{"id":34688,"date":"2016-06-28T11:32:31","date_gmt":"2016-06-28T09:32:31","guid":{"rendered":"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/de\/media\/helga-zepp-larouche-the-future-of-mankind-will-be-beautiful-provided-we-can-avoid-the-fate-of-the-dinosaurs\/"},"modified":"2016-07-13T10:35:22","modified_gmt":"2016-07-13T08:35:22","slug":"helga-zepp-larouche-the-future-of-mankind-will-be-beautiful-provided-we-can-avoid-the-fate-of-the-dinosaurs","status":"publish","type":"portfolio_cpt","link":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/portfolio\/helga-zepp-larouche-the-future-of-mankind-will-be-beautiful-provided-we-can-avoid-the-fate-of-the-dinosaurs\/","title":{"rendered":"Helga Zepp-LaRouche: Die Menschheit steht vor einer gro\u00dfartigen Zukunft \u2013 wenn wir dem Schicksal der Dinosaurier entgehen!"},"content":{"rendered":"<div class=\"title-big\"><h2 class=\"title-big-title\">Helga Zepp-LaRouche<\/h2><\/div>\n<hr class=\"shortcode-hr\">\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Helga Zepp-LaRouche \u2013 Die Menschheit steht vor einer gro\u00dfartigen Zukunft ...\" width=\"860\" height=\"484\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/yjdoLeGBewI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Audio (mp3):<\/h3>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-34688-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Keynote-DE_1.mp3?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Keynote-DE_1.mp3\">http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Keynote-DE_1.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<a href=\"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Keynote-DE_1.mp3\" style=\"display:inline-block;padding:10px 24px;background:#0693e3;color:#ffffff;border-radius:4px;text-decoration:none;font-weight:600;margin:5px;transition:opacity 0.2s;\" onmouseover=\"this.style.opacity=0.85\" onmouseout=\"this.style.opacity=1\">herunterladen<\/a>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr class=\"shortcode-hr\">\n<h2>Die Menschheit steht vor einer gro\u00dfartigen Zukunft \u2013 wenn wir dem Schicksal der Dinosaurier entgehen!<\/h2>\n<p>Verehrte Damen und Herren, sehr geehrte G\u00e4ste, liebe Freunde des Schiller-Instituts, ich denke, wir alle sind zu dieser Konferenz gekommen, weil jeder in diesem Raum wei\u00df, da\u00df wir eine beispiellose systemische und existentielle Krise der Zivilisation erleben. Wir erleben eine Kriegsgefahr, da die NATO Ru\u00dfland in \u00e4u\u00dferst aggressiver Weise gegen\u00fcbertritt, was zu einem Dritten Weltkrieg f\u00fchren kann. Es gibt eine Konfrontation der USA gegen China im S\u00fcdchinesischen Meer. Es gibt die Gefahr einer neuen Finanzkrise wie 2008, die das Finanzsystem sprengen k\u00f6nnte. Und nat\u00fcrlich war da auch vor zwei Tagen der Brexit &#8211; Gro\u00dfbritannien stimmte f\u00fcr den Austritt aus der Europ\u00e4ischen Union. Und wir alle wissen, da\u00df dies kein Votum gegen Europa an sich war, sondern ein Votum gegen ein vollkommen ungerechtes System und eine korrupte Elite.<\/p>\n<p>Diese Konferenz hat ein \u00fcbergreifendes Thema, und das ist, L\u00f6sungen f\u00fcr diese Krisen zu finden, dar\u00fcber zu diskutieren, was das neue Paradigma sein soll, und ob die Menschheit in der Lage ist, eine solche existentielle Krise zu meistern.<\/p>\n<p>Wir haben hier hervorragende Redner aus vier Kontinenten und vielen, vielen L\u00e4ndern, die offensichtlich alle zu den Menschen geh\u00f6ren, die fest entschlossen sind, L\u00f6sungen zu finden.<\/p>\n<p>Und bevor ich auf diese verschiedenen t\u00f6dlichen Gefahren n\u00e4her eingehe, sage ich: Die L\u00f6sung ist einfach. Seien Sie also ruhig und gefa\u00dft. Wenn die Menschheit sich auf einen guten Plan einigt und in Solidarit\u00e4t mutig handelt, dann kann jede Krise der menschlichen Zivilisation \u00fcberwunden werden, denn das ist die Natur des Menschen: Wenn wir durch ein gro\u00dfes \u00dcbel herausgefordert werden, dann wird eine noch gr\u00f6\u00dfere Kraft des Guten in unserer Seele wachgerufen.<\/p>\n<p>Betrachten wir nun die Lage. Am Donnerstag hat Gro\u00dfbritannien mit 52% daf\u00fcr gestimmt, die EU zu verlassen. Unmittelbar danach, in den Morgenstunden des Freitag, gab es einen Absturz auf den Finanzm\u00e4rkten, f\u00fcnf Billionen Pfund wurden vernichtet. Es h\u00e4tte ein Schwarzer Freitag werden k\u00f6nnen. Die Turbulenzen gehen weiter.<\/p>\n<p>Einige Leute sind nun v\u00f6llig best\u00fcrzt und fragen: \u201eWie konnten wir uns so irren? Noch bis Mitternacht sagten uns die Buchmacher das Gegenteil, da\u00df alles gut verlaufen w\u00fcrde. Wie konnten die uns so auf dem falschen Fu\u00df erwischen?\u201c<\/p>\n<p>Nun, ich werde dar\u00fcber noch sprechen, aber lassen Sie mich vorausschicken, da\u00df dieser Brexit vielleicht doch ein Segen ist. Denn er ist ein Votum gegen eine supranationale B\u00fcrokratie, eine seelenlose Br\u00fcsseler Diktatur. Er ist ein Votum gegen den Raub der nationalen Souver\u00e4nit\u00e4t, gegen eine v\u00f6llig herzlose Europ\u00e4ische Kommission, die vollkommen entfremdet ist von den Menschen in Europa, einer Europ\u00e4ischen Union, die niemandem n\u00fctzt, die keine humanit\u00e4ren Werte kennt. Der Brexit schafft nun die Gelegenheit, ein ganz neues Europa aufzubauen.