{"id":3327,"date":"2013-05-11T18:05:36","date_gmt":"2013-05-11T16:05:36","guid":{"rendered":"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/?post_type=portfolio_cpt&#038;p=3327"},"modified":"2013-05-23T20:55:17","modified_gmt":"2013-05-23T18:55:17","slug":"kyrill-benediktow-die-verteidigung-des-planeten-vor-bedrohungen-durch-asteroiden-und-kometen-eine-sicht-aus-rusland","status":"publish","type":"portfolio_cpt","link":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/portfolio\/kyrill-benediktow-die-verteidigung-des-planeten-vor-bedrohungen-durch-asteroiden-und-kometen-eine-sicht-aus-rusland\/","title":{"rendered":"Kyrill Benediktow: Die Verteidigung des Planeten vor Bedrohungen durch Asteroiden und Kometen \u2014 Eine Sicht aus Ru\u00dfland"},"content":{"rendered":"<p><em>Kyrill Benediktow ist Autor und Mitglied der Redaktionsleitung der Internetseite \u201eTerra America\u201c. F\u00fcr die Konferenz des Schiller-Instituts am 13.-14. verfa\u00dfte er das folgende Papier, das aus Zeitgr\u00fcnden nur gek\u00fcrzt vorgetragen werden konnte. Es ist hier erg\u00e4nzt durch die Bemerkungen, mit denen er seinen Vortrag einleitete (Original Russisch).<\/em><\/p>\n<h3><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/2.schillermeet.de\/wp-content\/themes\/schiller\/images\/icons\/301.png\" class=\"shortcode-icon \" alt=\"\"> Im Wortlaut<\/h3>\n<p>Zun\u00e4chst einmal m\u00f6chte ich dem Schiller-Institut und Lyndon LaRouche und Helga Zepp-LaRouche pers\u00f6nlich danken, da\u00df sie mich zu dieser namhaften Konferenz eingeladen haben. Meine vorbereiteten Bemerkungen beginnen mit einem historischen \u00dcberblick, aber gerade gestern gab es einige Ereignisse, die meinen Plan ver\u00e4ndert haben. Ich m\u00f6chte Ihnen daher zun\u00e4chst einmal sagen, was gestern geschehen ist.<\/p>\n<p>Gestern war der 12. April, der in Ru\u00dfland und weltweit als Tag der Raumfahrt begangen wird, denn an diesem Tag [1961] machte der russische Kosmonaut Jurij Gagarin als erster Mensch einen Flug in den Weltraum. Und gestern wurde bekannt, da\u00df der russische Vizepremierminister Dmitrij Rogosin einen Brief an Pr\u00e4sident Putin geschickt hat, in dem er vorschl\u00e4gt, die Abwehr von Bedrohungen aus dem Weltraum zum Hauptthema des bevorstehenden Gipfeltreffens der G-20 zu machen. [Applaus.] Vielen Dank.<\/p>\n<p>Zweitens k\u00fcndigte Pr\u00e4sident Putin an, da\u00df die Finanzmittel f\u00fcr das russische Weltraumprogramm bis 2020 auf 1,6 Billionen Rubel [etwa 40 Mrd. \u20ac] erh\u00f6ht werden. Das ist eine recht erhebliche Summe, im wesentlichen vergleichbar mit dem Budget der NASA.<\/p>\n<p>Lassen Sie mich nach dieser kurzen Einleitung den Gegenstand charakterisieren, den Rogosin auf die Tagesordnung der G-20 zu setzen vorgeschlagen hat. Es ist das Problem der Bedrohung durch Kometen und Asteroiden. Schon seit recht langer Zeit ist sich die Menschheit sehr bewu\u00dft \u00fcber die Existenz einer Bedrohung durch Kometen. Asteroiden waren nat\u00fcrlich noch nicht auf der Bildfl\u00e4che. Die Menschen dachten an die Kometen, weil diese wegen des Schweifes eine ziemlich erschreckende Erscheinung machen.<\/p>\n<p>Der erste periodische Komet, den die Menschheit kannte, ist der ber\u00fchmte Halleysche Komet. Seine Beobachtung ist schon in babylonischen Tageb\u00fcchern und in chinesischen Chroniken aus der \u00c4ra der Kriegf\u00fchrenden Staaten [203-221 v. Chr.] beschrieben. Der feurige \u201eBesenstern\u201c galt schon damals als Vorbote bevorstehenden Unheils. Die r\u00f6mischen Sibyllinischen B\u00fccher sagen, der Komet sei ein \u201eVorzeichen von Schwert, Hunger und Tod, des Sturzes von F\u00fcrsten und Gro\u00dfen\u201c. Das Auftreten des Kometen im 5. Jh. traf zusammen mit der Invasion des Hunnen Attila und im 11. Jh. mit der Eroberung Englands durch die Normannen. Dieses Ereignis ist im ber\u00fchmten Teppich von Bayeux abgebildet (<i>Abbildung 1<\/i>). Russische Chroniken des 13. Jahrhunderts sprechen von einem schrecklichen Stern, dessen Strahlen nach Osten wiesen &#8211; der Richtung, aus der die mongolischen Horden schon bald darauf in Ru\u00dfland einfielen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table width=\"150\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>Figure 1<\/strong><br \/>\n<strong>The Bayeux Tapestry<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/schillerinstitute.org\/conf-iclc\/2013\/0413_frankfurt\/images\/benediktov\/tapestry.jpg\" width=\"705\" height=\"529\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Aber erst 1910 l\u00f6ste die Ann\u00e4herung des Halleyschen Kometen eine Welle der Panik