{"id":30597,"date":"2015-06-19T17:21:49","date_gmt":"2015-06-19T15:21:49","guid":{"rendered":"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/media\/jean-francois-di-meglio-internationalisation-du-yuan-perspectives-et-realites-2\/"},"modified":"2015-06-29T20:40:15","modified_gmt":"2015-06-29T18:40:15","slug":"jean-francois-di-meglio-internationalisation-du-yuan-perspectives-et-realites","status":"publish","type":"portfolio_cpt","link":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/portfolio\/jean-francois-di-meglio-internationalisation-du-yuan-perspectives-et-realites\/","title":{"rendered":"Jean-Fran\u00e7ois Di Meglio : Die Internationalisierung des Yuan &#8211; Perspektiven und Realit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<h2>Jean-Fran\u00e7ois Di Meglio<\/h2>\n<p><em>Pr\u00e4sident des ASIA Centre, Paris.<\/em><\/p>\n<p><hr class=\"shortcode-hr\"><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"1280\" height=\"720\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/iLws7-anPhM\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Frage, die das Publikum noch vor wenigen Jahren, selbst wenn es mit der chinesischen Wirtschaft vertraut war, meist mit tiefem Schweigen beantwortete, war diese: \u201eWas leiht sich China in gro\u00dfen Mengen vom Ausland?\u201c Da China die gr\u00f6\u00dfte Exportnation der Welt ist und eine wesentliche Rolle im Welthandel spielt, lautete die beste Antwort gew\u00f6hnlich \u201eRohstoffe\u201c (die es aber nicht leiht, sondern kauft) oder \u201eEmissionsrechte\u201c. Aber die richtige Antwort wu\u00dfte kaum jemand: \u201eChina leiht sich im Ausland seine Zahlungsmittel.\u201c<\/p>\n<h3>1. Die Pr\u00e4missen des chinesischen W\u00e4hrungskonzepts<\/h3>\n<p>Tats\u00e4chlich hat China in seiner entschlossenen Modernisierungskampagne der letzten 30 Jahre \u201e\u00fcber alles nachgedacht\u201c, aber es hat sich nicht notwendigerweise \u201eum alles gek\u00fcmmert\u201c. Lange Zeit hat China es vernachl\u00e4ssigt, den schwierigsten Teil seines volkswirtschaftlichen Prozesses zur\u00fcckzugewinnen, n\u00e4mlich seine W\u00e4hrungsunabh\u00e4ngigkeit. Aber Mangel an Unabh\u00e4ngigkeit bedeutet nicht Mangel an Autonomie. Aus Gr\u00fcnden, die ich hier darlegen will, hat sich China im W\u00e4hrungsbereich faktisch wie ein \u201eautonomer Satellit\u201c verhalten, w\u00e4hrend es sich nachdr\u00fccklich vom Rest der Welt absetzte, indem es sein Finanzsystem gegen die Schocks aus der Au\u00dfenwelt isolierte. Aber die \u00c4ra, in der diese Haltung ihren Zweck erf\u00fcllen kann, kommt nun an ihr Ende.<\/p>\n<p>Das Trauma der chinesischen Geschichte ist in seiner eigenen Darstellung &#8211; \u201e<i>narrative<\/i>\u201c, wie man im Amerikanischen sagt &#8211; recht einfach: \u201eChina war eine wichtige Weltmacht und verlor diese Position wegen der Inkompetenz seines politischen Systems und wegen der Mi\u00dfbr\u00e4uche, denen es durch Ausl\u00e4nder ausgesetzt war.\u201c<\/p>\n<p>Ursprung dieses Traumas war eine schlechte W\u00e4hrungspolitik, und das hat das Bewu\u00dftsein der Bev\u00f6lkerung und ihrer Politiker sehr stark gepr\u00e4gt. Tats\u00e4chlich war das letzte Regime, das auf dem Kontinent entmachtet wurde, das von Tschiang Kai-schek, der aus wirtschaftlichen und monet\u00e4ren Gr\u00fcnden &#8211; eine galoppierende Inflation und fieberhafte Abwertungen der W\u00e4hrung &#8211; zum R\u00fcckzug gezwungen war.