{"id":3584,"date":"2013-05-23T21:04:16","date_gmt":"2013-05-23T19:04:16","guid":{"rendered":"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/?post_type=portfolio_cpt&#038;p=3584"},"modified":"2013-05-23T21:04:16","modified_gmt":"2013-05-23T19:04:16","slug":"michail-deljagin-die-globale-krise-warum-die-menschheit-rusland-braucht","status":"publish","type":"portfolio_cpt","link":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/portfolio\/michail-deljagin-die-globale-krise-warum-die-menschheit-rusland-braucht\/","title":{"rendered":"Michail Deljagin: Die globale Krise \u2013 Warum die Menschheit Ru\u00dfland braucht"},"content":{"rendered":"<h3><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/2.schillermeet.de\/wp-content\/themes\/schiller\/images\/icons\/301.png\" class=\"shortcode-icon \" alt=\"\"> Im Wortlaut<\/h3>\n<p>Die derzeitigen Wirtschaftsprobleme sind nur ein besonderer Ausdruck einer Systemkrise der Menschheit, einer Krise, deren Charakter sich \u00e4ndert. Die wichtigsten Entwicklungen spielen sich wie gew\u00f6hnlich au\u00dferhalb des Bereichs der Wirtschaft ab. Sie betreffen einen grundlegenden Wandel in der Beziehung des Menschen zur Natur.<\/p>\n<p>Wir arbeiten derzeit entsprechend dem Risiko-Erhaltungssatz: Die Minimierung individueller Risiken in einem geschlossenen System erh\u00f6ht das Systemrisiko &#8211; bis das System auseinanderbricht.<\/p>\n<p>Man hat dies im US-Aktienmarkt gesehen, wo das Derivatsystem die Risiken f\u00fcr Anleger in hochbewertete Unternehmensanleihen unter die Risiken gesenkt hat, die die Emittenten solcher Anleihen tragen. Individuelle Risiken wurden minimiert, w\u00e4hrend das potentielle Gesamtrisiko auf ein systemisches Niveau getrieben wurde, und das System kollabierte&#8230;<\/p>\n<p>Seit Beginn der Globalisierung hat sich die technologische Entwicklung soweit entwickelt, da\u00df die Bewu\u00dftseinsbildung zum profitabelsten Bet\u00e4tigungsfeld geworden ist, das Menschen leicht zug\u00e4nglich ist. Wenn etwas \u201esehr profitabel und leicht zug\u00e4nglich\u201c ist, verbreitet es sich auch sehr rasch. Das bedeutet, da\u00df sich die Menschen heute nicht mehr haupts\u00e4chlich damit besch\u00e4ftigen, die sie umgebende Welt zu ver\u00e4ndern, sondern das eigene Denken umzugestalten. Die Handlungsweise der Menschheit selbst \u00e4ndert sich. In unserer gesamten Geschichte als biologische Spezies hat es noch nie eine solche Transformation gegeben.<\/p>\n<p>Das menschliche Denken wird zu einem Gegenstand intensivster und chaotischster Einfl\u00fcsse verwandelt. Das Auftreten einer Vielzahl von R\u00fcckkoppelungsgliedern l\u00e4\u00dft die Welt schwerer verst\u00e4ndlich erscheinen. Diese geringere Verst\u00e4ndlichkeit der Welt erh\u00f6ht das Verlangen nach Mystizismus und verringert die Wi\u00dfbegier und damit auch nach Bildung. Die Bildung verkommt zu einem Werkzeug sozialer Kontrolle. Die Menschheit wird primitiver und entmenschlichter und gleitet in ein neues finsteres Zeitalter ab.<\/p>\n<p>Streng wirtschaftlich betrachtet, k\u00f6nnte man dies als Anpassung sozialer Beziehungen auf allen Ebenen (von der Familie bis zum Staat) &#8211; von Beziehungen, die sich im Zuge der jetzt verschwindenden industriellen Technologien entwickelt haben &#8211; an neue, nachindustrielle Technologien ansehen. Das fing mit den Informationstechnologien an, und die Biotechnologien werden wahrscheinlich die n\u00e4chsten sein. Wenn man \u00fcber Wirtschaftsfragen spricht, sollte man jedoch bedenken, da\u00df diese Ver\u00e4nderungen viel breiter und tiefer als die in der \u00d6konomie untersuchten Ph\u00e4nomene sind.