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich, da\u00df ich bei einer Konferenz des Schiller-Instituts 2003 &#8211; das war an dem Tag, als der Irakkrieg begann &#8211; meiner Rede die Bemerkung vorausschickte: \u201eSind diese Leute verr\u00fcckt? Wissen sie nicht, da\u00df man, wenn man auf der Grundlage von L\u00fcgen Krieg gegen ein Land anf\u00e4ngt, die Erinnyen, die [Rache-]G\u00f6ttinnen des Naturrechts, herausfordert? Selbst wenn die vielleicht nicht sofort eingreifen, es existiert eine h\u00f6here Gerechtigkeit, die die Dinge korrigiert.\u201c Und ich sehe eine Art historische Ironie in dem Zusammenhang zwischen dem Votum der Briten gegen die EU-Mitgliedschaft und dem illegalen Krieg gegen den Irak. Vergessen Sie nicht, da\u00df dieser Irakkrieg eine der Ursachen der Fl\u00fcchtlingskrise war, eine der Ursachen, warum Europa heute in so gro\u00dfen Schwierigkeiten ist. Und nun beschlie\u00dft ausgerechnet die britische Bev\u00f6lkerung etwas, was das Ende des Britischen Empire bedeuten und dazu f\u00fchren kann, da\u00df aus Gro\u00dfbritannien ein sehr kleines Britannien wird, wenn n\u00e4mlich Schottland und [Nord-]Irland [aus dem Vereinigten K\u00f6nigreich] austreten. Ich denke, das ist eine h\u00f6here Gerechtigkeit und der Beweis, da\u00df die Nemesis eine Kraft in der Geschichte ist.<\/p>\n<h3>Die Bedrohungen<\/h3>\n<p>Lassen Sie mich auf die zugrundeliegende Gefahr eingehen, die durch den Brexit zwar nicht beseitigt wird, der aber, wie ich schon sagte, neue \u00d6ffnungen schafft, um eine L\u00f6sung zu finden.<\/p>\n<p>Wir sitzen auf einem Pulverfa\u00df, und jede der verschiedenen aktuellen strategischen Krisen k\u00f6nnte einen thermonuklearen Krieg ausl\u00f6sen. Es gibt Menschen &#8211; nicht viele, aber wenigstens einige, vor allem Milit\u00e4rexperten -, die sagen, da\u00df wir jetzt in einer Lage sind, die gef\u00e4hrlicher ist als auf dem H\u00f6hepunkt des Kalten Krieges. Das war nat\u00fcrlich die Kubakrise. Danach bestand die Kriegsgefahr aus verschiedenen Gr\u00fcnden noch lange weiter. Aber erst in den letzten Tagen sprechen die Menschen pl\u00f6tzlich dar\u00fcber. [Au\u00dfenminister] Steinmeier bezeichnete die NATO-Man\u00f6ver im Baltikum als Kriegsgeheul und S\u00e4belrasseln. Wolfgang Ischinger, Leiter der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz und entschiedener Atlantiker, sagt, da\u00df die Gefahr einer Eskalation zu einer milit\u00e4rischen Konfrontation besteht. Die NATO m\u00fcsse sich m\u00e4\u00dfigen &#8211; wohlgemerkt, die NATO.<\/p>\n<p>Gernot Erler, der Koordinator der deutschen Ru\u00dflandpolitik, sagt, die NATO eskaliere die Lage bis hin zu einem Krieg, das m\u00fcsse aufh\u00f6ren. Professor Stephen Cohen von der Universit\u00e4t New York nennt die Vereinigten Staaten die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr die Welt, und wenn die Regierung Obama das tun w\u00fcrde, was die 51 Dissidenten im US-Au\u00dfenministerium gerade in ihrem Offenen Brief an Obama gefordert haben &#8211; n\u00e4mlich, Assad zu st\u00fcrzen -, dann w\u00fcrde ISIS innerhalb kurzer Zeit in Damaskus herrschen und die USA bef\u00e4nden sich in einem Krieg mit Syrien, dem Iran und Ru\u00dfland.<\/p>\n<p>Bis zum NATO-Gipfel in Warschau im Juli gibt es f\u00fcnf NATO-Man\u00f6ver an der russischen Grenze in Polen und den baltischen Staaten, an denen etwa 50-60.000 Soldaten beteiligt sind. Gleichzeitig verlegen die Vereinigten Staaten Flugzeugtr\u00e4ger-Kampfgruppen ins Mittelmeer, Kriegsschiffe der Aegis-Klasse ins Schwarze Meer, andere Kriegsschiffe in die Ostsee. Nach dem Warschauer Gipfel werden vier Bataillone in den baltischen Staaten stationiert. Es ist ein voller R\u00fcstungswettlauf im Gang, auf beiden Seiten werden die gesamten Kernwaffenarsenale modernisiert.<\/p>\n<p>Die gleiche Dynamik vollzieht sich, mit anderen Pr\u00e4dikaten, am S\u00fcdchinesischen Meer zwischen den Vereinigten Staaten und China. Es gab keine Probleme im S\u00fcdchinesischen Meer, bis die [letzte] Regierung der Philippinen auf Druck der Vereinigten Staaten unter v\u00f6lliger Mi\u00dfachtung des V\u00f6lkerrechts den Territorialstreit vor den Schiedshof in Den Haag brachte. Die Vereinigten Staaten verletzen unter dem Vorwand der Freiheit der Meere mit ihren Schiffsoperationen st\u00e4ndig die Zw\u00f6lfmeilenzone und \u00fcberfliegen chinesische Inseln und Riffe. Die Propagandalinie lautet in beiden F\u00e4llen, im Konflikt mit Ru\u00dfland und mit China, gleich: Ru\u00dfland habe illegal die Krim annektiert und China habe sich im S\u00fcdchinesischen Meer aggressiv Land angeeignet, und alle Schritte der Vereinigten Staaten und der NATO seien blo\u00df Reaktionen auf das aggressive Verhalten Ru\u00dflands und Chinas.<\/p>\n<p>Aber das ist reine L\u00fcge. Die Frage, von der man ausgehen mu\u00df, ist die: Wie kommt es, da\u00df wir 71 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Welt in Ruinen lag, feierlich gelobten: \u201eNie wieder V\u00f6lkermord, nie wieder Krieg\u201c, und 25 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion heute am Rande des Dritten Weltkrieges stehen?