{"id":30846,"date":"2015-06-27T13:42:05","date_gmt":"2015-06-27T11:42:05","guid":{"rendered":"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/media\/acheikh-ibn-oumar-le-lac-tchad-un-grand-projet-pour-les-brics-2\/"},"modified":"2015-07-03T12:52:11","modified_gmt":"2015-07-03T10:52:11","slug":"acheikh-ibn-oumar-le-lac-tchad-un-grand-projet-pour-les-brics","status":"publish","type":"portfolio_cpt","link":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/portfolio\/acheikh-ibn-oumar-le-lac-tchad-un-grand-projet-pour-les-brics\/","title":{"rendered":"Acheikh Ibn-Oumar : Die Wiederauff\u00fcllung des Tschadsees: ein Gro\u00dfprojekt f\u00fcr die BRICS"},"content":{"rendered":"<h2>Acheikh Ibn-Oumar<\/h2>\n<p><em>ehem. Au\u00dfenminister des Tschad, Reims\/Frankreich<\/em><\/p>\n<hr class=\"shortcode-hr\">\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/d2hcLkf5Q-k\" width=\"1280\" height=\"720\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Februar veranstaltete das Schiller-Institut eine Konferenz zum Thema \u201eMit den BRICS f\u00fcr ein Win-Win-System\u201c. Bei dieser Gelegenheit hielt ich einen Vortrag \u00fcber ein wichtiges Entwicklungsprojekt, das darin besteht, den Tschadsee wieder aufzuf\u00fcllen, indem man Wasser aus dem Becken des Kongoflusses umleitet.<\/p>\n<p>Heute m\u00f6chte ich dieses Projekt nicht noch einmal im Detail beschreiben, sondern nur eine kurze Zusammenfassung geben und anschlie\u00dfend einige Kontroversen und Herausforderungen im Zusammenhang mit diesem Projekt behandeln, welche faktisch allen gro\u00dfen Infrastrukturprojekten eigen sind.<\/p>\n<h3>Kurze Einf\u00fchrung in das Projekt zur Wiederherstellung des Tschadsees<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.institutschiller.org\/local\/cache-vignettes\/L680xH610\/transaqua-4-5d60d.jpg\" alt=\"\" width=\"680\" height=\"610\" \/><\/p>\n<p>Der Tschadsee war einer der gr\u00f6\u00dften der Welt, mit einem Einzugsbereich von 2.382.631 km<sup>2 <\/sup>und einem aktiven Becken von 966.955 km<sup>2<\/sup>. Die Anliegerstaaten sind Kamerun, Tschad, Niger, Nigeria, im Becken liegen au\u00dferdem Libyen, die Zentralafrikanische Republik, der Sudan und Algerien. Die Kommission f\u00fcr das Tschadsee-Becken (frz. Akronym CBLT) wurde 1964 gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Aber der Tschadsee ist bedroht. Seine Fl\u00e4che ist in 50 Jahren auf ein Dreizehntel geschrumpft, von 26.000 km<sup>2 <\/sup>auf 2000 km<sup>2<\/sup> heute. Das Austrocknen des Tschadsees hat vielfache Konsequenzen f\u00fcr die Natur und die Menschen, in einem allgemeinen Kontext des Vordringens der W\u00fcsten und der Erw\u00e4rmung des Klimas.<\/p>\n<p>Anfang der 80er Jahre hob ein italienischer Ingenieur, Marcello Vichi, eine Idee aus der Taufe, die darin besteht, Wasser aus dem Becken des Kongo umzuleiten, um den Tschadsee neu zu beleben. Das ist ein gewaltiges Projekt &#8211; es nennt sich Transaqua -, aber es br\u00e4chte den L\u00e4ndern der Region gro\u00dfen Nutzen. Jahrzehntelang stand bei der Mittelbeschaffung f\u00fcr das Vorhaben nicht die Finanzierung des eigentlichen Projekts im Mittelpunkt, sondern nur die Finanzierung der Machbarkeitsstudien, die 2009 endlich begannen.