{"id":3333,"date":"2013-05-11T18:16:21","date_gmt":"2013-05-11T16:16:21","guid":{"rendered":"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/?post_type=portfolio_cpt&#038;p=3333"},"modified":"2013-05-30T11:27:43","modified_gmt":"2013-05-30T09:27:43","slug":"katsanevas-euro-monetarismus","status":"publish","type":"portfolio_cpt","link":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/portfolio\/katsanevas-euro-monetarismus\/","title":{"rendered":"Prof. Theodore Katsanevas: Das Leben mit dem Euro und dem extremen Monetarismus des Kasino-Kapitalismus"},"content":{"rendered":"<h3><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/2.schillermeet.de\/wp-content\/themes\/schiller\/images\/icons\/301.png\" class=\"shortcode-icon \" alt=\"\"> Im Wortlaut<\/h3>\n<p>Zeus, der oberste der antiken griechischen G\u00f6tter, verliebte sich in die sch\u00f6ne Europa und beschlo\u00df, sie zu verf\u00fchren. Er verwandelte sich in einen wei\u00dfen Stier und mischte sich unter die Herde ihres Vaters. Als Europa und ihre Gespielinnen Blumen pfl\u00fcckten, sah sie den Stier, streichelte seine Flanken und kletterte schlie\u00dflich auf seinen R\u00fccken. Zeus nutzte die Gelegenheit, lief zum Strand und schwamm mit ihr auf dem R\u00fccken bis zur Insel Kreta. Dort gab er sich zu erkennen, und Europa wurde die erste K\u00f6nigin Kretas. Doch heute lebt Europa in Trauer und Not; verfallen sind fr\u00fcherer Reiz und Glanz. Das d\u00fcrfen wir nicht tolerieren.<\/p>\n<h4>Eine moderne griechische Trag\u00f6die<\/h4>\n<p>Griechenland \u00fcbernahm den Euro im Januar 2001, wodurch angeblich unsere Wirtschaft gesch\u00fctzt und entwickelt werden sollte. Doch das Gegenteil trat ein. In all den Jahren zuvor haben wir mit unserer historischen W\u00e4hrung, der Drachme, nie eine solche Katastrophe wie heute erlebt. Man kann mit Fug und Recht von einer modernen griechischen Trag\u00f6die sprechen. Ein Teil der Schuld trifft zwar die Verwerflichkeit unseres politischen Systems, doch das gleiche politische System gab es im Grunde bereits fr\u00fcher, in den Jahren mit der Drachme.<\/p>\n<p>Griechenland erlebt nun das vierte tiefe Rezessionsjahr in Folge. Das BIP des Landes sank um 28-30%, und dieser Abw\u00e4rtstrend setzt sich fort, ohne da\u00df ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen w\u00e4re. Hunderte, ja Tausende von Firmen haben geschlossen. Die Hauptstra\u00dfen Athens und anderer St\u00e4dte gleichen einem Friedhof leerer Gesch\u00e4fte. Die offizielle Arbeitslosigkeit ist auf 28% gestiegen, die Jugendarbeitslosigkeit sogar auf \u00fcber 50%. In einem Land mit 11 Mio. Einwohnern verlieren jeden Tag \u00fcber 1400 Menschen ihren Job und 3-5 Menschen begehen Selbstmord.<\/p>\n<p>Die Armut breitet sich immer mehr aus, und die Not ist \u00fcberall sichtbar. Viele gehen verzweifelt ins Ausland, um sich dort Arbeit zu suchen. Es gibt eine massive Abwanderung von Griechen und gleichzeitig einen massiven Zustrom illegaler Einwanderer, \u00fcberwiegend Moslems, was die ethnische Struktur des Landes ver\u00e4ndert. Nach seiner 3000j\u00e4hrigen Geschichte k\u00f6nnte es Griechenland in 50 Jahren nicht mehr geben.