aus, welche die gesamte zivilisierte Welt erfa\u00dfte. Ironischerweise war das ein direktes Resultat wissenschaftlicher Leistungen: Erstmals wurde eine Spektralanalyse des Kometenschweifs durchgef\u00fchrt, die das Vorhandensein von giftigem Zyangas und von Kohlenmonoxid zeigte. Es war bekannt, da\u00df die Erde am 18. Mai den Schweif des Kometen durchstreifen w\u00fcrde, und das l\u00f6ste eine \u201eAnti-Kometen-Hysterie\u201c aus, in der die Menschen das Ende der Welt erwarteten. In dieser Panik war eine gro\u00dfe Nachfrage nach \u201eAnti-Kometen-Pillen\u201c und \u201eAnti-Kometen-Schirmen\u201c (<i>Abbildung 2<\/i>). Der ber\u00fchmte Arthur Conan Doyle schrieb, inspiriert von diesem Wahnsinn, einen seiner besten Science-Fiction-Romane,\u00a0<i>Das Ende der Welt<\/i>, in dem die Erde durch einen \u201eG\u00fcrtel giftigen \u00c4thers\u201c hindurchfliegt und die gesamte Menschheit f\u00fcr einige Tage in einen Tiefschlaf versetzt wird.<\/p>\n<p>Heute ist offensichtlich, da\u00df die \u00c4ngste von 1910 unbegr\u00fcndet waren. Die Konzentration sch\u00e4dlicher Substanzen im Schweif von Kometen ist so gering, da\u00df sie keinerlei Wirkung auf die Erdatmosph\u00e4re haben. Aber etwa zur gleichen Zeit war eine schreckliche Gefahr nahe. Weder die Wissenschaftler noch die Science-Fiction-Autoren erkannten sie, obwohl sie ihre Gegenwart lautstark angek\u00fcndigt hatte.<\/p>\n<table width=\"150\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td height=\"463\"><strong>Figure 2\u00a0<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/schillerinstitute.org\/conf-iclc\/2013\/0413_frankfurt\/images\/benediktov\/comet.jpg\" width=\"687\" height=\"444\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span style=\"font-size: 1em;\">Zwei Jahre vor der Panik, die das Erscheinen des Halleyschen Kometen ausl\u00f6ste, 1908, explodierte etwas mitten in Sibirien, in der N\u00e4he der Steinigen Tunguska. Astronomen beschrieben es vorsichtig als einen Himmelsk\u00f6rper mit einem kometenhaften Ursprung. Die Gewalt der Explosion war etwa 40-50 Megatonnen, und ihre Wirkung war sogar in Westeuropa sichtbar, wo mehrere N\u00e4chte lang ein geisterhaftes Leuchten am Himmel zu sehen war. Der brillante russische Wissenschaftler Wladimir Iwanowitsch Wernadskij, dessen 150. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern, bezeichnete das \u201eTunguska-Wunder\u201c recht pr\u00e4zise als einen \u201eKlumpen kosmischen Staubes\u201c. (<i>Abbildung 3<\/i>)From Tunguska to Chelyabinsk: 1908-2013<\/span><\/p>\n<table width=\"150\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td height=\"463\"><strong>Figure 3\u00a0<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/schillerinstitute.org\/conf-iclc\/2013\/0413_frankfurt\/images\/benediktov\/tunguska.jpg\" width=\"705\" height=\"464\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Aber schon dieser \u201eStaubklumpen\u201c machte, als er auf die Erde prallte, eine Waldfl\u00e4che von 2000 Quadratkilometern dem Erdboden gleich, und es war gro\u00dfes Gl\u00fcck, da\u00df es keine Todesopfer gab. Wenn das Objekt, das \u00fcber der Tunguska explodierte, vier Stunden fr\u00fcher gekommen w\u00e4re, dann h\u00e4tte es aufgrund der Rotation der Erde die Stadt Wyborg v\u00f6llig zerst\u00f6rt und die wundersch\u00f6nen Pal\u00e4ste von St. Petersburg in Ruinen verwandelt. Das war eine omin\u00f6se Warnung. Aber weil die Katastrophe eines der am wenigsten bewohnten Gebiete des Planeten traf und kein dichtbesiedeltes Gebiet in Europa oder Amerika, hat die Menschheit sie einfach ignoriert.<\/p>\n<p>Seither steht die Erde weiter unter dem \u201eBeschu\u00df\u201c aus dem Weltraum. Bemerkenswert ist vor allem das \u201ebrasilianische Tunguska\u201c vom 3. August 1930, als ein Himmelsk\u00f6rper in den Regenwald im Grenzgebiet zwischen Brasilien, Peru und Kolumbien raste und Br\u00e4nde ausl\u00f6ste, die mehrere Tage w\u00fcteten, soda\u00df der Dschungel auf mehreren Hundert Quadratkilometern entv\u00f6lkert wurde, sowie der Sichote-Alin-Meteorit 1947, dessen Fragmente, die zusammen bis zu 80 Tonnen wogen, in einem Meteoritenschauer im Fernen Osten der Sowjetunion niedergingen.