<\/p>\n<h4>Finanzielle Zusammenbruchskrise<\/h4>\n<p>Die Menschen untersch\u00e4tzen das Ausma\u00df der globalen Finanzkrise, da sie deren Hauptursache \u00fcbersehen: Die Ersch\u00f6pfung des bisherigen globalen Entwicklungsmodells nach dem Untergang der Sowjetunion. Nach seinem Sieg \u00fcber uns im Kalten Krieg gestaltete der Westen die Welt im Interesse seiner globalen Konzerne um und verweigerte den so erlangten Gebieten eine normale Entwicklung (um einen Wettbewerb mit diesen Konzernen zu unterbinden).<\/p>\n<p>Doch damit beschr\u00e4nkten sich die den entwickelten L\u00e4ndern selbst verf\u00fcgbaren M\u00e4rkte, und es entstand eine \u00dcberproduktionskrise &#8211; nicht prim\u00e4r f\u00fcr herk\u00f6mmliche G\u00fcter, sondern f\u00fcr Informations- und Managementtechnologien, mit denen man Menschen ver\u00e4ndern und verf\u00fcgbar machen will: Nicht High-tech, sondern High-hume.<sup>1<\/sup><\/p>\n<p>Die massive Kreditvergabe an die Dritte Welt, um die Nachfrage anzuregen &#8211; ein instinktiver Versuch, einen Ausweg aus der Krise zu finden, f\u00fchrte zur Schuldenkrise von 1997-99, die 2000-2001 auf die Vereinigten Staaten zur\u00fcckschlug.<\/p>\n<p>Die Vereinigten Staaten zogen sich (und die Weltwirtschaft, deren Dreh- und Angelpunkt sie sind) mit zwei Strategien aus der Rezession.<\/p>\n<p>Die M\u00e4rkte mit nicht zur\u00fcckzahlbaren Hypothekenanleihen \u201evollzupumpen\u201c, funktioniert nicht mehr.<\/p>\n<p>Die zweite Strategie besteht darin, \u201eInstabilit\u00e4t zu exportieren\u201c, um Wettbewerber zu schw\u00e4chen und ihr Finanz- und Geisteskapital zu zwingen, die \u201esicheren H\u00e4fen\u201c im Westen aufzusuchen. Die wachsende Instabilit\u00e4t dient dazu, wachsende R\u00fcstungsausgaben in den USA selbst zu begr\u00fcnden, wodurch Wirtschaft und Technologie angekurbelt werden (so wie der \u201emilit\u00e4rische Keynesianismus\u201c auch vom fr\u00fcheren US-Pr\u00e4sidenten Reagan angewandt wurde). Diese 1999 in Jugoslawien gegen die Eurozone durchgef\u00fchrte Strategie setzte sich dann im Irak fort. Der Arabische Fr\u00fchling und der terroristische Krieg gegen Syrien zeigen, da\u00df die Strategie des \u201eInstabilit\u00e4tsexports\u201c zu einem \u201eChaosexport\u201c degeneriert ist, welcher auch f\u00fcr die Vereinigten Staaten gef\u00e4hrlich ist. Washington versucht gar nicht, die von ihm destabilisierten Gebiete zu verwalten, wodurch diese zum Katalysator f\u00fcr globale milit\u00e4rische und politische Krisen geworden sind.<\/p>\n<p>Nach der Obama-Doktrin m\u00fcssen die USA so weit wie m\u00f6glich durch andere operieren, wodurch die eigenen Ressourcen geschont und die der NATO-Satelliten aufgebraucht werden. Die nichtwestlichen Gesellschaften sollen nicht \u201eamerikanisiert\u201c, sondern in ein sich selbst erhaltendes Chaos gest\u00fcrzt werden, um so deren Ressourcen mit minimalem milit\u00e4rischem Aufwand zu kontrollieren. Das ist der Grund f\u00fcr die Allianz mit islamischen Terroristen, die [der fr\u00fchere US-Vizepr\u00e4sident] Cheney propagierte und die jetzt in Libyen und Syrien zutage getreten ist.