<\/p>\n<p>Man mu\u00df auch anmerken, da\u00df die j\u00fcngste Ver\u00e4nderung in den langen Perioden der chinesischen Geschichte (der Geschichte des chinesischen Einflusses in der Welt) durch das monometallische Geldsystem verursacht wurde, das im 19. Jahrhundert eingef\u00fchrt worden war. Indem es sein W\u00e4hrungssystem ausschlie\u00dflich auf Silber st\u00fctzte, wurde China &#8211; wie viele andere L\u00e4nder, die die gleiche Entscheidung trafen &#8211; vom Wertverlust gegen\u00fcber dem Gold hart getroffen, aus Gr\u00fcnden, die im wesentlichen au\u00dferhalb der chinesischen Volkswirtschaft lagen.<\/p>\n<p>Das andere Trauma, das sich tief in den chinesischen Geist eingepr\u00e4gt hat, auch wenn es nur teilweise \u00fcbertragbar ist, ist schlie\u00dflich die \u201eoffizielle\u201c Interpretation des Plaza-Abkommens von 1985 und die zunehmende internationale Verwendung des Yen.<\/p>\n<p>In den Augen der chinesischen Analysten wurde Japan, das sich der internationalen Verwendung des Yen mit aller Kraft widersetzt und an seiner Souver\u00e4nit\u00e4t festgehalten hatte, teilweise seiner W\u00e4hrung beraubt und einem von den Vereinigten Staaten beherrschten System unterworfen; es zwang Japan, seinen Kapitalmarkt zu \u00f6ffnen und im Au\u00dfenhandel einschlie\u00dflich der Investitionen seine W\u00e4hrung zu verwenden, und dies f\u00fchrte zu einer \u201escheinbaren\u201c (oder realen) \u00dcberbewertung der japanischen W\u00e4hrung, was eine erstaunliche Aufwertung des Yen bewirkte, dessen Wert gegen\u00fcber dem Dollar in weniger als einem Jahr auf das Doppelte anstieg.<\/p>\n<p>Die chinesische Lesart dieser Ereignisse sieht in der japanischen Rezession eine Folge dieses Ph\u00e4nomens. F\u00fcr China m\u00fcssen heute die mit gro\u00dfer M\u00fche in den letzten 30 Jahren erworbenen Fortschritte gegen\u00fcber dem Weltsystem verteidigt werden, indem man sich jeglichen ausl\u00e4ndischen Angriffen widersetzt.<\/p>\n<p>Trotzdem entwickelt sich die chinesische Abh\u00e4ngigkeit vom Dollar in den letzten Jahren genau in die entgegengesetzte Richtung dieser Furcht. Um die Abh\u00e4ngigkeit vom Dollar zu beenden, mu\u00df ein ausgereiftes Finanzsystem aufgebaut werden, mit einem unbehinderten Markt und einer Wirtschaft, die gegen\u00fcber dem Bankensystem nicht anf\u00e4llig ist. China hat bisher noch keine angemessenen Finanzinstrumente entwickelt. Es hat lediglich seine Aktienm\u00e4rkte im \u201eliberalen\u201c Stil modernisiert und unmittelbare Finanzierungssysteme (Zinsm\u00e4rkte) organisiert, indem es eine Ertragskurve entwickelte, indem es Anleihem\u00e4rkte er\u00f6ffnete, etc. Aber es ist noch ein weiter Weg.<\/p>\n<p>Das Ausma\u00df der notwendigen Anstrengungen, um die Wirtschaft, die Preise, die internationalen Handelsb\u00f6rsen zu reformieren, sowie &#8211; auch das mu\u00df gesagt werden &#8211; die Bequemlichkeit der Nutzung des Dollars als einer liquiden und anerkannten W\u00e4hrung, all das schob die Idee einer Reform des globalen Finanzsystems auf lange Zeit hinaus.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re jedoch falsch anzunehmen, diese Verz\u00f6gerung bedeute, da\u00df China, das stets auf lange Sicht handelt, eine stark und tief verwurzelte Idee aufgegeben h\u00e4tte, n\u00e4mlich da\u00df man das System ver\u00e4ndern mu\u00df.<\/p>\n<p>Die Finanzkrise 2008-09 hat das Bewu\u00dftsein gest\u00e4rkt, da\u00df etwas getan werden mu\u00df, um das System zu \u00e4ndern. In den ersten Wellen der Krise 2007-08 und bei den ersten G-20-Treffen war China \u00fcberzeugt, es sei an der Zeit, in ausl\u00e4ndische Finanzsysteme zu investieren, etwa durch \u00dcbernahme eines Anteils an der Royal Bank of Scotland, was sich f\u00fcr China als ein Desaster erwies.