<\/p>\n<p>Doch w\u00e4hrend diese Ereignisse d\u00fcnnbesiedelte Gebiete trafen, h\u00e4tte ein Asteroid, der 1972 beinahe \u00fcber den Vereinigten Staaten explodiert w\u00e4re, eine schwere Katastrophe verursachen k\u00f6nnen. Mit einem Durchmesser von 80 Metern trat er \u00fcber dem US-Bundesstaat Utah mit einer Geschwindigkeit von etwa 15 km\/s in die Erdatmosph\u00e4re ein. H\u00e4tte er die Erdoberfl\u00e4che erreicht, w\u00e4re die Explosion mit der von Tunguska vergleichbar gewesen, aber statt der 2000 Quadratkilometer, die beim Wunder von Tunguska zerst\u00f6rt wurden, w\u00e4re diesmal das gleiche inmitten eines hochtechnisierten und dicht besiedelten Landes geschehen. Zum Gl\u00fcck war die Flugbahn des Asteroiden sehr flach, und nachdem er etwa 1500 km \u00fcber die Erde geflogen war, trat er \u00fcber Kanada wieder aus der Erdatmosph\u00e4re aus und verlor sich wieder in der Weite des Weltalls.<\/p>\n<p>Das dramatischste Ereignis war der j\u00fcngste Zwischenfall von Tscheljabinsk (<i>Abbildung 4<\/i>), als bei der Explosion eines Meteoriten \u00fcber Tscheljabinsk mindestens 1613 Menschen verletzt wurden, die meisten von ihnen mit leichten Verletzungen und Schnittwunden. Der Meteorit war relativ klein &#8211; rund 17 m im Durchmesser und mit einem Gewicht von etwa 10.000 t. (<i>Abbildung 5<\/i>).<\/p>\n<table width=\"150\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td height=\"412\"><strong>Figure 4\u00a0<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/schillerinstitute.org\/conf-iclc\/2013\/0413_frankfurt\/images\/benediktov\/chelyabinsk.jpg\" width=\"705\" height=\"393\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table width=\"150\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td height=\"412\"><strong>Figure 5\u00a0<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/schillerinstitute.org\/conf-iclc\/2013\/0413_frankfurt\/images\/benediktov\/chelyabinsk-asteroid-size.gif\" width=\"614\" height=\"399\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Es ist bemerkenswert, da\u00df die Zahl der Himmelsk\u00f6rper, die auf die Erde st\u00fcrzten, in der Woche vom 11.-18. Februar 2013 dramatisch &#8211; und tats\u00e4chlich ungew\u00f6hnlich &#8211; angewachsen ist. Man beobachtete Boliden am Himmel \u00fcber Ru\u00dfland, Kasachstan, Japan, Australien, Kuba, S\u00fcdafrika, Marokko, Deutschland, der Schweiz, Italien, den Niederlanden, Belgien, Gro\u00dfbritannien und Lettland. Man sah auch au\u00dfergew\u00f6hnlich silbrige Wolken, so \u00e4hnlich, wie man es nach dem Eintreffen des Tunguska-Meteoriten beobachtete. Vielleicht flog die Erde auf ihrer Umlaufbahn zu der Zeit durch einen bisher unbekannten Meteorschwarm.<\/p>\n<p>Eine sehr wichtige Tatsache ist hier, da\u00df die Astronomen, die den erdnahen Raum beobachten, bis dahin von keinem solchen Meteorschwarm wu\u00dften. Es wurde die Vermutung ge\u00e4u\u00dfert, da\u00df es mit dem Asteroiden 2012-DA-14 zusammenh\u00e4ngen k\u00f6nnte, der die Erde am 15. Februar in einer Entfernung von 28.000 km passierte, aber die Flugbahnen des Asteroiden und des Boliden vom Ural sind v\u00f6llig verschieden. So wurde im Februar dieses Jahres die F\u00e4higkeit der modernen Wissenschaft der Erde, Bedrohungen kosmischen Ursprungs fr\u00fchzeitig auszumachen, auf die Probe gestellt &#8211; und das Ergebnis erwies sich leider als v\u00f6llig unbefriedigend.<\/p>\n<h4>Ein bisher weitgehend ignoriertes Problem<\/h4>\n<p>\u00dcberraschenderweise wurde die Bedrohung aus dem Weltraum, die schon lange vor dem Absturz des Tschebarkul-Meteoriten ((Der Tschebarkul-See in der Region Tscheljabinsk wurde als Epizentrum des Meteoriteneinschlags identifiziert.))\u00a0erkennbar war, lange Zeit nicht ernst genommen. Tats\u00e4chlich interessierten sich nur die Regisseure von Katastrophenfilmen daf\u00fcr, und die Politiker und die meisten Wissenschaftler sahen darin nichts, womit sie sich besch\u00e4ftigen m\u00fc\u00dften.<\/p>\n<p>Es ist m\u00f6glich &#8211; obwohl es unwahrscheinlich ist, da\u00df jemand das je beweisen wird &#8211; da\u00df es recht irdische, politische Gr\u00fcnde f\u00fcr diesen Zustand gab. Beispielsweise w\u00fcrde es logisch erscheinen, da\u00df die Entwicklung der Strategischen Verteidigungsinitiative, wie sie unter der Pr\u00e4sidentschaft von Ronald Reagan von den Vereinigten Staaten vorgeschlagen wurde, unweigerlich zur Schaffung wenigstens eines Fr\u00fchwarnsystems vor Bedrohungen aus dem Weltraum, die die Erdbahn kreuzen, gef\u00fchrt h\u00e4tte. Aber dazu kam es nat\u00fcrlich nicht. Nachdem der Kalte Krieg beendet war und die Vereinigten Staaten ihren wichtigsten strategischen Gegner verloren hatten &#8211; einen Gegner, der die Entwicklung der Milit\u00e4r- und Luft- und Raumfahrtindustrie der USA angespornt hatte &#8211; zog man es vor, die SDI zu vergessen. Der Preis dieses Vergessens war, da\u00df die meisten technisch fortgeschrittenen L\u00e4nder auf der Erde v\u00f6llig unvorbereitet waren, um die Probleme im Zusammenhang mit der Bedrohung durch Asteroiden und Kometen zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Es gibt etwa zehn Projekte verschiedener L\u00e4nder und Organisationen, die 1311 m\u00f6glicherweise gef\u00e4hrlicher Asteroiden gefunden haben. Diese Berechnung beruht auf Beobachtungen boden- und weltraumgest\u00fctzter Observatorien wie z.B. der NASA-Sonde WISE (Wide-field Infrared Survey Explorer).