<\/p>\n<p>Finanziell gesehen erscheint diese Strategie jedoch ungeeignet zu sein, um gen\u00fcgend Nachfrage nach Dollars zu erzeugen und so den Status quo zu erhalten.<\/p>\n<p>Der Westen versucht heute nicht mehr, seine Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu steigern, sondern will einfach die Welt in die 1990er und 2000er Jahre zur\u00fcckzusto\u00dfen &#8211; eine f\u00fcr immer vergangene Welt. Gleichzeitig hat sich unter dem Vorwand von Globalisierung und humanit\u00e4ren Interventionen fast \u00fcberall, sogar in Osteuropa, eine neue Form des Kolonialismus entwickelt.<\/p>\n<p>Das bedeutet, da\u00df der Westen die strategische Initiative verloren hat, und bisher hat niemand anderes sie ergriffen.<\/p>\n<p>Die organische Unf\u00e4higkeit der Vereinigten Staaten, auch nur einen kleinen Teil ihrer derzeitigen Interessen um der L\u00f6sung ihrer eigenen Probleme willen aufzugeben, d.h. ihr absolut verheerender Egoismus, treibt neue M\u00e4chte an die Spitze der globalen Entwicklung: die Europ\u00e4ische Union, China und auch Ru\u00dfland, wenn unsere F\u00fchrung schlau genug ist, wodurch die Pax Americana an ihr Ende kommt.<\/p>\n<p>Soweit wir es verstehen, \u00fcbersteigt die Zusammenlegung der Menschheit erneut, wie schon einmal Anfang des 20. Jahrhunderts, die F\u00e4higkeiten ihrer Regierungssysteme; die Menschheit ist gezwungen, die Tiefe dieser Verflechtung zu reduzieren, einen Schritt zur\u00fcck zu machen und die Regierbarkeit teilweise durch primitivere Prozesse wiederherzustellen.<\/p>\n<h4>Globale Monopole<\/h4>\n<p>Der rein wirtschaftliche Aspekt der derzeitigen Krise wird am Verfallszustand der globalen Monopole sichtbar. F\u00fcr externen Wettbewerb ist auf den globalen M\u00e4rkten kein Spielraum. Der technologische Fortschritt, der eine Quelle f\u00fcr Wettbewerb sein k\u00f6nnte, wird behindert durch die Monopole (vor allem durch ihren Mi\u00dfbrauch von geistigen Eigentumsrechten) und durch das Fehlen starker nicht\u00f6konomischer Bedrohungen (ohne die die Entdeckung neuer technologischer Prinzipien im Unterschied zu deren anschlie\u00dfender Vermarktung nicht profitabel ist).<\/p>\n<p>Der Zerfall der globalen Monopole wird deshalb anhalten, bis er zum Zusammenbruch in eine Depression f\u00fchrt. Aufgrund mangelnder Nachfrage wird der eine globale Markt in ein kompliziertes System von Makroregionen zerfallen; die geringere Gr\u00f6\u00dfe der M\u00e4rkte wird zum Verlust einiger Technologien und zu technogenen Katastrophen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Makroregionen werden sich einen harten und chaotischen kulturellen, politischen, wirtschaftlichen und technologischen Wettbewerb liefern, so wie schon einmal in der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Die blo\u00dfe Bildung dieser Makroregionen wird wahrscheinlich die absolute Macht und damit den Zerfall der globalen Monopole begrenzen; trotz ihrer Macht ist dann ihr Zugang zu den Makroregionen \u201eanderer\u201c begrenzt.<\/p>\n<p>Genau deshalb ist dieses Szenario f\u00fcr die globale herrschende Klasse und die amerikanische F\u00fchrung, die dem Ausdruck der Interessen dieser Klasse am n\u00e4chsten kommt, inakzeptabel. Sie wollen potentielle Makroregionen lieber ins Chaos st\u00fcrzen, anstatt ihnen zu erlauben, sich von den globalen M\u00e4rkten loszul\u00f6sen, die von den globalen Monopolen kontrolliert werden.