bev\u00f6lkerung in ganzen Kontinenten \u00fcber mehrere Generationen hinweg die Gefahr des Wiederaufflammens alter Krankheiten und des Entstehens neuer Pandemien verursachen w\u00fcrde. Genau dies haben wir mit AIDS, SARS, MERS, Ebola und dem neuen Coronavirus erlebt. Und es ist auch deutlich geworden, das COVID-19 nicht zu dieser gef\u00e4hrlichen Pandemie geworden w\u00e4re, wenn jedes Land auf diesem Planeten ein ebenso gutes Gesundheitssystem h\u00e4tte, wie China dies in Wuhan demonstrieren konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anstatt sich \u00fcber die Kooperation Chinas mit inzwischen \u00fcber 150 Staaten der Welt \u2013 die meisten davon Entwicklungsl\u00e4nder \u2013 im Rahmen der Neuen Seidenstra\u00dfe zu beschweren, h\u00e4tte der Westen selber in die Infrastruktur in der sogenannten Dritten Welt investieren k\u00f6nnen, aber offensichtlich lag dies nicht im Interesse der neoliberalen und malthusianischen Finanzelite. Wir werden aber weder die COVID-19-Pandemie noch k\u00fcnftige drohende Pandemien und schon gar nicht eine Wiederholung der Trag\u00f6die von Moria verhindern k\u00f6nnen, wenn wir nicht umgehend ernsthaft mit der \u00dcberwindung von Armut und Unterentwicklung in den Entwicklungsl\u00e4ndern beginnen \u2013 angefangen mit dem Aufbau eines modernen Gesundheitssystem in jedem Land auf der Erde. Der neue \u201eMigrationspakt\u201c der EU behebt die Fluchtursachen in keiner Weise und hebelt lediglich die Genfer Fl\u00fcchtlingskonvention aus \u2013 soviel zu Menschenrechten und \u201eeurop\u00e4ischen Werten\u201c in der EU. Statt dessen brauchen wir den Aufbau eines modernen Gesundheitssystems in jedem Land auf der Erde. Und dies ist wiederum ohne die Schaffung der notwendigen Kapazit\u00e4ten an Wasser, Elektrizit\u00e4t und allgemeiner Infrastruktur als Voraussetzung f\u00fcr die Entwicklung von Industrie und Landwirtschaft nicht m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anstatt uns an die geopolitische Konfrontation gegen\u00fcber Ru\u00dfland und China anzuh\u00e4ngen, wie dies Ursula von der Leyen und die EU derzeit in geradezu selbstm\u00f6rderischer Weise tun, m\u00fcssen wir uns in Deutschland auf unsere ureigensten Interessen als soziale Industrienation und als ein Land mit einer der reichsten Traditionen der klassischen Kultur besinnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ursula von der Leyens Politik im Interesse der Banken und Kartelle \u2013 also der Londoner City und der Wall Street \u2013 steht in der Tradition von Adam Smith und der britischen Freihandelstheorie und Geopolitik. Aber das, was Deutschland von einem r\u00fcckst\u00e4ndigen Feudalstaat in eine moderne Industrienation verwandelt hat, war die Theorie der National\u00f6konomie von Friedrich List und Henry C. Carey, eine Theorie, die davon ausgeht, da\u00df die Kreativit\u00e4t des Individuums und seine F\u00e4higkeit, immer neue universelle Prinzipien zu entdecken und diese als wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt im Produktionsproze\u00df anzuwenden, die einzige Quelle des gesellschaftlichen Reichtums darstellt. Es waren diese Theorien \u2013 und nicht die des britischen Freihandels \u2013, mit Hilfe derer Otto von Bismarck die Basis f\u00fcr die industrielle Revolution gelegt und so unser Land in einen Sozialstaat und f\u00fchrende Industrienation verwandelt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Geheimnis des chinesischen Wirtschaftswunders liegt nicht zuletzt darin, da\u00df Friedrich List dort der popul\u00e4rste \u00d6konom ist und da\u00df China konsequent seine Theorie angewandt hat, n\u00e4mlich da\u00df es die Rolle des Staates ist, die Rahmenbedingungen f\u00fcr das Gemeinwohl zu schaffen und zu sch\u00fctzen. Wenn wir den v\u00f6lligen Ausverkauf des deutschen Mittelstandes, dem weltweit ber\u00fchmten Motor f\u00fcr Innovation und Wohlstand in Deutschland, an die Spekulanten des \u201eGreen Wirecard Deal\u201c verhindern wollen, dann ist es jetzt h\u00f6chste Zeit, sich von dieser EU zu verabschieden, deren Ziel es seit dem Maastrichter Vertrag ohnehin nur gewesen ist, Deutschland der Diktatur der Finanzoligarchie zu unterwerfen und zu verhindern, da\u00df ein souver\u00e4nes, wiedervereintes Deutschland seine Interessen in der Zusammenarbeit mit Ru\u00dfland und ganz Eurasien ausbaut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine friedliche Zukunft kann f\u00fcr Deutschland und die anderen europ\u00e4ischen Staaten nur in der Zusammenarbeit mit Ru\u00dfland, China und hoffentlich in der Zukunft wieder mit den USA liegen, wenn dort die Kr\u00e4fte besiegt sind, die seit 2016 einen Putsch gegen die amerikanische Verfassung und das Pr\u00e4sidialsystem inszenieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schl\u00fcssel f\u00fcr die L\u00f6sung so gut wie aller unserer Herausforderungen liegt in der wirtschaftlichen Entwicklung. Das n\u00e4chste Mal, wenn Sie am Ufer des Rheins oder einem anderen unserer wundersch\u00f6nen, infrastrukturell erschlossenen Fl\u00fcsse sitzen und den regen Verkehr von Containerschiffen beobachten, sollten Sie vielleicht einmal \u00fcber folgendes nachdenken: Wenn wir mit unserem wirtschaftlichen Potential als Exportnation mithelfen w\u00fcrden, in jedem Land der Erde eine \u00e4hnliche Infrastruktur und damit die Basis f\u00fcr wirtschaftliche Entwicklung aufzubauen, glauben Sie, da\u00df dann noch ein einziger Fl\u00fcchtling sein Leben riskieren wollte, um nach Europa zu kommen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir brauchen ein v\u00f6llig neues Paradigma in unseren internationalen Beziehungen \u2013 eine Au\u00dfenpolitik, die nicht auf geopolitische Konfrontation, sondern auf Kooperation setzt. Wir m\u00fcssen eine internationale Partnerschaft von souver\u00e4nen Republiken schaffen, die sich gemeinsam auf die L\u00f6sungen f\u00fcr die gro\u00dfen Herausforderungen der Menschheit konzentriert. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Helga Zepp-LaRouche Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat es keine Situation gegeben, in der wir es mit so vielen Herausforderungen zugleich zu tun haben, insbesondere einer Pandemie, deren erste Phase Deutschland zwar noch vergleichsweise gut \u00fcberstanden hat, die aber vor allem f\u00fcr die Entwicklungsl\u00e4nder mit ihrem riesigen sogenannten informellen Wirtschaftssektor katastrophale Folgen hat. 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