<\/p>\n<p>Bei der vorherigen Konferenz hatte ich vorgeschlagen, da\u00df die BRICS eine F\u00fchrungsrolle bei der F\u00f6rderung und Finanzierung des Projektes \u00fcbernehmen. Denn wenn man beim derzeitigen System der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklungshilfe bleibt, dann w\u00e4re es unm\u00f6glich, es zu verwirklichen.<\/p>\n<h3>Einw\u00e4nde und offene Fragen im Zusammenhang mit dem Projekt<\/h3>\n<p>Gegen die Vorz\u00fcge dieses Projektes werden verschiedene Einw\u00e4nde vorgebracht:<\/p>\n<p><i>Wissenschaftlicher Einwand:<\/i> Einige Experten bestreiten, da\u00df der Tschadsee tats\u00e4chlich austrocknet, sondern sind vielmehr \u00fcberzeugt, da\u00df das Schrumpfen des Sees ein wiederkehrendes Ph\u00e4nomen ist, das mit Phasen der Ausdehnung abwechselt. Andere bestreiten es nicht direkt, bezweifeln jedoch, da\u00df es eine Folge der globalen Erw\u00e4rmung ist.<\/p>\n<p><i>Umwelt-Einwand:<\/i> Die deutliche Steigerung der Wasserf\u00fchrung der Zufl\u00fcsse [durch das Transaquaprojekt]- vor allem des Tschari- und des Logone-Flusses &#8211; und der Gr\u00f6\u00dfe und Tiefe des Sees werde negative Auswirkungen auf die Fauna, Flora und die B\u00f6den haben, und auch auf die Arbeitsbedingungen der Bauern und Hirten, die sich an die zunehmende Wasserknappheit angepa\u00dft haben.<\/p>\n<p><i>Wirtschaftlicher Einwand:<\/i> Ein weiterer Einwand lautet, da\u00df das Projekt zu teuer oder nicht kostendeckend w\u00e4re. Dieser Einwand wird faktisch gegen alle gro\u00dfen Entwicklungsvorhaben vorgebracht. Afrika habe bereits den Fehler der \u201ewei\u00dfen Elefanten\u201c [nutzlose Prestigeprojekte] gemacht und sollte daher nun nicht auch noch einen weiteren Fehler &#8211; diesmal einen \u201egr\u00fcnen Elefanten\u201c &#8211; machen. Dieser Sichtweise zufolge sollte man sich lieber auf Projekte im kleinen Ma\u00dfstab konzentrieren, als Erg\u00e4nzung der vorhanden Formen der Landwirtschaft und Tierhaltung, die an diese trockene Umwelt gut angepa\u00dft sind. Faktisch wird damit wieder die gro\u00dfe Debatte \u00fcber die sozio\u00f6konomischen Entwicklungsmodelle er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p><i>Der Einwand der Regierungsf\u00fchrung:<\/i> Die betreffenden Regierungen leiden unter technischen, institutionellen und menschlichen Schw\u00e4chen &#8211; Mi\u00dfmanagement und Korruption veranschaulichen das &#8211; und sind nicht f\u00e4hig, derart gro\u00dfe Projekte zu handhaben.<\/p>\n<h3>Antworten<\/h3>\n<p>Erw\u00e4gen wir diese Einw\u00e4nde:<\/p>\n<p><i>Der wissenschaftliche Einwand:<\/i> Dazu m\u00f6chte ich, wenn Sie gestatten, eine Parallele zu einer andere Situation ziehen. Als AIDS ausbrach, behaupteten einige, diese Krankheit sei keines nat\u00fcrlichen Ursprungs, sondern durch Manipulation in Laboratorien entstanden. Aber wenn man einmal annimmt, diese Hypothese sei richtig, d.h. AIDS sei tats\u00e4chlich k\u00fcnstlich vom Menschen in die Welt gesetzt worden &#8211; w\u00e4re der Schaden ein anderer gewesen oder h\u00e4tte das an der Notwendigkeit wirksamer Gegenmittel irgendetwas ge\u00e4ndert?