<\/p>\n<p>Es sind jetzt neue Transkripte zug\u00e4nglich, aus denen klar ersichtlich ist, da\u00df es in der Zeit zwischen 1989 und 1991 eine ganze Reihe von Treffen gab, in denen die Vereinigten Staaten der Sowjetunion versprochen haben, da\u00df die NATO nicht bis an die Grenzen Ru\u00dflands erweitert werden w\u00fcrde. Am 9. Februar 1990 sagte der damalige amerikanische Au\u00dfenminister James Baker, wenn Deutschland als Teil des Westens wiedervereinigt werde und der NATO beitrete, dann g\u00e4ben die Vereinigten Staaten \u201eeine unantastbare Garantie, da\u00df die NATO nicht einen Zoll weit ostw\u00e4rts expandieren wird\u201c.1<\/p>\n<p>Das war ein entscheidendes Element, warum der sowjetische Pr\u00e4sident Gorbatschow den Vereinigungsgespr\u00e4chen zugestimmt hat. Es wurde zwar kein formelles Abkommen dar\u00fcber geschlossen, aber viele Zeitzeugen, wie der fr\u00fchere US-Botschafter in Moskau Jack Matlock und andere, haben erkl\u00e4rt, da\u00df Baker am 18. Mai 1990 das Versprechen gab, da\u00df die USA mit der Sowjetunion beim Aufbau eines neuen Europa kooperieren werden. Im Juni 1990 versprach [US-Pr\u00e4sident G.] Bush der sowjetischen F\u00fchrung, da\u00df die USA auf ein inklusives Europa hinarbeiten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Heute ist klar, da\u00df die Neokonservativen in den Vereinigten Staaten, schon w\u00e4hrend dieses Versprechen gegeben wurde, am PNAC-Projekt arbeiteten; die Doktrin dieses \u201eProjekts f\u00fcr ein Neues Amerikanisches Jahrhundert\u201c besagt, da\u00df die Vereinigten Staaten nun, nach dem Zerfall der Sowjetunion, auf einer \u201eunipolaren\u201c Welt bestehen werden, d.h. da\u00df sie keiner anderen Nation oder Gruppe von Nationen jemals erlauben werden, die Macht der Vereinigten Staaten wirtschaftlich oder politisch zu \u00fcberfl\u00fcgeln.<\/p>\n<p>Schon ab Mitte der 90er Jahre wurden osteurop\u00e4ische L\u00e4nder, fr\u00fchere Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes, in die NATO hereingeholt: Polen, Ungarn, die Tschechische Republik, die baltischen Staaten und andere. Jelzin, Medwedjew und Gorbatschow protestierten dagegen, sowohl privat als auch \u00f6ffentlich. Die Vereinigten Staaten verletzten die Vereinbarung, nicht zu expandieren und sich nach Osten auszuweiten. Sie setzten auf Regimewechsel. [Staatssekret\u00e4rin] Victoria Nuland hat \u00f6ffentlich zugegeben, da\u00df das US-Au\u00dfenministerium allein f\u00fcr die Farbenrevolution in der Ukraine 5 Milliarden Dollar ausgegeben hat. Und der k\u00fcrzlich verstorbene fr\u00fchere Bundeskanzler Helmut Schmidt sagte, eigentlich habe die Krise in der Ukraine schon mit dem Maastricht-Abkommen begonnen, weil sich die EU in diesem Moment in ein Empire verwandelte, mit der Idee, immer weitere Mitglieder aufzunehmen. Und die Osterweiterung der EU erfolgte parallel zur Osterweiterung der NATO.<\/p>\n<p>Was die Krise in der Ukraine ausl\u00f6ste und damit auch die Krise mit Ru\u00dfland (die schwelte zwar schon vorher, aber dann brach sie auch ganz formell aus) war, da\u00df die EU Ende 2013 beim Gipfel in Vilnius ihr Projekt der \u00d6stlichen Partnerschaft vorantreiben und die Ukraine mit der EU assoziieren wollte. Da erkannte der ukrainische Pr\u00e4sident Janukowitsch im letzten Moment, da\u00df dies der NATO Zugang zur Ukraine verschafft und Ru\u00dfland f\u00fcr alle Produkte<\/p>\n<p>der EU ge\u00f6ffnet h\u00e4tte, was f\u00fcr die russische Wirtschaft ruin\u00f6s gewesen w\u00e4re. Deshalb sprang er im letzten Moment ab, und dann wurden die NGOs aktiviert, die vom US-Au\u00dfenministerium finanziert werden, darunter auch Nazis in der Tradition von Stepan Bandera.<\/p>\n<p>Das f\u00fchrte dann zum Putsch vom 22. Februar 2014 und in der Folge zum Referendum auf der Krim. Das war keine Annexion durch Ru\u00dfland, es war ein Referendum der Mehrheit der Menschen auf der Krim als Reaktion auf den faschistischen Putsch in Kiew. Das mu\u00df man klarstellen, denn wenn man diese Chronologie nicht sieht, dann ist man in der Kriegspropaganda gefangen, die zum Dritten Weltkrieg f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Seit einigen Jahren hat sich die NATO-Doktrin ver\u00e4ndert, weg von der \u201egegenseitig garantierten Zerst\u00f6rung\u201c (Mutually Assured Destruction, MAD) &#8211; das war die Idee, da\u00df niemand Kernwaffen einsetzen konnte, weil das zur Vernichtung der Menschheit f\u00fchren w\u00fcrde &#8211; hin zur utopischen Idee eines gewinnbaren, begrenzten Nuklearkrieges. Das ist die Grundlage f\u00fcr die NATO-Doktrin \u201ePrompt Global Strike\u201c. Das ist die Logik hinter der Schaffung des weltweiten amerikanischen Raketenabwehrsystems. Da\u00df dieses System nicht die Aufgabe hat, iranische Raketen zu bek\u00e4mpfen, sollte sp\u00e4testens seit dem erfolgreichen Abschlu\u00df des P5+1-Abkommens mit dem Iran klar sein.<\/p>\n<p>Die Idee eines gewinnbaren Erstschlags ist auch die Logik hinter der Air-Sea-Battle-Doktrin gegen China.