<\/p>\n<p>Obwohl Ru\u00dfland schon aufgrund seines riesigen Territoriums ein vitales Interesse an Technologien hat, mit denen es Bedrohungen durch Asteroiden und Kometen verhindern oder abwehren kann, stehen hier die westlichen L\u00e4nder an erster Stelle. Aber auch in Ru\u00dfland gab und gibt es Gruppen und Organisationen, die an Technologien zur Vorwarnung und m\u00f6glichen Strategien zum Schutz des Planeten arbeiten. Zu diesen Organisationen geh\u00f6ren die Expertengruppe der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAW) gegen Bedrohungen aus dem Weltraum, die dem Astronomischen Institut der RAW angeh\u00f6rt und derzeit dem Direktor des Instituts, Boris Schustow unterstellt ist, sowie eine Reihe von Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie, vor allem dem Forschungs- und Produktionsverband S.A. Lawotschkin. Die Arbeitsgruppen Aegis, AKG (Asteroiden- und Kometengefahr) und Apophis haben Vertr\u00e4ge mit dem Weltraumrat der RAW und [der russischen Weltraumbeh\u00f6rde] Roskosmos. Die folgenden Informationen beruhen zum gr\u00f6\u00dften Teil auf Material, das von diesen Organisationen stammt.<\/p>\n<h4>M\u00f6gliche Wege zur Abwehr der Gefahren<\/h4>\n<p>In der gesamten Geschichte der Beobachtungen haben Wissenschaftler erst ein einziges Mal eine Kollision mit einem Himmelsk\u00f6rper vorhergesagt &#8211; das war der Asteroid 2008-TC-3, der am 6. Oktober 2008 entdeckt wurde und innerhalb von 20 Stunden, am fr\u00fchen Morgen des 7. Oktobers, in einer H\u00f6he von 37 km genau am vorhergesagten Ort und Zeitpunkt explodierte: \u00fcber der W\u00fcste im Norden des Sudan, unweit der \u00e4gyptischen Grenze. Die Entdeckung wurde mit Hilfe des 1,5-m-Teleskops Catalina Sky Survey gemacht. Allerdings sind sich alle Experten einig, da\u00df es unm\u00f6glich gewesen w\u00e4re, in so kurzer Zeit einen Asteroiden zu zerst\u00f6ren oder seine Bahn zu \u00e4ndern, selbst wenn er genau auf New York gest\u00fcrzt w\u00e4re. Und am 2. M\u00e4rz 2009 flog dann ein Brocken mit einem Durchmesser von 50 m in einer Entfernung von lediglich 66.000 km an der Erde vorbei: der Asteroid 2009-DD-45. W\u00e4re es zu einem Zusammenprall mit der Erde gekommen, dann w\u00e4re die Katastrophe um ein Vielfaches schlimmer gewesen als der Zwischenfall von Tscheljabinsk. Dieser Asteroid wurde erst am 28. Februar, also drei Tage vor dem Vorbeiflug gesichtet, und zwar nicht von einem nationalen Observatorium, sondern von einem Amateurastronomen.<\/p>\n<p>Das Problem, Bedrohungen durch Kometen und Asteroiden abzuwehren, hat offensichtlich zwei Komponenten: a) m\u00fcssen die Mittel zur \u00dcberwachung verbessert werden, um (wenigstens in der Theorie) die fr\u00fchzeitige Entdeckung der gef\u00e4hrlichsten Himmelsk\u00f6rper zu erm\u00f6glichen, und b) m\u00fcssen die Mittel zur Verteidigung des Planeten geschaffen werden.<\/p>\n<table width=\"150\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td height=\"394\"><strong>Figure 6\u00a0<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/schillerinstitute.org\/conf-iclc\/2013\/0413_frankfurt\/images\/benediktov\/apophis-asteroid-orbit.jpg\" width=\"634\" height=\"375\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die erste Aufgabe ist durchaus l\u00f6sbar f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Himmelsk\u00f6rper wie den Asteroiden Apophis, der nach den Berechnungen 2029 und 2036 der Erde gef\u00e4hrlich nahe begegnen wird (siehe\u00a0<i>Abbildung 6<\/i>). Aber selbst im Fall von Apophis kann man nicht absolut sicher sein, da\u00df sich seine Bahn nicht infolge bisher nicht ber\u00fccksichtigter Faktoren ver\u00e4ndern k\u00f6nnte und er keine Katastrophe von planetarem Ausma\u00df ausl\u00f6sen wird.<\/p>\n<p>Und es w\u00e4re zu optimistisch, anzunehmen, da\u00df nur Apophis eine Bedrohung f\u00fcr unseren Planeten darstellt. Die Gesamtzahl der bisher noch nicht entdeckten Objekte mit einem Durchmesser von mehr als einem Kilometer wird von russischen Wissenschaftlern auf \u201eweniger als 40\u201c oder weniger als 20% der Gesamtzahl potentiell gef\u00e4hrlicher Himmelsk\u00f6rper eingesch\u00e4tzt, die im Sonnensystem \u201ewohnen\u201c, aber der Menschheit noch nicht bekannt sind. Nach Angaben von Direktor Boris Schustow vom Institut f\u00fcr Astronomie der RAW liegt die Gesamtzahl der potentiell f\u00fcr die Erde bedrohlichen Objekte zwischen 200.000 und 300.000, und nur 2% von ihnen wurden bisher von Astronomen identifiziert (<em>Abbildung 7<\/em>).