<\/p>\n<p>Es ist schon ironisch, da\u00df sich das alles im Schatten der Akropolis abspielt, des Grundsteins der gr\u00f6\u00dften Zivilisation der Antike. Die Geburtsst\u00e4tte Europas wird von einer EU mi\u00dfhandelt, die sich von ihren eigenen Idealen von Ann\u00e4herung und Solidarit\u00e4t zwischen den Nationen entfernt hat. Das Land, in dem die Demokratie, die Philosophie, die Mathematik, die K\u00fcnste, die Suche nach Wissen und Sch\u00f6nheit erfunden wurde, zahlt heute den Preis f\u00fcr das idiotischste und irrationalste Wirtschaftsexperiment in der modernen Geschichte, das der Eurozone, einer abnormen Gemeinschaftsw\u00e4hrung, ohne irgendeinen zentralen politischen und wirtschaftlichen Schirm.<\/p>\n<h4>Zypern auf den Knien<\/h4>\n<p>Werfen wir einen Blick auf die j\u00fcngsten Ereignisse in Zypern. In dem j\u00fcngsten Bericht des Schiller-Instituts wird bereits festgestellt: \u201eDie Gesetzesvorlage im Europaparlament beweist, da\u00df der zypriotische Raubzug kein Eingreifen der deutschen Regierung in letzter Minute war, sondern eine von der EU-Kommission ausgeheckte, wohl geplante Operation.\u201c<\/p>\n<p>Und Jacques Cheminade erkl\u00e4rte, da\u00df \u201edie Eurozone die Bankoligarchie unterst\u00fctzt. Der Euro wurde von monetaristischen Zentralbankern vom Schlage eines Robert Mundell geschaffen und war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Zypern sollte austreten. Das wird kein Zuckerschlecken werden, aber wie Griechenland wei\u00df, bedeutet ein Bleiben, von au\u00dfen gefoltert zu werden. Europa insgesamt mu\u00df als Vereinigung souver\u00e4ner Nationen mit gemeinsamen Entwicklungsprojekten, als Europa der V\u00f6lker und Vaterl\u00e4nder wiederaufgebaut werden.\u201c<\/p>\n<p>Das s\u00fcdliche Zypern war eines der wohlhabendsten L\u00e4nder, bevor es im Januar 2008 der Eurozone beitrat. Nur wenige Jahre danach liegt die notleidende Insel auf den Knien. Der Norden Zyperns ist entgegen allen UN-Entscheidungen von den T\u00fcrken besetzt und war und ist entsprechend den Wirtschaftsindikatoren immer noch weitaus \u00e4rmer als sein s\u00fcdlicher Bruder. Aber ohne Teil der Eurozone zu sein, steht das n\u00f6rdliche Zypern jetzt ganz gut alleine da. Wie kommt es, da\u00df ein armes Territorium der Depression so einfach widersteht, aber ein viel entwickelteres Land das nicht kann?<\/p>\n<p>In Zypern soll viel Schwarzgeld gewaschen worden sein. Das trifft in gewissem Ma\u00dfe zu, besonders vor seinem Beitritt zur Eurozone. Aber es w\u00e4re abwegig, solche Vorw\u00fcrfe allein gegen Zypern zu richten, wo doch etwa die H\u00e4lfte aller internationalen Wirtschaftstransaktionen \u00fcber Offshorezentren und\/oder Steuerparadiese auf der ganzen Welt abgewickelt werden. Nach Angaben der OECD geh\u00f6ren zu den 45 Staaten, die sich nicht an international akzeptierte Steuerregeln halten: Irland, Costa Rica, Liberia, Zypern, Liechtenstein, Vanuatu, Luxemburg, Uruguay, Panama, Singapur, Finnland, Hongkong, Seychellen, Samos, Belize, Bahamas, Nauru, Gibraltar, Gerstein-Inseln, Bermudas, Britische Jungferninseln, Kaimaninseln, Nevis-Inseln, Niue usw. Das gutinformierte Magazin\u00a0<i>Forbes<\/i>\u00a0z\u00e4hlt zu den Steuerparadiesen u.a. den US-Bundesstaat Delaware, Luxemburg, die Schweiz, die Londoner City, die Kaimaninseln, Liechtenstein, Monaco und die Azoren, wobei Deutschland, Frankreich bzw. Spanien vor allem zu den letzten drei bekannterma\u00dfen enge Beziehungen haben.<\/p>\n<p>Die Bosse des internationalen Kasinokapitalismus k\u00f6nnten diese schmutzigen Steueroasen, jene Orte des Bankenmi\u00dfbrauchs und des Waschens schmutzigen Geldes, \u00fcber Nacht stillegen. Aber sie wollen das nicht. Eine Ausnahme ist wohl Zypern, das f\u00fcr sie aus verschiedenen Gr\u00fcnden ein Stein des Ansto\u00dfes war &#8211; einer davon waren die angeblichen Verbindungen zu russischem Schwarzgeld. Es scheint, da\u00df die, die die Macht haben, die Musik bestellen und die Regeln ausgeben. Im Fall der Eurozone liegt die Macht bei jenen, die den Schl\u00fcssel zur Sparb\u00fcchse besitzen. Das sind die, die den Euro drucken, verwalten und manipulieren.