<\/p>\n<p>\u00c4hnlich ist es bei den verschiedenen Theorien \u00fcber das Austrocknen des Tschadsees &#8211; seien sie verbunden mit den Aktivit\u00e4ten des Menschen (globale Erw\u00e4rmung) oder mit rein nat\u00fcrlichen Ursachen (zyklischen oder anderen) -, die Konsequenzen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung sind dieselben und die Notwendigkeit, wirksam zu reagieren, bleibt dieselbe.<\/p>\n<p><i>Wirtschaftlicher Einwand:<\/i> Herr Vichi hat einmal erw\u00e4hnt, da\u00df einige Stellen die direkten Kosten der gewaltsamen Konflikte in Afrika auf mehr als 20 Mrd. Dollar im Jahr sch\u00e4tzen (die indirekten Kosten nicht mitgerechnet), und wenn man nur 10% dieser Summe j\u00e4hrlich f\u00fcr das Transaqua-Projekt einsetzen w\u00fcrde, dann w\u00e4re das meiste schon getan. Ohnehin lassen sich die Kosten nicht n\u00e4her bestimmen, bis die Machbarkeitsstudien fertig sind. Dar\u00fcber hinaus handelt es sich um ein Projekt mit vielen Aspekten, Abschnitten und Phasen. Beim Tempo der Umsetzung der verschiedenen Aspekte mu\u00df man notwendigerweise alle Beschr\u00e4nkungen ber\u00fccksichtigen, insbesondere die Verf\u00fcgbarkeit von Geld.<\/p>\n<p>Die Einw\u00e4nde, die berechtigt zu sein scheinen und mit denen man sich ernsthaft befassen mu\u00df, sind diejenigen im Zusammenhang mit den F\u00e4higkeiten der Staaten (d.h., schlechten Regierungen) und mit den Folgen f\u00fcr die betroffenen Gesellschaften und f\u00fcr die Umwelt.<\/p>\n<h3>Der Kontext<\/h3>\n<p><i>Der allgemeine Kontext<\/i>: Die betroffenen Staaten liegen in der Sahelzone der Sahara; diese zeichnet sich im Inneren aus durch Nahrungsmittelunsicherheit, Sicherheitsbedrohungen, lokale Konflikte und schwache Institutionen, nach au\u00dfen hin durch die Abh\u00e4ngigkeit von Rohstoffexporten und Entwicklungshilfe, inzwischen kommt noch die Abh\u00e4ngigkeit vom milit\u00e4rischen Schutz Frankreichs und Amerikas hinzu, und das etwa ein halbes Jahrhundert nach der Erlangung der Unabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p>Eine der Konsequenzen ist die fehlende Aussicht auf Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr junge Menschen, was diese in die Arme von extremistischen Gruppen und Menschenh\u00e4ndler-Netzwerken treibt. Ein eindringliches Abbild davon sehen wir in den N\u00f6ten der Migranten im Mittelmeer. Die heutige Herausforderung f\u00fcr Afrika, aber auch f\u00fcr die Menschheit, ist es, diese L\u00e4nder aus dem Kreislauf von Armut, Abh\u00e4ngigkeit und Gewalt zu befreien.<\/p>\n<p>Seit der Unabh\u00e4ngigkeit in den 60er Jahren dient insbesondere Schwarzafrika als ein Laboratorium f\u00fcr Theorien und Strategien in Bezug auf wirtschaftliche Entwicklung und politische Liberalisierung, doch das Schicksal der Bev\u00f6lkerung hat sich nicht grundlegend verbessert. Innerhalb und au\u00dferhalb Afrikas sind unz\u00e4hlige Schriften mit den Fakten erschienen.<\/p>\n<p>Man sollte darauf hinweisen, da\u00df um die Jahrhundertwende gewisse Bem\u00fchungen um einen neuen Ansatz unternommen wurden, beispielsweise NEPAD (Neue Wirtschaftliche Partnerschaft f\u00fcr Afrikas Entwicklung) und der Vorschlag f\u00fcr einen Marshallplan f\u00fcr Afrika. Dies spiegelt ein beginnendes Bewu\u00dftsein wider, da\u00df starke neue Initiativen auf der Grundlage tiefgreifenden kritischen Denkens und einer breiteren Sicht der Probleme notwendig sind. Dennoch reicht es nicht, weil wir immer noch Gefangene desselben alten Paradigmas sind; man konzentriert sich nur darauf, die Entwicklungshilfe neu zu \u00fcberdenken, w\u00e4hrend die eigentliche Frage unserer Zeit, wie es so sch\u00f6n im Titel dieser Konferenz zusammengefa\u00dft ist, die ist, wie man \u201edie Welt aufbaut\u201c!