<\/p>\n<table width=\"150\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td height=\"356\"><strong>Figure 7\u00a0<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/schillerinstitute.org\/conf-iclc\/2013\/0413_frankfurt\/images\/benediktov\/asteroid-earth.jpg\" width=\"600\" height=\"337\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Um diese \u201everlorenen\u201c Objekte auch nur zu entdecken, m\u00fcssen wir die Effizienz der derzeit verf\u00fcgbaren Fr\u00fchwarnsysteme deutlich steigern. Zun\u00e4chst einmal m\u00fcssen wir ein einheitliches, planetares Netzwerk schaffen, um Bedrohungen durch Asteroiden und Kometen zu entdecken und vorherzusagen. An diesem Netzwerk sollten alle bereits existierenden Zentren beteiligt sein &#8211; das Minor Planet Center (von der NASA finanziert und der Internationalen Astronomischen Union unterstellt), das Jet Propulsion Laboratory (USA), das (von der ESA finanzierte) Laboratorium der Universit\u00e4t Pisa -, aber auch neue, mit der gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen geographischen Reichweite. Es ist absolut notwendig, auch die Elemente eines solchen Netzwerks auf der s\u00fcdlichen Hemisph\u00e4re zu schaffen.<\/p>\n<p>Was Ru\u00dfland angeht, sollten die Arbeiten, die schon jetzt in den verschiedenen Instituten und Forschungseinrichtungen durchgef\u00fchrt werden, systematisch organisiert werden; es mu\u00df eine zentrale Koordinationsstelle geschaffen werden, um die Daten zu sammeln und zu verarbeiten. Dieses Zentrum sollte von Anfang an als Knotenpunkt des globalen (supranationalen) Netzwerks dienen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen auch Satellitenteleskope, wie sie von der NASA und der ESA gestartet wurden, \u00e4u\u00dferst n\u00fctzlich sein. Aber genauso wie beim Aufbau eines Systems zur Verteidigung des Planeten sollte man klar verstehen, da\u00df solche Anlagen nur wirksam sein werden, wenn sie Komponenten einer globalen, planetaren Strategie sind und nicht nur isolierte Projekte. Am 12. M\u00e4rz dieses Jahres identifizierte Boris Schustow in einer Rede vor dem F\u00f6derationsrat der Russischen F\u00f6deration das wichtigste Problem der russischen Astronomie: den Mangel an Geldmitteln. Es w\u00e4ren mindestens 58 Mrd. Rubel (rund 1,5 Mrd.\u20ac) notwendig, um ein umfassendes Programm zum Schutz vor der Bedrohung durch Asteroiden und Kometen zu schaffen, sagte er. Und wir werden sehen, da\u00df diese Zahlen ziemlich vergleichbar sind mit den Kosten einer ehrgeizigen Mission der NASA. F\u00fcr die russische Wissenschaft ist dies jedoch eine extrem gro\u00dfe Summe. Aber das Ereignis von Tscheljabinsk k\u00f6nnte hier Positives bewirken.<\/p>\n<p>H\u00f6chst bedauerlich ist, da\u00df bisher alle Projekte im Bereich der Weltraumsicherheit nur als Teil einer \u201epassiven\u201c Strategie zu betrachten sind, die Beobachtungen und Berechnungen dieser gef\u00e4hrlichen Objekte anstellt. Das einzige mir bekannte Beispiel, wo der Mensch einen Himmelsk\u00f6rper beeinflu\u00dft hat, ist die Bombardierung des Kerns des Kometen Tempel-1 durch das Deep-Impact-Experiment der NASA im Sommer 2005. Russische Experten schlie\u00dfen nicht aus, da\u00df Resultate dieses Experimentes, bei dem der Komet und M\u00f6glichkeiten, ihn abzufangen, studiert wurden, zur Entwicklung neuer Waffentypen genutzt werden k\u00f6nnten. Man k\u00f6nnte die Erfahrung mit dem Abfangen des Kometenkerns bei einer Geschwindigkeit von rund 10 km\/s dazu verwenden, Raketenabwehrsysteme zu entwickeln. M\u00f6glicherweise wurden auch Modelle f\u00fcr Hypergeschwindigkeitsschl\u00e4ge getestet, die notwendig sind, um die Wirksamkeit neuer kinetischer Waffen, der sog, \u201eGottespfeile\u201c, zu erproben. Doch auch wenn dem so sein sollte, gibt es immer noch keine einzige bewilligte Mission, welche die Entwicklung eines \u201eGegenschlags\u201c gegen einen Asteroiden einschlie\u00dft.<\/p>\n<p>Die Apophis-Mission, die vom Lawotschkin-B\u00fcro entwickelt wird, hat bisher noch keinen klaren Zeitplan (abgesehen nat\u00fcrlich vom ungef\u00e4hren Zeitpunkt der Ann\u00e4herung des Asteroiden an die Erde).Vor zehn Tagen sagte der Leiter von Roskosmos, Wladimir Popowkin, die NASA habe Ru\u00dfland ein Gemeinschaftsprojekt vorgeschlagen, einen kleinen (500 t schweren) Asteroiden einzufangen und in eine Mondumlaufbahn zu schaffen. Die Idee ist dabei, dieses Objekt irgendwo im Weltraum einzufangen und mit Hilfe der Traktor-Technik in eine Mondumlaufbahn zu ziehen, wo er dann mit Hilfe von Robotern oder sogar von einer bemannten Expedition untersucht werden kann.