<\/p>\n<p>Dennoch kann man annehmen, da\u00df sich durch die Wiederherstellung eines bipolaren politischen Systems (zwischen den USA und China, wobei die Europ\u00e4ische Union, Japan, Indien und m\u00f6glicherweise Ru\u00dfland entsprechend der Nichtpaktgebundenen Bewegung als Ausgleich dienen) und ein aus mehreren W\u00e4hrungen bestehendes Wirtschaftssystem (wobei jede W\u00e4hrungszone ihre eigene Reservew\u00e4hrung h\u00e4tte) eine zeitlang ein Gleichgewicht erreichen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Das Grundproblem der heutigen Entwicklung ist jedoch weder der Egoismus der Vereinigten Staaten noch der Mangel an Liquidit\u00e4t oder die Schuldenkrise, sondern das Fehlen einer wirtschaftlichen Wachstumsquelle in den Vereinigten Staaten und damit in der gesamten Weltwirtschaft. Es gibt nichts, was die \u00dcberproduktionskrise der globalen Monopole abschw\u00e4chen und einen neuen Wirtschaftsmotor schaffen k\u00f6nnte, um den defekten zu ersetzen. Das bedeutet, da\u00df die Krise nicht in einem Aufschwung der Weltwirtschaft, sondern in einer langen und sehr schweren Depression enden wird.<\/p>\n<h4>R\u00fcckfall in den Mystizismus<\/h4>\n<p>Die Lage verschlimmert sich durch die Verbreitung und st\u00e4ndige Verbesserung von Computern, die die Verk\u00f6rperung formaler Logik sind. Der Zugang zu ihnen stellt uns alle auf die gleiche Stufe, und der Wettbewerb zwischen Individuen und Gruppen basiert zunehmend nicht mehr auf Logik, sondern auf &#8211; kreativem wie mystischen &#8211; unlogischem Denken.<\/p>\n<p>Die Unm\u00f6glichkeit, Menschen diese Art zu denken beizubringen, so leicht wie man ihnen logische Denkf\u00e4higkeit beibringen kann, macht Konkurrenz zunehmend biologisch und weniger sozial, als wir es gew\u00f6hnlich als akzeptabel betrachten. Das wird den Abw\u00e4rtstrend in der gesellschaftlichen Bedeutung von Wissen und der Qualit\u00e4t unserer Fachleute verst\u00e4rken, ein Proze\u00df, der wegen unserer Unf\u00e4higkeit, die bestehende Infrastruktur aufrechtzuerhalten, technologische Katastrophen heraufzubeschw\u00f6ren droht.<\/p>\n<p>Die Zunahme des Mystizismus, eine sch\u00e4rfere globale Konkurrenz und die Entstehung einer globalen Herrscherklasse, die weder W\u00e4hler noch Steuerzahler noch einflu\u00dfreicher Aktion\u00e4re hat, und im Grunde frei von jeder Verantwortlichkeit ist &#8211; all dies wird die Gesellschaft dehumanisieren.<\/p>\n<h4>Zerst\u00f6rung der Mittelschicht<\/h4>\n<p>Die Verbreitung der Informationstechnologie f\u00fchrt uns in einer Krise der Regierbarkeit, vor allem in eine Krise der herk\u00f6mmlichen Demokratie, die vor unseren Augen zu funktionieren aufh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die Ersch\u00f6pfung des liberalen und marktorientierten Paradigmas ist seit der W\u00e4hrungskrise 1997-99 in den unterentwickelten L\u00e4ndern un\u00fcbersehbar. Es sei daran erinnert, da\u00df das derzeitige Marktparadigma von einem Menschen ausgeht, der des Profits wegen lebt, und da\u00df nach dem liberalen Paradigma der Staat im Dienst der globalen Konzerne und nicht des Volkes steht.<\/p>\n<p>Ein Zeichen f\u00fcr die Ersch\u00f6pfung des liberalen Paradigmas ist die Beseitigung der Mittelschicht.<\/p>\n<p>Wenn auf der einen Seite die Verschuldung zu gro\u00df ist und der Geldumlauf nicht weiter gesteigert werden kann, fangen die globalen Monopole an, Kosten einzusparen. Das bedeutet, da\u00df der Verbrauch jenes Bev\u00f6lkerungsteils eingeschr\u00e4nkt wird, der vom Markt bereits mehr konsumiert, als er produziert (obgleich er Humankapital beisteuern kann, das kein Marktprodukt ist) &#8211; das hei\u00dft der Verbrauch der Mittelschicht.