<\/p>\n<p>Derselbe Obama, der 2009 der Welt versprochen hatte, sich f\u00fcr eine atomwaffenfreie Welt einzusetzen, hat tausend Milliarden Dollar f\u00fcr die Modernisierung aller Nukleararsenale zugesagt. Darunter sind die B61-12-Bomben, von denen vermutlich 200 St\u00fcck in europ\u00e4ischen L\u00e4ndern stationiert sind. Die Idee ist, da\u00df diese modernisierten taktischen Nuklearwaffen einsetzbarer werden sollen, indem man sie auf Stealth-Bomber laden und die Luftverteidigung des Gegners durchbrechen kann. Das gilt auch f\u00fcr die Long-Range-Stand-Off-Waffen (LRSW-Marschflugk\u00f6rper). Senatorin Dianne Feinstein und die Unterstaatssekret\u00e4rin f\u00fcr Abr\u00fcstung und internationale Sicherheit schrieben vor einigen Wochen in einem Offenen Brief in der New York Times, diese Waffen sollten nicht gebaut werden, weil dies Teil der Vorbereitung eines Angriffskrieges ist, was vom N\u00fcrnberger Tribunal zum gr\u00f6\u00dften Verbrechen gegen die Menschlichkeit \u00fcberhaupt erkl\u00e4rt wurde.<\/p>\n<p>Das ist also die Lage. Und es macht mich w\u00fctend, da\u00df wir eine Lage haben, die aus verschiedenen Gr\u00fcnden gef\u00e4hrlicher ist als die Krise um die Raketen auf Kuba im Kalten Krieg &#8211; weil es um thermonukleare Waffen geht, weil der Verhaltenskodex zwischen der NATO und dem Osten zusammengebrochen ist und es kein \u201eRotes Telefon\u201c mehr zwischen Obama und Putin gibt -, und die \u00d6ffentlichkeit schl\u00e4ft! Die Menschen schlafwandeln wieder in einen Weltkrieg, wie schon in den Ersten Weltkrieg. Und eine der Aufgaben dieser Konferenz ist es, das zu \u00e4ndern und eine \u00f6ffentliche Debatte dar\u00fcber in Gang zu bringen, da\u00df wir [die Bev\u00f6lkerung] so etwas nicht wollen.<\/p>\n<p>Deshalb fordere ich zusammen mit Kollegen in anderen L\u00e4ndern: Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, aus der NATO auszutreten. Ich habe das fr\u00fcher nicht getan, trotz aller Kritik an der NATO, aber wenn die klare Gefahr besteht, da\u00df die Fortsetzung der jetzigen Politik der NATO zur Ausl\u00f6schung der Menschheit f\u00fchren k\u00f6nnte, dann kann es, denke ich, darauf nur eine Antwort geben: Geht heraus aus einer Organisation, die an der kriminellen Vorbereitung eines Weltkrieges beteiligt ist! (Applaus.)<\/p>\n<p>Es gibt noch eine zweite existentielle Krise, wie wir alle wissen: die akute M\u00f6glichkeit eines Krachs des transatlantischen Finanzsystems. Wells Fargo, Bank of America und andere sind beteiligt an den gleichen Gesch\u00e4ften wie 2008, indem sie nachrangige Hypothekenkredite vergeben. Die \u201eToo-big-to-fail\u201c-Banken haben allesamt gigantische Kreditblasen bei Schiefer\u00f6l und -gas. Sie haben auch in anderen Bereichen Blasen &#8211; Automobile z.B. Der einzige Unterschied zu 2008 ist, da\u00df die Zentralbanken alle ihre Instrumente aufgebraucht haben. Senkung der Zinsraten? Man k\u00f6nnte die negativen Zinsen noch weiter senken. Man<\/p>\n<p>kann die Menschen zwingen, 10% zu bezahlen, wenn sie ihr Geld auf die Bank bringen, wir sind schon fast soweit. Deshalb zahlen die Commerzbank und viele Unternehmen ihr Geld schon nicht mehr bei der Zentralbank ein, sondern lagern es unter ihren Matratzen oder in ihren Tresoren oder sonstwo. Dazu kommt die Idee des Helikoptergeldes. Die Federal Reserve, die EZB und die Bank von England arbeiten rund um die Uhr daran, zu entscheiden, wieviel Helikoptergeld sie drucken m\u00fcssen, um den Kollaps des Systems zu verhindern.<\/p>\n<p>Das ist das Ende der Fahnenstange, und man mu\u00df wirklich die Tatsache begreifen, da\u00df dieses System absolut am Ende ist.<\/p>\n<h3>Die Neue Seidenstra\u00dfe<\/h3>\n<p>Nun, das ist, wie ich gesagt habe, noch kein Grund zur Verzweiflung, denn der Brexit er\u00f6ffnet eine Chance, da\u00df wir uns einem ganz neuen strategischen System anschlie\u00dfen. Seit 2013, als Pr\u00e4sident Xi Jinping die Neue Seidenstra\u00dfe ank\u00fcndigte, wirbt das Schiller-Institut daf\u00fcr, da\u00df aus diesem Ansatz ein globales Programm zum Wiederaufbau der Weltwirtschaft werden mu\u00df, und wir ver\u00f6ffentlichten eine Studie mit dem Titel \u201eDie Neue Seidenstra\u00dfe wird zur Weltlandbr\u00fccke\u201c.<\/p>\n<p>Betrachten Sie nur, was seit der Ank\u00fcndigung der Neuen Seidenstra\u00dfe geschehen ist: In weniger als drei Jahren hat dieses System eine enorme Dynamik entwickelt. Schon jetzt sind mehr als 70 L\u00e4nder an der AIIB [Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank] beteiligt, einem Bankensystem, das mit der Neuen Seidenstra\u00dfe zusammenh\u00e4ngt. Man geht davon aus, da\u00df sich bis Ende des Jahres hundert L\u00e4nder dem neuen System angeschlossen haben werden. Schon jetzt sind 18 L\u00e4nder Teil der Shanghaier Organisation f\u00fcr Zusammenarbeit (SCO), die sich mit den BRICS und der Seidenstra\u00dfe \u00fcberschneidet. Es gibt neue Bankensysteme wie die AIIB, die Neue Entwicklungsbank, die Bank der Shanghaier Kooperation, den Fonds f\u00fcr die Maritime Seidenstra\u00dfe, den Seidenstra\u00dfen-Fonds, die SAARC-Bank, das ist die Bank der S\u00fcdasiatischen Vereinigung f\u00fcr regionale Kooperation.