<\/p>\n<p>Aber soweit aus einem Artikel in\u00a0<i>Aviation Week\u00a0<\/i>hervorgeht, ist dies kein bereits bewilligtes Projekt, sondern nur eine Initiative, f\u00fcr welche die NASA zus\u00e4tzliche 100 Mio.$ an Geldern beantragen will. Das vom Keck Institute for Space Studies entwickelte Projekt sieht vor, den Asteroiden mit einem speziellen \u201eSack\u201c einzufangen und dann in eine elliptische Umlaufbahn um den Mond oder an einen der Lagrange-Punkte [wo sich die Gravitation gegenseitig aufhebt] im Erde-Mond-System zu schleppen. F\u00fcr dieses Projekt erg\u00e4ben sich Kosten von mindestens 2,65 Mrd.$. Technisch k\u00f6nnte eine solche Einfangaktion etwa so aussehen, wie es in\u00a0<i>Abbildung 8<\/i>\u00a0gezeigt wird.<\/p>\n<table width=\"150\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td height=\"356\"><strong>Figure 8\u00a0<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/schillerinstitute.org\/conf-iclc\/2013\/0413_frankfurt\/images\/benediktov\/asteroid-bagger.jpg\" width=\"600\" height=\"340\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die M\u00f6glichkeit von Gegenma\u00dfnahmen gegen eventuell gef\u00e4hrliche Weltraumobjekte beruht streng genommen auf zwei grundlegenden Strategien: Ablenkung und Zerst\u00f6rung. Eine Ablenkung ist nat\u00fcrlich vorzuziehen, erstens, weil man die Wirkungen genauer berechnen kann, und zweitens, weil keine irreversiblen Ma\u00dfnahmen getroffen werden.<\/p>\n<p>Die Ablenkung k\u00f6nnte entweder weich (durch Traktoren oder Segel) oder hart (durch gezielte Explosionen, Minen, kinetische Einwirkungen) erfolgen. Als Zerst\u00f6rungsmittel kann sehr starke, auch nukleare Milit\u00e4rtechnik dienen. Dies stellt betr\u00e4chtliche Anforderungen an ein System zum Schutz des Planeten, weil der Einsatz von Kernwaffen im Weltraum internationale Spannungen erh\u00f6hen und zus\u00e4tzliche Herausforderungen f\u00fcr die Sicherheit des Planeten schaffen k\u00f6nnte. Daher werden wir ein supranationales Projekt unter der Leitung der Vereinten Nationen unternehmen m\u00fcssen. Genau das ist es, was der stellv. russische Premierminister Dmitrij Rogosin, der damals noch Ru\u00dflands Botschafter bei der NATO war, mehrmals gesagt hat, um die russische Initiative f\u00fcr ein internationales Projekt f\u00fcr den globalen Schutz des Planeten vor Raketen und Asteroiden zu begr\u00fcnden. ((Siehe \u201eDie strategische Verteidigung der Menschheit\u201c,\u00a0<i>Neue Solidarit\u00e4t<\/i>\u00a051-52\/2011.))<sup><br \/>\n<\/sup><\/p>\n<p>Rogosin schlug vor, ein zivil-milit\u00e4risches System zur Verteidigung der Erde sowohl gegen milit\u00e4rische wie gegen nat\u00fcrliche Bedrohungen aus dem Weltraum zu schaffen, etwa im Fall einer gef\u00e4hrlichen Ann\u00e4herung von Kometen, Asteroiden oder anderer Himmelsk\u00f6rper. Rogosin betonte, die Idee eines solchen Gro\u00dfprojektes unter der Leitung der UN biete Ru\u00dfland neben anderem auch die M\u00f6glichkeit, bei der Stationierung eines globalen Raketenabwehrsystems einschlie\u00dflich des europ\u00e4ischen Teiles den USA die strategische Initiative abzunehmen. Es werde auch erm\u00f6glichen, die Entscheidung \u00fcber ein wirklich einheitliches und gemeinsames europ\u00e4isches Raketenabwehrsystem in ein gro\u00dfes ziviles Projekt zur Erforschung des Weltraums \u201eeinzupacken\u201c, in dem Ru\u00dfland seine eigene, besondere wissenschaftliche, praktische und industrielle Rolle einnimmt. Ru\u00dfland und die Vereinigten Staaten k\u00f6nnten die noble Mission \u00fcbernehmen, den Planeten zu retten. Im Entwurf f\u00fcr die Initiative hei\u00dft es:<\/p>\n<p>\u201eDieses humanit\u00e4re Projekt zur Rettung der Zivilisation r\u00fcckt die milit\u00e4rische Komponente in den Hintergrund und stellt die Rolle der UN, die sein ,politischer Sponsor\u2019 werden m\u00fc\u00dfte, in ein anderes Licht. Die planetare Verteidigung der Erde sollte zu einem wichtigen Impuls f\u00fcr die internationale Forschung und die milit\u00e4risch-industrielle Zusammenarbeit zwischen den L\u00e4ndern des Westens und den BRICS-Staaten ((Die BRICS-Staaten sind Brasilien, Ru\u00dfland, Indien, China und S\u00fcdafrika.))\u00a0werden, mit einer f\u00fchrenden Rolle f\u00fcr Ru\u00dfland.<\/p>\n<p>Diejenigen, die sich daf\u00fcr entschieden, eine Beteiligung an einem solchen Projekt \u00f6ffentlich abzulehnen, w\u00fcrden Verachtung in den Augen der Welt riskieren, sie k\u00f6nnten als kurzsichtige Reaktion\u00e4re wahrgenommen werden oder sogar noch schlimmer, als potentielle Aggressoren, denen die Zukunft der Zivilisation egal ist und die egoistisch das nationale Ziel der Vorherrschaft im \u00e4u\u00dferen Weltraum anstreben.