<\/p>\n<h4>Schuld ist der Kasinokapitalismus<\/h4>\n<p>In einer unserer Untersuchungen an der Universit\u00e4t Pir\u00e4us haben wir uns mit den wichtigen Wirtschaftsindikatoren &#8211; BIP, Zahlungsbilanzen, \u00f6ffentliche Verschuldung, Inflation und Arbeitslosigkeit &#8211; besch\u00e4ftigt, um so zu versuchen, den Entwicklungskurs von L\u00e4ndern innerhalb und au\u00dferhalb der Eurozone zu erforschen. Wir stellten fest, da\u00df die Randstaaten, Griechenland, Italien, Portugal, Spanien, Irland &#8211; die GIPSI &#8211; vor dem Eurobeitritt 1999-2002 wirtschaftlich ganz gut dastanden, doch kurz danach abfielen. Das gleiche gilt mehr oder weniger auch f\u00fcr andere L\u00e4nder der Eurozone, besonders f\u00fcr Slowenien, Slowakei, Estland und Belgien. Nur Deutschland, Frankreich, \u00d6sterreich, Finnland und den Niederlanden scheint es allgemein ganz gut zu gehen.<\/p>\n<p>L\u00e4nder au\u00dferhalb der Eurozone wie Gro\u00dfbritannien, D\u00e4nemark, Schweden, Tschechien, Bulgarien, Ungarn, Polen und Rum\u00e4nien behaupten einen stetigen Aufw\u00e4rtstrend, wobei es im Zuge der Krise von 2009 teilweise zu R\u00fcckschritten kam. L\u00e4nder au\u00dferhalb der EU wie Norwegen, Serbien und die T\u00fcrkei \u00fcberstanden die Krise und entwickeln sich jetzt mit normaler und\/oder schneller Geschwindigkeit. Das gleiche gilt f\u00fcr Ru\u00dfland, China, Indien, Brasilien, Argentinien und sogar f\u00fcr \u00c4thiopien, Ghana und viele andere Entwicklungsl\u00e4nder.<\/p>\n<p>Somit stehen heute, vier Jahre nach der Wirtschaftskrise von 2008, die meisten L\u00e4nder der entwickelten und sich entwickelnden Welt wieder auf eigenen F\u00fc\u00dfen. Nur Griechenland, Italien, Portugal, Spanien, Irland und Zypern, die Randl\u00e4nder der Eurozone, \u00e4hneln Schiffen in Seenot.<\/p>\n<p>Es stellt sich eine grundlegende Frage: Was ist die wirkliche Ursache dieses Paradoxes? Ich w\u00fcrde gerne mehrere Vorschl\u00e4ge h\u00f6ren. Doch die statistischen Daten lassen auf nur eine \u00fcberzeugende Erkl\u00e4rung schlie\u00dfen. Laut Prof. Steven Keen liegt dies haupts\u00e4chlich an \u201eder schlecht funktionierenden Eurozone in Kombination mit den gewissenlosen und extrem monetaristischen Methoden des Kasino-Kapitalismus, der Weiterexistenz international gesch\u00fctzter Steuerparadiese, unkontrollierter Kapitalstr\u00f6me, der Zusammenlegung von Handels- und Investmentbanken, der Unterbewertung der produktiven Realwirtschaft und humanit\u00e4rer Werte zugunsten von Marktidealen.\u201c<\/p>\n<table width=\"150\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td height=\"449\"><strong>Figure 1<\/strong><br \/>\n<strong>Financial Sector vs. Non-Financial Sector Yearly Compensation<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/schillerinstitute.org\/conf-iclc\/2013\/0413_frankfurt\/images\/katsanevas\/financial_vs_non-chart.gif\" width=\"611\" height=\"449\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Wie Keen nachgewiesen hat, \u00fcberfl\u00fcgelte der Finanzsektor Ende 1980 den Nichtfinanzsektor auf internationaler Ebene und wuchs danach noch erheblich schneller (<i>Abbildung 1<\/i>). Die \u201eBlasenwirtschaft\u201c \u00fcberholte die Realwirtschaft, was zur Vergr\u00f6\u00dferung der Einkommensunterschiede und zu be\u00e4ngstigenden Weltwirtschaftskrisen f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Wie das Schiller-Institut in seiner Einladung zu dieser Konferenz schrieb: \u201eB\u00fcrger- und Sozialrechte, jahrhundertelang erk\u00e4mpft, verschwinden sang- und klanglos in der Versenkung.