<\/p>\n<p>Und die Seidenstra\u00dfe macht schnelle Fortschritte. Es gibt jetzt sieben oder acht neue Zugverbindungen zwischen China und Europa, von Chengdu, Xi\u2019an, Chonking, Yiwu, Lianyungang zu St\u00e4dten wie Madrid, Lyon, Herne, Duisburg, Hamburg und Rotterdam, und die Liste w\u00e4chst. Pr\u00e4sident Xi Jinping war in der Tschechischen Republik, in Polen, in Serbien, in Deutschland, Frankreich und anderswo, und \u00fcberall entwickelt die Idee einer Kooperation Chinas mit diesen L\u00e4ndern an der Seidenstra\u00dfe eine m\u00e4chtige Dynamik. Der Schweizer Pr\u00e4sident besuchte China, \u00d6sterreich will ein Knotenpunkt der Neuen Seidenstra\u00dfe werden. Griechenland schlie\u00dft sich der Maritimen Seidenstra\u00dfe an: China baut den Hafen Pir\u00e4us aus, und nun baut China auch eine Bahnverbindung zwischen Budapest und Belgrad, die letztlich nach Pir\u00e4us zur Maritimen Seidenstra\u00dfe verl\u00e4ngert werden soll, um noch mehr Waren dar\u00fcber zu transportieren.<\/p>\n<p>Der indische Pr\u00e4sident Mukherjee war in China und hat dort sehr mutig \u00fcber die strategische Partnerschaft zwischen Indien und China gesprochen. Sie k\u00f6nnen also all das Gerede \u00fcber gro\u00dfe Spannungen zwischen Indien und China vergessen, das ist alles westliche Propaganda. Pr\u00e4sident Xi Jinping war im Iran und hat dort vereinbart, die Seidenstra\u00dfe von China in den Iran zu bauen. Kurz danach war [Indiens] Premierminister Modi zusammen mit dem afghanischen Pr\u00e4sidenten Ghani im Iran, und sie sprachen nicht nur dar\u00fcber, da\u00df der Hafen Tschabahar ausgebaut wird, der zu einem wesentlichen Element der Seidenstra\u00dfe werden und diese letztendlich mit Indien verbinden soll, sondern auch, da\u00df Afghanistan der Knotenpunkt f\u00fcr den Bau der Seidenstra\u00dfe zwischen China und Europa werden will, um auf diese Weise Afghanistan wiederaufzubauen.<\/p>\n<p>Xi Jinping bot schon 2013 allen L\u00e4ndern der Welt an, sich der \u201eWin-Win-Kooperation\u201c anzuschlie\u00dfen. Und Pr\u00e4sident Putin hat schon oft die Integration Eurasiens vom Atlantik bis zum Pazifik, von Wladiwostok bis Lissabon, angeboten.<\/p>\n<h3>Welches Europa brauchen wir?<\/h3>\n<p>Nun, wie m\u00fcssen wir diese Lage betrachten, und wie soll es weitergehen? Welchen Geist und welche historischen Vorbilder brauchen wir, damit es m\u00f6glich wird, da\u00df die europ\u00e4ischen Nationen ein B\u00fcndnis mit der Eurasischen Wirtschaftsunion und dem Seidenstra\u00dfenplan \u201eEin G\u00fcrtel, eine Stra\u00dfe\u201c eingehen und in eine neue Geometrie eintreten?<\/p>\n<p>Als erstes mu\u00df man von der Erkenntnis ausgehen, da\u00df sich die EU weit von Adenauers und de Gaulles urspr\u00fcnglichem Konzept einer politischen Union von Nationalstaaten (wie dies im urspr\u00fcnglichen Elys\u00e9e-Vertrag zum Ausdruck kam, der leider durch eine Pr\u00e4ambel verf\u00e4lscht wurde) wegentwickelt hat und jetzt eine EU der Vertr\u00e4ge von Maastricht und Lissabon ist. Und dieses Modell ist jetzt am Ende.<\/p>\n<p>Es ist gescheitert. Man mu\u00df nur das emp\u00f6rende Verhalten der Troika gegen\u00fcber Griechenland und anderen s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern betrachten, aber vor allem, wenn man sieht, wie die EU mit der Fl\u00fcchtlingskrise umgegangen ist, dann sieht man den v\u00f6lligen moralischen Bankrott von Br\u00fcssel. Schengen gibt es nicht mehr, es ist vorbei! Wenn es Stacheldrahtz\u00e4une um die Grenzen der Balkanstaaten gibt, dann gibt es kein offenes Reisen in Europa mehr. Es gibt keine Einheit in der Europ\u00e4ischen Union, keine Solidarit\u00e4t, keine L\u00f6sungen und keine Visionen.<\/p>\n<p>Das Abkommen mit dem t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Erdogan &#8211; da\u00df man dem Mann, der bis zum heutigen Tage ISIS finanziert, 6 Mrd. Euro gibt, damit er die Menschen in Lagern festh\u00e4lt, um sie aufzuhalten, und das ohne Garantien f\u00fcr die Rechte dieser Fl\u00fcchtlinge, das ist absolut emp\u00f6rend und eine Verletzung ihrer Menschenrechte. (Applaus.) Die \u00c4rzte ohne Grenzen haben vollkommen recht, wenn sie jetzt wegen dieses Verhaltens kein Geld mehr von der EU annehmen.<\/p>\n<p>Das Aufkommen rechter Populisten bis hin zu den offen faschistischen Organisationen in Europa ist das Resultat des Versagens der europ\u00e4ischen Eliten und ihrer Unterwerfung unter die Diktatur der EU.<\/p>\n<p>Ambrose Evans-Pritchard, ein Sprachrohr des MI5 beim Daily Telegraph, schrieb vor einiger Zeit, diese Br\u00fcsseler EU setze die britische Politik exakt um. Was man mit der EU sieht, sei genau das, was Churchill immer wollte. Er wollte ein geeintes Europa, aber eines, in dem die Briten au\u00dferhalb stehen, damit sie von au\u00dfen manipulieren k\u00f6nnen, um dann auf der Grundlage der Sonderbeziehung der Anglo-Amerikaner die Welt zu regieren.<\/p>\n<p>Im Sommer 1962, nachdem Adenauer Frankreich besucht hatte und nach dem phantastischen Besuch de Gaulles in Deutschland, wo er mit enormer Liebe und Bewunderung begr\u00fc\u00dft wurde, schlugen sie eine Union ohne Gro\u00dfbritannien vor. De Gaulle fragte damals Adenauer: \u201eSind Sie bereit, mit Frankreich zusammenzuarbeiten, wenn es sein mu\u00df, nur unsere beiden L\u00e4nder?