<\/p>\n<p>Zweitens, die superproduktiven nachindustriellen Technologien machen die Mittelschicht \u00fcberfl\u00fcssig. Die globalen Monopole haben die Mittelschicht in Afrika, Lateinamerika und den nachsozialistischen L\u00e4ndern zerst\u00f6rt. Jetzt ist die Mittelschicht im Herzen des kapitalistischen Systems an der Reihe: in den Vereinigten Staaten und in den entwickelten L\u00e4ndern Europas. Die Verarmung der Mittelschicht in den entwickelten L\u00e4ndern &#8211; die ber\u00fchmte \u201egoldene Milliarde\u201c &#8211; wird niemanden vor der Krise retten, sondern verschiebt die Krise in neue nach\u00f6konomische und nachdemokratische Dimensionen. Nach ihrem Untergang wird die Demokratie aufgrund einer Neuausrichtung des Denkens zu einer neuen Diktatur degenerieren.<\/p>\n<p>Damit w\u00e4re der Proze\u00df der Entmenschlichung und der Zur\u00fcckweisung der Zivilisation abgeschlossen. Wir werden erleben, da\u00df der Westen die Souver\u00e4nit\u00e4t und das Selbstbewu\u00dftsein des Individuums &#8211; jene wichtigste Errungenschaft der Aufkl\u00e4rung &#8211; abschafft und zum Mittelalter zur\u00fcckkehrt, vielleicht aufgrund eines Desasters, das die \u00f6ffentliche und die individuelle Psyche vernichtet. Der erste Schritt in diese Richtung ist bereits gemacht: Descartes Maxime: \u201eIch denke, also bin ich\u201c, wurde durch eine gewinntr\u00e4chtigere Gesch\u00e4ftsformulierung ersetzt: Noch nicht einmal: \u201eIch konsumiere\u201c, sondern: \u201eIch kaufe, also bin ich\u201c.<\/p>\n<p>Aus der Werbung wissen wir, da\u00df, wenn ein Produkt mit einem bestimmten Markenetikett versehen wird, sich dessen Preis um ein Vielfaches erh\u00f6ht. Das bedeutet, da\u00df der Massenaustausch von G\u00fctern und Dienstleistungen bereits ungerecht geworden ist. Und ein ungerechter oder \u201enicht\u00e4quivalenter\u201c Austausch ist nichts anderes als Diebstahl. Wenn Diebstahl zur Norm wird, hei\u00dft das, da\u00df es den traditionellen Markt nicht mehr gibt. Das ist ganz nat\u00fcrlich: Die Verarmung der Mittelschicht beraubt eine moderne \u00d6konomie der Nachfrage, und eine \u00d6konomie ohne Nachfrage ist eine Nicht-Marktwirtschaft.<\/p>\n<p>Wenn gleichzeitig die Besitzer gro\u00dfer Konzerne die Kontrolle \u00fcber deren leitende Angestellte verlieren, bedeutet dies genau genommen die Abschaffung des Privateigentums und damit des Kapitalismus im klassischen Sinn. Somit sind die traditionelle Demokratie und der Markt eigentlich am Ende; wir haben es nur noch nicht bemerkt.<\/p>\n<p>Die Krise der Demokratie und die Herausbildung einer globalen Herrscherklasse, die von au\u00dfen Kontrolle \u00fcber den Rest der Menschheit aus\u00fcbt, neigen dazu, Regierungssysteme wiederzubeleben, die eigentlich verborgen sind, wie die mittelalterlichen Orden.<\/p>\n<p>Diese Systeme h\u00e4ufen Wissen an; doch verborgenes Wissen wird von Natur aus zwangsl\u00e4ufig absterben oder zu Ritualen degenerieren. Das computerisierte Mittelalter, das auf uns zukommt und das ein Teil der globalen Herrscherklasse so reizvoll findet, wird nicht lange computerisiert bleiben.