\u201c Dennoch verlangen die Habenden immer mehr von den Habenichtsen, wie sich Bertold Brecht ausgedr\u00fcckt hat.<\/p>\n<h4>Neuauflage der griechischen Trag\u00f6die<\/h4>\n<p>Der Nobelpreistr\u00e4ger Paul Krugman schrieb:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eVor 15 Jahren war Griechenland kein Paradies, aber es befand sich auch nicht in der Krise&#8230; Dann trat Griechenland dem Euro bei und das Erschreckende geschah: Die Leute begannen zu glauben, da\u00df man dort sicher investieren k\u00f6nnte. Ausl\u00e4ndisches Geld str\u00f6mte nach Griechenland, und mit einigem davon, wenn auch nicht mit allem, wurden die Staatsschulden finanziert; die Wirtschaft boomte; die Inflation stieg; und Griechenland wurde zunehmend wettbewerbsunf\u00e4hig. Die Griechen verschleuderten zwar viel, wenn nicht das meiste Geld, das ihnen zuflo\u00df, aber das gleiche taten dann alle anderen auch, die in den Sog der Euroblase gerieten. Und dann platzte die Blase, wodurch die Grundfehler des gesamten Eurosystems nur zu offensichtlich wurden.<\/p>\n<p>Man frage sich, warum das Dollargebiet &#8211; auch als Vereinigte Staaten von Amerika bekannt &#8211; ohne die schweren regionalen Krisen, von denen Europa jetzt erfa\u00dft wurde, mehr oder weniger funktioniert. Die Antwort lautet, da\u00df wir eine starke Zentralregierung haben, und die Aktivit\u00e4ten dieser Regierung bewirken praktisch automatische Bail-outs f\u00fcr Bundesstaaten, die in Schwierigkeiten geraten sind&#8230;<\/p>\n<p>Der Ursprung dieses Desasters liegt weiter n\u00f6rdlich, in Br\u00fcssel, Frankfurt und Berlin, wo die Verantwortlichen ein zutiefst &#8211; vielleicht unheilbar &#8211; fehlerhaftes W\u00e4hrungssystem schufen und die Probleme dieses Systems noch verschlimmerten, indem Analyse durch Moralisieren ersetzt wurde. Und die L\u00f6sung der Krise, wenn es eine gibt, m\u00fc\u00dfte von den gleichen Stellen kommen&#8230;<\/p>\n<p>In Griechenland gibt es in der Tat viel Korruption und Steuerhinterziehung, und die griechische Regierung hatte die Angewohnheit, \u00fcber ihre Verh\u00e4ltnisse zu leben. Au\u00dferdem ist die griechische Arbeitsproduktivit\u00e4t nach europ\u00e4ischem Standard niedrig &#8211; etwa 25% unter dem EU-Durchschnitt. Es ist jedoch beachtenswert, da\u00df die Arbeitsproduktivit\u00e4t etwa in Mississippi nach amerikanischem Standard \u00e4hnlich niedrig ist&#8230;<\/p>\n<p>Andererseits ist vieles, was man \u00fcber Griechenland h\u00f6rt, einfach nicht wahr. Die Griechen sind nicht faul &#8211; im Gegenteil, sie arbeiten l\u00e4nger als fast alle anderen in Europa, und erheblich l\u00e4nger als insbesondere die Deutschen. Auch ist Griechenland kein ausufernder Sozialstaat, wie Konservative gern behaupten; die Sozialausgaben als Anteil des BIP, dem Richtma\u00df f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfe eines Sozialstaates, sind in Griechenland erheblich niedriger als etwa in Schweden oder Deutschland, L\u00e4nder, die die europ\u00e4ische Krise bisher recht gut \u00fcberstanden haben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie ist Griechenland also in so gro\u00dfe Schwierigkeiten geraten? Der Euro ist schuld.