\u201c Und Adenauer antwortete mit einem klaren \u201eJa\u201c. Diese Union war das eigentliche Ziel des Elys\u00e9e-Vertrags vom 22. Juni 1963, und davor des Fouchetplans. Aber leider verloren de Gaulle und Adenauer den Kampf gegen die Atlantiker im Deutschen Bundestag, und die Gaullisten wurden \u00fcberstimmt. Adenauer war damals schon geschw\u00e4cht, weil Ludwig Erhard bereits sein designierter Nachfolger war.<\/p>\n<p>Am 16. Mai 1963 wurde dann eine Pr\u00e4ambel durchgesetzt, die die folgenden Elemente hatte: eine enge Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten, eine gemeinsame Verteidigung in der NATO, Gro\u00dfbritanniens Beitritt zur Europ\u00e4ischen Wirtschaftsgemeinschaft, ein Freihandelsabkommen (GATT). Die Atlantiker setzte sich also durch, und das war die verpa\u00dfte Chance Europas, die dann zur gegenw\u00e4rtigen Krise f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Das f\u00fchrte auf einen steinigen Weg, aber es ist sehr klar, da\u00df Europa Formen finden mu\u00df, wie es zusammenarbeiten kann. Und offensichtlich sind London und die Wall Street, die schon immer eine britische Dependence war, absolut gegen eine solche L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Es gab einen sehr interessanten Artikel des fr\u00fcheren Bildungsministers unter [Bundeskanzler] Brandt von 1972-74, Klaus von Dohnanyi, der am 17. Mai in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien; darin schreibt er \u00fcber genau diese Zusammenarbeit zwischen Adenauer und de Gaulle und die Tatsache, da\u00df die urspr\u00fcngliche Europ\u00e4ische Wirtschaftsgemeinschaft ohne Gro\u00dfbritannien bestand, ohne klare Integration in die NATO-Strukturen, und da\u00df die Europ\u00e4ische Kommission und das Europ\u00e4ische Parlament im Grunde auch keine wirklichen Befugnisse hatten.2<\/p>\n<p>Es war die Idee eines Europas der Vaterl\u00e4nder, das waren Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Niederlande und Luxemburg, und im Grunde wollte de Gaulle diese europ\u00e4ische politische Union souver\u00e4ner Staaten, und er war sowieso dar\u00fcber besorgt, da\u00df die Vereinigten Staaten im Fall einer schweren Krise nur ihre eigenen Interessen verfolgen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Klaus von Dohnanyi schreibt in seinem Papier, wie er als Leiter einer NATO-\u00dcbung erlebte, da\u00df die Vereinigten Staaten, als die ersten sowjetischen Truppen auf deutsches Territorium vordrangen, ohne vorherige Warnung taktische Nuklearwaffen auf deutschem Boden einsetzten. Das war \u00fcbrigens die Lage in der gesamten Zeit des Kalten Krieges, und jeder, der sich damit befa\u00dft hat, wei\u00df das. Und es ist im wesentlichen auch heute noch so.<\/p>\n<p>Aber schon 1950 sagte Adenauer in einem ber\u00fchmten Interview mit Kingsbury Smith, eine Union zwischen Frankreich und Deutschland w\u00fcrde einem schwerkranken Europa neues Leben und einen kraftvollen Auftrieb geben. Dohnanyi sagt, da\u00df sogar Helmut Schmidt, der die Pr\u00e4ambel anfangs unterst\u00fctzte, 1983 erkannte, da\u00df sie ein gro\u00dfer Fehler war, und da\u00df es ohne das B\u00fcndnis von Deutschland und Frankreich keinen Fortschritt in Europa geben k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Kann die deutsche Regierung angesichts der v\u00f6llig verpfuschten Lage heute eine solche Initiative ergreifen? Dohnanyi sagt, ja, aber die Debatte mu\u00df aus der Gesellschaft und aus den Parteien kommen. Das deutsch-franz\u00f6sische B\u00fcndnis bleibt Europas Schicksal, und der einzige Weg, die pessimistische Stimmung in Europa zu \u00fcberwinden, ist es, sich wieder auf diese beiden mutigsten M\u00e4nner nach 1945 zu beziehen, de Gaulle und Adenauer.<\/p>\n<p>Es mag ein Zufall sein, aber Steinmeier lud die sechs Gr\u00fcndungsmitglieder zu einem Gipfeltreffen in Deutschland ein: Deutschland ist schon da, Frankreich, Italien und die Benelux-L\u00e4nder. Sie sagen, das sei ohnehin schon lange so geplant gewesen, dennoch halte ich das f\u00fcr sehr interessant.<\/p>\n<h3>Die h\u00f6here Ebene des Denkens bei Kues<\/h3>\n<p>Schauen wir uns vor diesem historischen Hintergrund die epistemologische Grundlage f\u00fcr ein neues Paradigma an. Wie erreichen wir, da\u00df die Gesellschaft sich den gemeinsamen Zielen der Menschheit anschlie\u00dft &#8211; da\u00df sie bereit ist, die Geopolitik zu \u00fcberwinden und sich einer globalen Entwicklungspartnerschaft anzuschlie\u00dfen?<\/p>\n<p>Wer hat recht? Sind es die Leute, die sagen, da\u00df es immer geopolitische Konflikte geben wird, da\u00df man mit Chauvinismus gegen\u00fcber anderen L\u00e4ndern, mit Xenophobie gegen andere Nationen oder sogar mit Ha\u00df auf andere ethnische Gruppen leben mu\u00df? Nun, ich sage Ihnen: das Problem ist, da\u00df diese Leute auf einer niedrigen Ebene denken, n\u00e4mlich der Ebene der Sinneswahrnehmungen, der aristotelischen Logik und Widerspr\u00fcche.