\u201c<\/p>\n<p>Angesichts der Zunahme des politischen Gewichts und der Autorit\u00e4t Rogosins sowie seines starken R\u00fcckhalts im den milit\u00e4risch-industriellen Komplex Ru\u00dflands besteht Grund zu der Hoffnung, da\u00df ein solches System in den kommenden Jahren eine Priorit\u00e4t des russischen Weltraumprogramms sein wird.<\/p>\n<p>Man sollte beachten, da\u00df Ru\u00dfland bei der Schaffung eines globalen Systems zum Schutz des Planeten definitiv etwas anzubieten hat. Ich beziehe mich hier vor allem auf das System\u00a0<i>Zitadelle<\/i>, das bei Lawotschkin entwickelt wurde (<i>Abbildung 9<\/i>). Dieses System wurde \u201eauf dem Papier\u201c schon vor mehr als einem Dutzend Jahren ausgearbeitet; man nahm an, da\u00df man nicht mehr als 7-8 Jahre ben\u00f6tigen w\u00fcrde, um die Hardware zu schaffen. Aber die politische Entscheidung f\u00fcr die Realisierung des Planetenschutzsystems (PSS) Zitadelle wurde damals nicht getroffen, weil es eine wirksame Zusammenarbeit verschiedener L\u00e4nder und Weltraumbeh\u00f6rden vorausgesetzt h\u00e4tte.<\/p>\n<table width=\"150\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td height=\"356\"><strong>Figure 9<br \/>\nSchematic of the Citadel Planetary Defense System<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/schillerinstitute.org\/conf-iclc\/2013\/0413_frankfurt\/images\/benediktov\/russian-asteroid-defense_system.gif\" width=\"694\" height=\"457\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Das PSS\u00a0<i>Zitadelle\u00a0<\/i>ist ein komplexes, vielschichtiges System, das jedoch aus relativ einfachen Grundelementen besteht. Hinzu kommt, da\u00df alle seine wichtigen Elemente (oder deren Prototypen) schon in der Sowjetunion entwickelt wurden. Dazu geh\u00f6ren viele Raketentypen und Weltraumtechnik, Kernwaffen, Ger\u00e4te zur Kommunikation, Navigation und Steuerung, etc. Jetzt haben wir eine einzigartige Gelegenheit, diese Mittel, von denen viele f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke entwickelt wurden, nicht zur Zerst\u00f6rung zu nutzen, sondern zum Schutz der Menschheit vor gef\u00e4hrlichen Himmelsk\u00f6rpern.<\/p>\n<p>Um eine Kollision von gef\u00e4hrlichen Himmelsk\u00f6rpern mit der Erde zu verhindern, sieht der Plan vor, sie auf der Grundlage der Infrastruktur f\u00fcr Weltraumfl\u00fcge (Weltraumbahnh\u00f6fe, Steuerungsmittel etc.) abzufangen. Es werden auch spezielle Aufkl\u00e4rungssatelliten und Abfangvehikel eingesetzt, die in der Lage sind, auf gef\u00e4hrliche Himmelsk\u00f6rper einzuwirken.<\/p>\n<p>Aufkl\u00e4rungs-Raumfahrzeuge sind kleine Apparate wie z.B. die amerikanische\u00a0<i>Clementine<\/i>, die auf der Grundlage der SDI-Technologien geschaffen wurden. Das geringe Gewicht dieser Aufkl\u00e4rungsfahrzeuge wird es erm\u00f6glichen, sie auf sehr hohe Geschwindigkeiten zu beschleunigen und auf diese Weise einen gef\u00e4hrlichen Himmelsk\u00f6rper schneller zu erreichen als mit einer schweren Abfangrakete. W\u00e4hrend des Fluges zum Objekt stellen sie dessen Eigenschaften fest und \u00fcbermitteln diese Daten an die Bodenstation, um den Abfangplan und seine Wirkung auf den gef\u00e4hrlichen Himmelsk\u00f6rper zu verfeinern. Danach werden die n\u00f6tigen Anweisungen an das Abfangvehikel \u00fcbermittelt, das dann n\u00e4her an das Objekt man\u00f6vriert wird, um auf es einzuwirken und es aus seiner auf die Erde gerichtete Flugbahn abzulenken oder zu zerst\u00f6ren. Dabei wird man einen kinetischen Aufschlag oder auch eine Kernexplosion gegen das gef\u00e4hrliche Objekt einsetzen.<\/p>\n<p>Es wird empfohlen, die operationelle Reaktions-Staffel\u00a0<i>Zitadelle-1\u00a0<\/i>zur Grundlage des Planetenschutzsystems zu machen, als Schutz vor Objekten mit weniger als 100 m Durchmessern &#8211; dem Typ, der am h\u00e4ufigsten mit der Erde kollidiert. Aufgrund ihrer geringen Gr\u00f6\u00dfe wird deren Entdeckung m\u00f6glicherweise erst Monate oder Tage vor der Kollision erfolgen. Das bedeutet einen sehr engen Zeitrahmen, um die Abfangvehikel und vor allem deren Tr\u00e4gersysteme startklar zu machen. Derzeit wird diese Anforderung von der russisch-ukrainischen Tr\u00e4gerrakete\u00a0<i>Dnepr\u00a0<\/i>(einer umgebauten Version der Interkontinentalrakete RS-20, die von der NATO als SS-18 bezeichnet wird) und der Startrakete\u00a0<i>Zenit\u00a0<\/i>erf\u00fcllt. Die kurze Vorbereitungszeit f\u00fcr einen Start &#8211; bei\u00a0<i>Dnepr\u00a0<\/i>nur wenige Minuten, bei\u00a0<i>Zenit\u00a0<\/i>anderthalb Stunden &#8211; macht sie zu den einzigen Fahrzeugen weltweit, die in der operationellen Reaktions-Staffel einsetzbar sind.