\u201c<\/p>\n<p>Kenneth Rogoff, ein anderer bekannter \u00d6konom, f\u00fcgt hinzu:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDas Problem in Griechenland ist keine gew\u00f6hnliche Rezession, sondern eine ausgewachsene Finanzkrise, etwas, wovon sich L\u00e4nder gew\u00f6hnlich viel l\u00e4nger erholen m\u00fcssen. Diese Art Wirtschaftskollaps reicht viel tiefer als eine normale Abk\u00fchlung. Je l\u00e4nger das Schrumpfen der Wirtschaft anh\u00e4lt, desto unruhiger werden die Gewerkschaften und um so mehr Druck baut sich bei den Politikern auf, dem Elend ein Ende zu bereiten. Das Land k\u00f6nnte die W\u00e4hrungsunion verlassen und beispielsweise zur Drachme zur\u00fcckkehren. Die Drachme w\u00fcrde gegen\u00fcber dem Euro sofort stark abgewertet, wodurch die griechischen Exporte und der griechische Tourismussektor wieder wettbewerbsf\u00e4hig w\u00fcrden.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Hans Werner Sinn, ein f\u00fchrender deutscher \u00d6konom, stellt fest:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie billigen Kredite, die der Euro dem Land gebracht hat, haben die Preise und L\u00f6hne k\u00fcnstlich erh\u00f6ht&#8230; [Europa] sollte ihnen das Geld geben, um den Austritt aus der W\u00e4hrungsunion zu erleichtern&#8230; Nach einem kurzen Gewitter scheint die Sonne wieder. [Griechenland] w\u00fcrde wieder wettbewerbsf\u00e4hig. Weil griechische Produkte schlagartig billiger w\u00fcrden, w\u00fcrde die Nachfrage umgelenkt, weg vom Import und hin zu eigenen Waren&#8230; Die reichen Griechen, die zig, wenn nicht Hunderte von Milliarden Euro in der Schweiz deponiert haben, f\u00e4nden es angesichts der gesunkenen Immobilienpreise und L\u00f6hne wieder interessant, in ihrem eigenen Land in Arbeitspl\u00e4tze zu investieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Chaos kann nur dann einigerma\u00dfen vermieden werden, wenn Griechenland austritt und die neue W\u00e4hrung sofort abwertet&#8230; Der Plan, Griechenland im Euro radikal zu sanieren, ist illusion\u00e4r&#8230; Die Griechen werden von den Banken und Finanzinstituten von der Wall Street, aus London und Paris als Geisel genommen, damit das Geld aus den Rettungspaketen weiter flie\u00dft &#8211; nicht nach Griechenland, sondern in ihre eigenen Taschen&#8230; Es hei\u00dft immer, ,die Welt geht unter, wenn Ihr Deutschen nicht zahlt\u2019. In Wahrheit gehen nur die Verm\u00f6gensportfolios einiger Investoren unter.\u201c<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus betont auch Helga Zepp-LaRouche:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Errichtung des Eurosystems als ,Preis f\u00fcr die deutsche Wiedervereinigung\u2019 hatte nie den Zweck, eine prosperierende europ\u00e4ische Wirtschaft zu schaffen, sondern, Europa in einen Feudalstaat unter einer supranationalen Diktatur zur\u00fcckzuverwandeln. Die jetzige Krise in der Eurozone ist das Ergebnis eines angestrebten ,Regimewechsels\u2019, weg von den souver\u00e4nen Nationalstaaten hin zu einer feudalen Diktatur, in der die EU zum Juniorpartner eines anglo-amerikanisch dominierten Imperiums wird, was nur ein anderer Ausdruck f\u00fcr ,Globalisierung\u2019 ist.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Frau Zepp-LaRouche beschrieb auch die Wirtschaftspolitik, die statt dessen umgesetzt werden m\u00fcsse. \u201eWir brauchen sofort eine komplette Bankentrennung nach Vorbild von Glass-Steagall, um den finanziellen Giftm\u00fcll zu beseitigen, anstatt die Steuerzahler daf\u00fcr zur Kasse zu bitten.