<\/p>\n<p>Um die Menschheit zu retten, ist eine ganz andere Ebene des Denkens notwendig, und hierzu m\u00f6chte ich mich Nikolaus von Kues zuwenden, dem wahrscheinlich leidenschaftlichsten Bef\u00fcrworter der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, als Ausdruck der Beziehungen zwischen dem Einen und den Vielen, womit er eine revolution\u00e4re neue Denkmethode entwickelte, die er als concordantia oppositorum bezeichnete. F\u00fcr Nikolaus von Kues haben die Nationen, die durch ihre Sprachen gekennzeichnet sind, nat\u00fcrliche und unver\u00e4u\u00dferliche Rechte, denn sie sind legitime Nationen, aber sie sind auch geeint durch das, was er als den spiritus universorum bezeichnete, den universellen Geist, wor\u00fcber er in De Docta Ignorantia (Die belehrte Unwissenheit) spricht. Dieser Geist wirkt im gesamten Universum. Nationen sind Ausdruck<\/p>\n<p>der Vielfalt und der Besonderheiten, aber ihre Einheit existiert vor ihrer Vielfalt. Das finden wir auch bei Konfuzius, der sagt, in der Vielfalt liegt Einheit.<\/p>\n<p>Nikolaus sagt, das ganze Universum geht allen anderen Dingen voraus, als vollkommenste Ordnung der Dinge, die vor allem anderen kommt, damit alles in allem existieren kann (quod libet in quo libet). Das bedeutet konkret, da\u00df jede Nation in eine h\u00f6here, inklusive Ordnung eingebunden werden kann, ohne ihre besonderen Eigenschaften zu verlieren, weil diese Einheit schon vor der Vielfalt existierte.<\/p>\n<p>F\u00fcr Nikolaus gibt es nur die eine Menschheit, alle nationalen Ausdrucksformen sind von geringerer Bedeutung. In einer ber\u00fchmten Predigt sagte er: Der hellh\u00e4utige Deutsche und der dunkelh\u00e4utige \u00c4thiopier sind gleicherma\u00dfen Menschen.<\/p>\n<p>Und es ist nicht so, da\u00df Nikolaus gar keine anderen Nationen gekannt h\u00e4tte, denn er besuchte fast alle L\u00e4nder Europas, er reiste nach Konstantinopel. Als aber Mehmet II. 1453 Konstantinopel eroberte und die Menschen dies als einen schrecklichen Kampf der Kulturen erlebten, reagierte er darauf mit einem wundersch\u00f6nen \u00f6kumenischen Dialog, De Pace Fidei (\u00dcber den Frieden im Glauben), dessen Kernidee die ist, da\u00df alle Religionsf\u00fchrer und alle Philosophen aller Nationen zustimmen k\u00f6nnen, da\u00df es nur eine Wahrheit gibt, nur einen Gott, eine Religion, oder, wie Konfuzius gesagt h\u00e4tte, \u201eeine Harmonie\u201c.<\/p>\n<p>\u201eDie Konkordanz ist die h\u00f6chste Form der Wahrheit\u201c, sagt Nikolaus in der Concordantia Catholica (Die katholische Konkordanz). Eine Verst\u00e4ndigung zwischen den verschiedenen Nationen und Religionen ist m\u00f6glich, weil sie alle universelle Entdeckungen machen k\u00f6nnen, die alle anderen nachvollziehen und erkennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In Idiota de staticis experimentis (Der Laie und das Experiment mit der Waage) sagt er: Alle Entdeckungen, die in einem Land gemacht werden, m\u00fcssen sofort der ganzen Welt zur Verf\u00fcgung gestellt werden, damit alle anderen Zugang zu dem erhalten, was bisher noch verborgen ist.<\/p>\n<p>Nikolaus brach bewu\u00dft mit den Axiomen und den verbreiteten Annahmen des Mittelalters, mit dem, was an den Universit\u00e4ten und in den gebildeten Eliten gelehrt wurde, der Scholastik und den Peripatetikern, den Leuten, die nur an Logik und Widerspr\u00fcche glauben.<\/p>\n<p>Nikolaus sah in der Ebene der Sinne und des Verstandes nur ein Werkzeug, um die Dinge einzuordnen. Aber auf dieser Ebene wird niemals irgend etwas geschaffen werden. Die Schaffung von Neuem ist nur auf der Ebene der Vernunft m\u00f6glich, dem Denken von oben, dem Denken auf der h\u00f6heren Ebene, auf der die Widerspr\u00fcche der niedrigeren Ebene aufgel\u00f6st sind. Im menschlichen Geist liegt ein unzerst\u00f6rbares Vorwissen, denn wenn wir dieses nicht h\u00e4tten, sagt er, w\u00fcrde niemand jemals versuchen, etwas zu finden, und wenn wir etwas f\u00e4nden, w\u00fc\u00dften wir nicht, da\u00df es das ist, wonach wir gesucht haben. Denn dieses Vorwissen ist nicht das Resultat von Deduktionen, sondern eigentlich eine Form der Intuition, der Vorahnung, und sie f\u00fchrt die Kreativit\u00e4t zur Entdeckung wahrhaft universeller Prinzipien in der Wissenschaft und in der klassischen Kunst.<\/p>\n<p>Alle Menschen haben eine nat\u00fcrliche Veranlagung, und in den meisten Kulturen gibt es Lehren, wie man diese Ebene der Kreativit\u00e4t und der Vernunft erreichen kann, und wie man die Barbarei der ungez\u00e4hmten Leidenschaften und des logischen Denkens \u00fcberwinden kann. Bei Konfuzius gibt es die Forderung nach st\u00e4ndigem Lernen und Selbstvervollkommnung: Jeder Mensch soll danach streben, ein Junzi zu werden, eine edler Mensch, der sich dem Gemeinwohl widmet.<\/p>\n<p>Im europ\u00e4ischen Humanismus hat meiner Meinung nach Schiller das grundlegendste und inspirierendste Programm zur Vervollkommnung der Menschheit durch \u00e4sthetische Erziehung. Er will die Emotionen erziehen, um sie auf die Ebene der Vernunft anzuheben, damit letztendlich jeder Mensch eine sch\u00f6ne Seele werden kann, f\u00fcr die Freiheit und Notwendigkeit, Pflicht und Neigung ein und dasselbe sind. F\u00fcr Schiller umfa\u00dft die Universalgeschichte die gesamte Menschheit. Die Fackel der Kultur und des qualitativen Fortschritts wird mal von dieser, mal von jener Kultur getragen, aber sie alle haben das<\/p>\n<p>Potential zur Entwicklung, einen allgemeinen Zustand des Weltb\u00fcrgertums zu erreichen, in dem alle urspr\u00fcnglichen Potentiale der menschlichen Gattung entwickelt sind.