<\/p>\n<p>Uns erwartet somit ein schmerzhafter und gro\u00dfer R\u00fcckschritt, der viele Menschenleben kosten wird: Eine Art Absturz in ein neues finsteres Zeitalter&#8230;<\/p>\n<h4>Ru\u00dflands potentieller Beitrag<\/h4>\n<p>Wir wissen nicht, ob es der Menschheit im weiteren gelingt, eine katastrophale Fortsetzung zu verhindern, doch wir m\u00fcssen alle Anstrengungen unternehmen.<\/p>\n<p>Es ist eine doppelte Anstrengung: Die heutigen Technologien zu erhalten und den technologischen Fortschritt trotz der Kontraktion der M\u00e4rkte (und damit einer geringeren Arbeitsteilung) fortzusetzen, und den Humanismus zu erhalten, indem wir der allgemeinen Entmenschlichung ein Ende setzen.<\/p>\n<p>Ru\u00dfland verf\u00fcgt \u00fcber bedeutende Voraussetzungen, um dieses Problem zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Zum einen hat der sowjetische milit\u00e4risch-industrielle Komplex die noch weitgehend erhaltene Grundlage f\u00fcr superproduktive sogenannte \u201eSchlu\u00dftechnologien\u201c<sup>2<\/sup>\u00a0geschaffen, die sich von herk\u00f6mmlichen Technologien durch ihre Preisw\u00fcrdigkeit und Einfachheit unterscheiden. Auch wenn diese von den Monopolen blockiert werden, k\u00f6nnen sie nach deren Zusammenbruch in der globalen Depression selbst in kleinen M\u00e4rkten ihre hohe Profitabilit\u00e4t beibehalten.<\/p>\n<p>Zweitens, unsere Kultur ist wegen der besonderen Bedeutung, die sie dem Streben nach Gerechtigkeit zumi\u00dft, grunds\u00e4tzlich humanistisch. Das Streben nach Gerechtigkeit hat nachhaltige Vorteile, da die Wirksamkeit der Gesellschaft als Ganzer der Wirksamkeit eines einzelnen Betriebs vorzuziehen ist; das ist eine entscheidende Vorbedingung f\u00fcr das kollektive \u00dcberleben wie auch f\u00fcr die Erhaltung des Humanismus.<\/p>\n<p>Die russische Kultur ist ma\u00dfgeblich messianisch: Die Tr\u00e4ger dieser Kultur leben nicht ohne einen gr\u00f6\u00dferen Zweck, selbst wenn sie angenehm leben (dies ist ein gemeinsames Merkmal der menschlichen Gattung). Au\u00dferdem sind sie unabh\u00e4ngig in der Lage, selbst am Rande des Ruins einen solchen gr\u00f6\u00dferen Zweck zu erzeugen. Das erm\u00f6glicht es Ru\u00dfland, einen ernsthaften Versuch zu unternehmen, mittels einer Art \u201etechnologischem Sozialismus\u201c einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden, in der sich die moderne Gesellschaft befindet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Anmerkung<\/b><\/p>\n<p>1. Dieser Ausdruck aus der soziologischen Fachsprache, der sich auf Technologien bezieht, mit denen das menschliche Denken des einzelnen wie der Massen (mit politischen Mitteln, \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Marketing usw.) ver\u00e4ndert werden soll, ist unter russischen Analytikern sehr beliebt.<\/p>\n<p>2. Eine \u201eSchlu\u00dftechnologie\u201c ist eine Technologie, die solche Wirtschaftlichkeit und andere Ressourcen produziert, da\u00df dadurch die Schlie\u00dfung weniger fortgeschrittener Betriebe ausgel\u00f6st wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Wortlaut Die derzeitigen Wirtschaftsprobleme sind nur ein besonderer Ausdruck einer Systemkrise der Menschheit, einer Krise, deren Charakter sich \u00e4ndert. Die wichtigsten Entwicklungen spielen sich wie gew\u00f6hnlich au\u00dferhalb des Bereichs der Wirtschaft ab. Sie betreffen einen grundlegenden Wandel in der Beziehung des Menschen zur Natur. 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