\u201c Dem m\u00fc\u00dften die Schaffung eines Kreditsystems und der Wiederaufbau der Realwirtschaft durch genau definierte Entwicklungsprogramme f\u00fcr S\u00fcdeuropa, den Mittelmeerraum und Afrika folgen, wie sie das Schiller-Institut erarbeitet habe.<\/p>\n<h4>Der Euro-Anzug pa\u00dft S\u00fcdeuropa nicht<\/h4>\n<p>Der Euro-Anzug ohne einen zentralen politischen Schirm pa\u00dft den s\u00fcdeurop\u00e4ischen Volkswirtschaften nicht. Das trifft vor allem auf Griechenland zu, dessen Wirtschaft vor allem auf Tourismus und die Landwirtschaft abgestellt ist, welche einen arbeitsintensiven Produktionsproze\u00df erfordert. Die Arbeitskosten k\u00f6nnen nicht unter ein bestimmtes Niveau gedr\u00fcckt werden, so da\u00df die Gesamtproduktionskosten niedriger als oder genauso hoch wie die unserer Mitbewerber w\u00e4ren. Das l\u00e4\u00dft sich empirisch belegen: Ein griechisches Hotelzimmer kostet etwa doppelt soviel wie in der T\u00fcrkei, \u00c4gypten, Bulgarien, Rum\u00e4nien, Ungarn usw. Au\u00dferdem fallen unsere Orangen, Zitronen, Pfirsiche, Kirschen und Oliven von den B\u00e4umen und verrotten. Anstelle dieser Produkte wird billige Importware aus dem fernen Argentinien, Marokko, \u00c4gypten usw. herangeschafft.<\/p>\n<p>Die griechische Wirtschaft leidet also unter nicht wettbewerbsf\u00e4higen Preisen. Dazu kommt, da\u00df D\u00fcngemittel, die von Oligopolkonzernen in Nordeuropa hergestellt werden, f\u00fcr Griechenland mehr als doppelt so teuer sind &#8211; mit entsprechenden Folgen f\u00fcr die Produktionskosten. R\u00fcstungsg\u00fcter, die in den letzten 12 Jahren aus dem Westen importiert wurden, kosteten etwa \u20ac 100 Mio. &#8211; eine Summe, die fast unserem urspr\u00fcnglichen Defizit entspricht. Die T\u00fcrkei, ein EU-Betrittskandidat, hat unverhohlene Drohungen gegen die territoriale Integrit\u00e4t Griechenlands und Zyperns ausgesto\u00dfen, was uns gen\u00f6tigt hat, den gr\u00f6\u00dften Anteil des BIP international hinter den USA f\u00fcr R\u00fcstungsg\u00fcter auszugeben. Warum sch\u00fctzt die EU nicht ihre \u00f6stlichen Grenzen und l\u00e4\u00dft Griechenland in den schwierigen Gew\u00e4ssern dieser Gegend allein k\u00e4mpfen?<\/p>\n<p>Andererseits kommt der harte Euro den nordeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern, die mit kapitalintensiven und innovativen Hochtechnologien Oligopolprodukte produzieren, sehr gelegen. Die Kosten dieser Produkte k\u00f6nnen erheblich gesenkt werden, und die Gewinnspannen sind riesig. Das erlaubt den Nordl\u00e4ndern, gro\u00dfe Devisen\u00fcbersch\u00fcsse anzuh\u00e4ufen und mit den gro\u00dfen Spannen zwischen den W\u00e4hrungen zu spekulieren.<\/p>\n<p>So wie die Dinge heute stehen, ist die einzige saubere L\u00f6sung der \u201eGrexit\u201c [Austritt Griechenlands] zusammen mit \u00e4hnlichen Schritten der anderen S\u00fcdl\u00e4nder, wobei Italien den Ton anzugeben scheint. Der Ausstieg aus dem Euro wird am Anfang zweifellos schmerzhaft sein. Heute erleben wir indes genauso schmerzhafte Stunden, aber ohne Hoffnung auf die Zukunft.<\/p>\n<p>Die Fortf\u00fchrung einer Volkswirtschaft im Zustand der finanziellen Paralyse l\u00e4\u00dft nicht viel Raum f\u00fcr Hoffnung auf einen Aufschwung. Die jetzige extreme Rezessionspolitik, der tragische Anstieg der Arbeitslosigkeit, die massive Senkung der Arbeitsentgelte und Renten sind unmenschlich und un\u00f6konomisch. Sie f\u00fchren zu einem massiven R\u00fcckgang der Inlandsnachfrage sowie zu verbreiteter sozialer Unruhe mit tragischen wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen.<\/p>\n<table width=\"150\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td height=\"369\"><strong>Figure 2\u00a0<\/strong><br \/>\n<strong>Estimated evolution of the Greek economy within and outside the euro zone<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/schillerinstitute.org\/conf-iclc\/2013\/0413_frankfurt\/images\/katsanevas\/grexit_economic_impact-chart.gif\" width=\"667\" height=\"331\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Depression bringt mehr Depression hervor und l\u00e4\u00dft die Steuereinnahmen sinken. Armut erzeugt mehr Armut, Elend und Aufruhr. Kredite f\u00fchren zu mehr Krediten und Abh\u00e4ngigkeiten &#8211; ein ewiger Kreislauf. Wie bereits der alte griechische Philosoph Menandros sagte: \u201eDarlehen machen aus Menschen Sklaven.\u201c Die schlechte Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Landes, seine schrumpfende Inlandsproduktion und -konsumtion f\u00fchren in einen Teufelskreis von Schuldenausf\u00e4llen und einem Bedarf an immer neuen Krediten. Langfristig ist dies f\u00fcr alle belastend, selbst f\u00fcr unsere Gl\u00e4ubiger.<\/p>\n<p>Das ist die v\u00f6llig falsche Politik. Sie folgt keinerlei Logik. Was wir heute brauchen, ist eine gemeinsame Logik. Ansonsten bewahrheitet sich, was einige fl\u00fcstern: Hinter dieser Politik steht ein finsterer \u201eBig Brother\u201c, der die schw\u00e4cheren L\u00e4nder v\u00f6llig dem Willen der Bosse des internationalen Kasinokapitalismus unterordnen will.<\/p>\n<h4>Was ist zu tun?<\/h4>\n<p>Nach unserem \u201ePlan B\u201c, der auf umfangreichen wissenschaftlichen und politischen Forschungen beruht, sollte der Austritt aus dem harten Euro, nicht jedoch aus der EU, von einem kontrollierten Konkurs begleitet werden, wodurch 50-70% der Gesamtverschuldung gestrichen werden. Nach einer tilgungsfreien Zeit von zwei Jahren wird die R\u00fcckzahlung der restlichen 30-50% bei verl\u00e4ngerten R\u00fcckzahlungsfristen begonnen. Die neue Drachme wird deflationiert und soll sich in Richtung eines vern\u00fcnftigen Wechselkurses bewegen, gebunden an einen W\u00e4hrungskorb, der den Euro, den Dollar und andere weiche W\u00e4hrungen unserer Mitwettbewerber enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>Eine weitere L\u00f6sung w\u00e4re die Schaffung einer weichen Verbindung zwischen den nationalen W\u00e4hrungen der s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4nder nach ihrem Austritt aus der Eurozone. All dies sollte mit Kontrollen der Kapital- und Warenstr\u00f6me sowie mit der Trennung von Handels- und Investmentbanken in \u00dcbereinstimmung mit dem Glass-Steagall-Prinzip einhergehen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sollte der Austritt begleitet sein von eingeschr\u00e4nkten Staatsausgaben, einer Modernisierung der \u00f6ffentlichen Verwaltung, der Sozialversicherung und des Gesundheitswesens, dem Kampf gegen Korruption, Straflosigkeit und B\u00fcrokratie sowie der Steuerhinterziehung zusammen mit einem Gesp\u00fcr f\u00fcr Gerechtigkeit, Effizienz, Kompetenz und Ehrlichkeit. Niedrige und mittlere L\u00f6hne und Geh\u00e4lter sollten schrittweise auf ein moderates Niveau und entsprechend einer St\u00e4rkung des Binnenkonsums angehoben werden, um so die Gefahr der Hyperinflation zu vermeiden.