<\/p>\n<p>Diese Tr\u00e4gerraketen haben eine recht gro\u00dfe Traglast: Wenn eine Abfangrakete mit\u00a0<i>Zenit\u00a0<\/i>gestartet wird, kann die Masse eines nuklearen Sprengkopfs, der zum Asteroiden gebracht wird, etwa 1500 kg betragen. Die Sprengkraft eines solchen nuklearen Sprengkopfs l\u00e4ge nicht unter 1,5 Megatonnen, womit ein Steinasteroid mit einem Durchmesser von mehreren hundert Metern zerst\u00f6rt werden kann. Wenn mehrere davon in einer Erdumlaufbahn stationiert werden, dann l\u00e4\u00dft sich die Kraft des nuklearen Sprengkopfs und damit die Gr\u00f6\u00dfe des zu zerst\u00f6renden Objektes noch deutlich steigern.<\/p>\n<p>Anf\u00e4nglich ging man davon aus, da\u00df Fahrzeuge wie die Sonden\u00a0<i>Mars-96\u00a0<\/i>oder\u00a0<i>Phobos-Grunt<\/i>, die bei Lawotschkin entwickelt wurden, als Standardfahrzeuge f\u00fcr Aufkl\u00e4rungssatelliten und Abfangraketen dienen k\u00f6nnten. Aber aufgrund der zahlreichen Fehlschl\u00e4ge, von denen die Lawotschkin-Vehikel betroffen waren, ist die Wahrscheinlichkeit, da\u00df die russische Weltraumindustrie das System\u00a0<i>Zitadelle\u00a0<\/i>allein bauen wird, deutlich gesunken. Die beste Option w\u00e4ren vermutlich kombinierte Missionen, in denen Ru\u00dfland die Tr\u00e4gerrakete liefert und das eigentliche Raumfahrzeug von der NASA und der ESA gebaut wird.<\/p>\n<p>Das Abfangen gro\u00dfer Asteroiden und Kometen in gro\u00dfer Entfernung von der Erde wird die Schaffung einer langfristigen Reaktionsstaffel erfordern, dessen Arbeitsweise mit der operationellen Reaktionsstaffel vergleichbar ist. Es wird aber auch wichtige Unterschiede geben. Insbesondere werden diese Abfangmittel die gef\u00e4hrlichen Weltraumobjekte in der Regel nicht zerst\u00f6ren, sondern aus ihrem Kollisionskurs mit der Erde weglenken. Deshalb k\u00f6nnte man, je nach den Eigenschaften des gef\u00e4hrlichen Himmelsk\u00f6rpers, seiner Bahn und der zur Verf\u00fcgung stehenden Zeit zur Ablenkung nicht nur nukleare Sprengk\u00f6pfe, sondern auch andere einsetzen &#8211; kinetische (\u201eGottespfeile\u201c), reaktive, \u201eWeltraum-Billard\u201c, etc.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr werden wir gro\u00dfe Nutzlasten verschiedener Art ben\u00f6tigen, um die schweren Abfangsatelliten im Weltraum mit mehrstufigem Antrieb zusammenzubauen. F\u00fcr die Abwehr kosmischer Bedrohungen werden wir also Ressourcen der ganzen Welt ben\u00f6tigen, insbesondere aus den L\u00e4ndern, die \u00fcber Weltraum- und Nuklearkapazit\u00e4ten verf\u00fcgen (Ru\u00dfland, USA, Westeuropa, China, Japan, Indien). Es mu\u00df offensichtlich einen st\u00e4ndigen Zyklus von Projektentwicklungs- und anderen Arbeiten geben. Das k\u00f6nne nach dem Prinzip der \u201egr\u00fcnen Welle\u201c geschehen, wo die Resultate, die beispielsweise in Europa eingeleitet werden, in den Amerikas (nach ihrer \u00dcbertragung durch Computernetzwerke) fortgef\u00fchrt werden, gefolgt von Asien etc. Damit diese Arbeiten schnell organisiert werden k\u00f6nnen, mu\u00df die Menschheit nat\u00fcrlich im Voraus eine Art Mobilisierungsplan f\u00fcr die Verteidigung der Erde ausarbeiten f\u00fcr den Fall, da\u00df eine solche bedrohliche Lage entsteht.<\/p>\n<p>Aber nur eine Grundlage an Ressourcen, Wissenschaft und Technik allein wird noch nicht den Erfolg im Kampf gegen Bedrohungen aus dem Weltraum sicherstellen, wenn wir nicht auch eine planetenweite Strategie f\u00fcr indirekte Ma\u00dfnahmen zur Vermeidung solcher Bedrohungen entwickeln und umsetzen. Das verlagert das Problem der Verteidigung gegen die Bedrohung durch Asteroiden und Kometen aus dem rein wissenschaftlichen in den politischen Bereich. Wir m\u00fcssen eine wirksame Strategie zur systemischen Vermeidung\/Ablenkung von Bedrohungen f\u00fcr die gesamte Existenz der Zivilisation auf der Erde entwickeln. Sonst wird die Menschheit weiter russisches Roulette mit dem Kosmos spielen, und in diesem Spiel kann man, wie wir wissen, nicht jedesmal gewinnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kyrill Benediktow ist Autor und Mitglied der Redaktionsleitung der Internetseite \u201eTerra America\u201c. F\u00fcr die Konferenz des Schiller-Instituts am 13.-14. verfa\u00dfte er das folgende Papier, das aus Zeitgr\u00fcnden nur gek\u00fcrzt vorgetragen werden konnte. Es ist hier erg\u00e4nzt durch die Bemerkungen, mit denen er seinen Vortrag einleitete (Original Russisch). 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