<\/p>\n<p>Schiller sagt: \u201eDie Schranken sind durchbrochen, welche Staaten und Nationen in feindseligem Egoismus absonderten. Alle denkenden K\u00f6pfe verkn\u00fcpft jetzt ein weltb\u00fcrgerliches Band, und alles Licht seines Jahrhunderts kann nunmehr den Geist eines neuern Galilei und Erasmus bescheinen.\u201c<\/p>\n<p>Ich denke, die Menschheit ist nun tats\u00e4chlich an diesem Punkt angekommen. Wir stehen an dem Beginn einer neuen \u00c4ra, die bereits in greifbarer N\u00e4he ist und erreicht werden kann, wenn wir richtig handeln. Die Menschheit kann das erreichen, was Krafft Ehricke als den \u201eextraterrestrischen Imperativ\u201c bezeichnete, was bedeutet, da\u00df der Mensch erwachsen werden mu\u00df. Krafft Ehricke, der deutsche Raketenwissenschaftler, hatte eine wunderbare Vision, da\u00df die Kolonisierung des Weltraums die n\u00e4chste nat\u00fcrliche Phase der Evolution im Universum sein wird. Er entwickelte sehr sch\u00f6n, wie die Evolution \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume voranschreitet, wie sich die Entwicklung des Lebens aus den Ozeanen ans Land vollzog, wie das pflanzliche Leben mit Hilfe der Photosynthese auf der Erde entstand, wie die Evolution voranschritt von den Amphibien und Reptilien zu den S\u00e4ugetieren und schlie\u00dflich zu den Menschen, wie die Menschen zun\u00e4chst an den Meeren und Fl\u00fcssen lebten und sich dann durch Infrastruktur die landeingeschlossenen Gebiete der Erde er\u00f6ffnen. Die Neue Seidenstra\u00dfe, die zur Weltlandbr\u00fccke wird, wird jetzt diese Phase der Evolution abschlie\u00dfen, indem sie alle landeingeschlossenen Gebiete der Welt erfa\u00dft.<\/p>\n<p>Und Krafft Ehricke sagte auch, da\u00df die gemeinsame internationale Weltraumforschung und Raumfahrt die n\u00e4chste notwendige Phase der Evolution der Menschheit im Universum ist &#8211; da\u00df die Menschheit eine Gattung im Weltraum sein wird.<\/p>\n<p>Ich denke daher, wir sollten uns vollkommen dar\u00fcber im klaren sein, da\u00df in dieser gegenw\u00e4rtigen Krise auch eine enorme Chance liegt, eine neue Renaissance zu erreichen, die ebenso bedeutsam oder vielleicht noch bedeutender als der \u00dcbergang vom Mittelalter zur Moderne sein wird; da\u00df wir, indem wir mit den Axiomen der Globalisierung, des deduktiven Denkens und allem, was uns in diese Krise hineinf\u00fchrte, brechen und uns auf die Kreativit\u00e4t der Menschheit als das konzentrieren, was uns von den anderen Gattungen unterscheidet; da\u00df wir &#8211; wahrscheinlich viele von uns &#8211; noch eine Welt erleben k\u00f6nnen, in der jedes Kind eine universelle Bildung erh\u00e4lt und das Genie der Normalzustand der Menschheit sein wird! Dann wird das, was wahrhaft menschlich ist, vollkommen entwickelt sein, um alle Potentiale der menschlichen Gattung zu entfalten, wenn sch\u00f6pferische Komponisten, Wissenschaftler, Ingenieure, au\u00dferordentliche Menschen Dinge entdecken, nach denen wir jetzt noch nicht einmal fragen, so wie die Chinesen zur erdfernen Seite des Mondes fliegen. Wir werden Geheimnisse des Universums verstehen, nach denen wir jetzt noch nicht einmal fragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und die Menschen werden bessere Menschen sein. Ich bin \u00fcberzeugt, da\u00df die wahre Natur des Menschen gut ist, da\u00df jeder Mensch die unbegrenzte F\u00e4higkeit hat, sich selbst zu vervollkommnen und eine sch\u00f6ne Seele zu sein &#8211; und zu erreichen, was erreichbar ist. Arbeiten wir gemeinsam darauf hin! (Applaus.)<\/p>\n<p><em>Anmerkungen:<\/em><\/p>\n<p><em>1. Siehe http:\/\/www.spiegel.de\/international\/world\/nato-s-eastward-expansion-did-the-west-break-its-promise-to-moscow-a-663315.html<\/em><\/p>\n<p><em>2. Siehe http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/klaus-von- dohnanyi-ueber-den-brexit-und-europa-14291266.html<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Konferenz hat ein \u00fcbergreifendes Thema, und das ist, L\u00f6sungen f\u00fcr diese Krisen zu finden, dar\u00fcber zu diskutieren, was das neue Paradigma sein soll, und ob die Menschheit in der Lage ist, eine solche existentielle Krise zu meistern&#8230;<\/p>\n","protected":false},"featured_media":34498,"menu_order":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"portfolio_category":[375,376],"class_list":["post-34688","portfolio_cpt","type-portfolio_cpt","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","portfolio_category-berlin-june-2016-de","portfolio_category-panel-1-berlin-june-2016-de"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt\/34688","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt"}],"about":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/portfolio_cpt"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt\/34688\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/34498"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34688"}],"wp:term":[{"taxonomy":"portfolio_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_category?post=34688"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}