<\/p>\n<p>Die Regierung mu\u00df die Verantwortung f\u00fcr die Versorgung mit grundlegenden G\u00fctern wie Lebensmitteln, Medikamenten, Treibstoff usw. \u00fcbernehmen sowie Handelsmi\u00dfbr\u00e4uche und Schwarzmarktpraktiken unterbinden. Bestimmte, haupts\u00e4chlich importierte G\u00fcter werden eine Zeitlang verschwinden. (Aber wir werden auch ohne Whisky, Kaviar, Porsche Cayennes usw. \u00fcberleben.) Wir m\u00fcssen uns von dem erb\u00e4rmlichen Bild eines \u201eImportlandes\u201c befreien, unsere Produktionsbasis reaktivieren und versuchen, nicht mehr zu verbrauchen, als wir erzeugen. F\u00fcr all das mu\u00df ein Entwicklungskonzept, ein neuer Marshallplan, entwickelt werden.<\/p>\n<h4>Ein Nachwort<\/h4>\n<p>Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich vorschlagen, da\u00df unsere Konferenz eine Resolution verabschiedet:<\/p>\n<p>\u201eWir verurteilen die Funktionslosigkeit der Eurozone und die extreme monetaristische Politik des Kasinokapitalismus; der Schutz internationaler Steuerparadiese und der unkontrollierten Kapitalstr\u00f6me m\u00fcssen aufh\u00f6ren; wir fordern die Einf\u00fchrung eines Trennbankensystems zwischen Handels- und Investmentbanken, die Schaffung eines Marshallplans f\u00fcr bed\u00fcrftige L\u00e4nder, die F\u00f6rderung der produktiven Realwirtschaft \u00fcber die M\u00e4rkte, die Bef\u00f6rderung einer neuen Vision menschlicher Entwicklung; und die Einleitung einer Renaissance klassischer Kultur auf Grundlage der sch\u00f6nen Seele des Menschen.\u201c<\/p>\n<p>Wie Schiller sagte: \u201e<em>Nicht in die ferne Zeit verliere dich. Den Augenblick ergreife. Der ist dein&#8230;\u00a0<\/em>Wage du, zu irren und zu tr\u00e4umen\u201c &#8211; f\u00fcr die Renaissance von ganz Europa. Kn\u00fcpfen wir wieder an an die Bl\u00fctezeiten vergangener Epochen wie des antiken Griechenlands, aber nicht nur dieser. Dann und nur dann werden wir \u201edurch das Tor der Morgenr\u00f6te in das Land der Erkenntnis\u201c eintreten und die glorreichen Erinnerungen an das Goldene Zeitalter des Atheners Perikles wachrufen. Und dann wird der von Zeus entf\u00fchrten Europa die Sonne scheinen, und sie wird wieder l\u00e4cheln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Wortlaut Zeus, der oberste der antiken griechischen G\u00f6tter, verliebte sich in die sch\u00f6ne Europa und beschlo\u00df, sie zu verf\u00fchren. Er verwandelte sich in einen wei\u00dfen Stier und mischte sich unter die Herde ihres Vaters. Als Europa und ihre Gespielinnen Blumen pfl\u00fcckten, sah sie den Stier, streichelte seine Flanken und kletterte schlie\u00dflich auf seinen R\u00fccken. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"featured_media":3000,"menu_order":252,"template":"","meta":{"footnotes":""},"portfolio_category":[118,123],"class_list":["post-3333","portfolio_cpt","type-portfolio_cpt","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","portfolio_category-frankfurt","portfolio_category-panel-4-de"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt\/3333","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt"}],"about":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/portfolio_cpt"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt\/3333\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3000"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3333"}],"wp:term":[{"taxonomy":"portfolio_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_category?post=3333"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}