<\/p>\n<p>Hilfe von au\u00dfen in ihrer herk\u00f6mmlichen Form ist nicht immer nutzlos, besonders in Notlagen und humanit\u00e4ren Krisen und als Reaktion auf kritische lebensnotwendige Bed\u00fcrfnisse. So haben beispielsweise das Bohren von Brunnen zum Wohl der nomadischen Bev\u00f6lkerung und Impfkampagnen eine n\u00fctzliche Rolle gespielt.<\/p>\n<p>Aber mit der Finanzkrise in den gro\u00dfen entwickelten L\u00e4ndern seit 2008 und ihren bleibenden Folgen ist es unrealistisch, jene Form der Hilfe zu erwarten, die f\u00fcr die Umsetzung gro\u00dfer Infrastrukturprogramme in Afrika notwendig ist. Der einzige gangbare Weg ist der, aus dem Paradigma der Hilfe auszubrechen. In dieser Hinsicht ist die Perspektive des \u201eWin-Win\u201c-Ansatzes, f\u00fcr den die BRICS eintreten, h\u00f6chst relevant.<\/p>\n<p>Dort wird von Gleichrangigkeit der Partner ausgegangen, und zwar nicht nur Gleichrangigkeit in Bezug auf den zu erwartenden Nutzen, sondern auch in Bezug auf die Verantwortung. Im traditionellen Hilfeschema m\u00fcssen die Empf\u00e4ngerl\u00e4nder nicht auf Augenh\u00f6he mit den Geberl\u00e4ndern stehen; tats\u00e4chlich ist die Hilfe von der Grundidee her ungleich, weil ein st\u00e4rkerer und einen schw\u00e4cherer Partner vorausgesetzt werden. Dies geht so weit, da\u00df die Geberl\u00e4nder die Politik und die Programme f\u00fcr uns formulieren, ja sogar andere f\u00fcr uns denken.<\/p>\n<p>Dagegen werden mit der Gleichrangigkeit der Verantwortung im \u201eWin-Win\u201c-Ansatz die schw\u00e4cheren Partner ermutigt, eigene Anstrengungen zu unternehmen: sich besser zu organisieren, die eigenen Kapazit\u00e4ten zu st\u00e4rken, f\u00fcr einen st\u00e4rkeren Zusammenhalt der Gesellschaft zu arbeiten, etc.<\/p>\n<p>Deshalb sollten die V\u00f6lker in diesem wichtigen Teil der Sahelzone aus dem Bereich des Tschadsees mobilisiert werden und Verantwortung f\u00fcr dieses Gro\u00dfprojekt \u00fcbernehmen. Es geht nicht nur darum, ein wichtiges Naturerbe zu erhalten oder die globale Erw\u00e4rmung zu bek\u00e4mpfen (das sind \u00fcbrigens die Hauptargumente, die bisher von den Bef\u00fcrwortern des Projektes vorgebracht werden). Es geht darum, ein m\u00e4chtiges wirtschaftliches Instrument zu schaffen, das die produktiven Kr\u00e4fte der Menschen und der Natur entfesselt, die lokalen wirtschaftlichen Strukturen modernisiert, die regionale Integration und die internationale Zusammenarbeit auf einer radikal neuen Grundlage st\u00e4rkt und dadurch zum Weltfrieden beitr\u00e4gt, und wie es im Titel unserer Konferenz gesagt wird &#8211; und dies ist mein Schlu\u00dfwort &#8211; dazu beitr\u00e4gt, \u201edie Welt wieder aufzubauen\u201c!<\/p>\n<p>Ich danken Ihnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Acheikh Ibn-Oumar ehem. 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