<\/p>\n<p>Die Lehre, die China hieraus gezogen hat, ist die, da\u00df es dabei riskierte, gegen seinen Willen in ein Spiel hineingezogen zu werden, das es immer tiefer in ein krankes System verstricken w\u00fcrde. Der Wendepunkt war der 15. September 2008, als Fannie Mae und Freddie Mac nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers zahlungsunf\u00e4hig wurden. Offiziell bot China seine Unterst\u00fctzung und verpflichtete sich, ein ma\u00dfgeblicher Investor zu bleiben, aber in der Praxis begann es, seine Werte abzuziehen. Diese Ver\u00e4nderung wird nun umgesetzt durch den Abbau seiner in Dollar ausgewiesenen Besitzwerte &#8211; eine Diversifizierung gerade in einem Moment, wo die g\u00fcnstigste Abwicklung durch \u201eg\u00fcnstigen\u201c Kauf von W\u00e4hrungen m\u00f6glich ist, weil ihr Kurs gegen\u00fcber den Dollar niedrig ist -; und die chinesische Zentralbank hat ihre Devisenbest\u00e4nde nicht weiter aufgestockt. All dies geschah schlie\u00dflich 2014.<\/p>\n<h3>2. Die j\u00fcngere Geschichte der W\u00e4hrungspolitik<\/h3>\n<p>Chinas W\u00e4hrungspolitik blieb zwischen 1992 und 2005 in gewisser Hinsicht unver\u00e4ndert, insbesondere was den Wechselkurs angeht, der bis Juli 2005, als der Spielraum f\u00fcr die t\u00e4glichen Fluktuationen erstmals erweitert wurde, auf 8,18 Renminbi gegen\u00fcber dem Dollar beschr\u00e4nkt war. Diese Entscheidung erlaubte den Beginn einer Aufwertung der chinesischen W\u00e4hrung gegen\u00fcber dem Dollar.<\/p>\n<p>Diese Entscheidung setzte einen langsamen Proze\u00df in Gang, dessen Konsequenzen man bereits sp\u00fcren kann, auch wenn die Ziele selbst nach zehn Jahren noch nicht erreicht sind. Aber das zeigt, da\u00df diese Konsequenzen das Resultat wohl\u00fcberlegter Entscheidungen sind. Nach einer Periode der \u201evorsichtigen\u201c Stabilisierung der Zinsen w\u00e4hrend \u201eder Krise\u201c (oder besser gesagt: deren aktiver Phase) nahm China im Sommer 2010 eine weitere Ma\u00dfnahme vor: Es \u00f6ffnete \u00fcber das \u201eFenster\u201c Hongkong teilweise seine Kapitalkonten &#8211; eine Art Zwilling seiner einheimischen W\u00e4hrung. Auf diese Weise schuf China einen \u201eSchatten-Zinsmarkt\u201c.<\/p>\n<p>Es mu\u00df sich noch zeigen, ob diese Erfahrung eine \u201eliberale T\u00e4uschung\u201c war, eine Erfahrung, die man fallen lassen wird, wenn sich die Resultate als unbefriedigend erweisen, oder ein Element einer vielseitigen Palette. In jedem Fall war es die \u201eliberalste\u201c Fassade aller chinesischen Entwicklungen.<\/p>\n<p>Zwei weitere politische Orientierungen wurden aktiviert:<\/p>\n<p>&#8211; Die erste beruht zum Teil auf der Entscheidung vom Sommer 2010, den Handel mit Yuan auf dem Hongkonger Markt teilweise zu liberalisieren, und das war die Ausweitung der Verwendung des Yuan auf internationale Handelsabkommen (bilaterale und internationale, f\u00fcr chinesische Exporte wie auch Importe, Rohstoffe ausgenommen). Heute wird der Yuan, der von zahlreichen Swap-Vereinbarungen mit mehr als 20 L\u00e4ndern, darunter gro\u00dfe M\u00e4chte, profitiert, bei etwa 5% des Welthandels verwendet und steht damit an f\u00fcnfter Stelle &#8211; zugegebenerma\u00dfen weit hinter dem US-Dollar (der etwa 40% des Welthandels darstellt) und sogar noch hinter dem Euro (10%).<\/p>\n<p>&#8211; Zweitens der Versuch, L\u00e4nder, die nahestehend, freundlich gesinnt und \u00e4hnlich sind, wie beispielsweise die BRICS, zusammenzuf\u00fchren zu einem System gegenseitiger Unterst\u00fctzung und letztendlich Teilung der Risiken durch die Gr\u00fcndung einer \u201eBRICS-Bank\u201c, die 2011 beim Durban-Gipfel ins Auge gefa\u00dft wurde. Das soll erlauben, \u201eunter Freunden\u201c die Turbulenzen zu reduzieren, der Krise zuvorzukommen und sie zu vermeiden, u.a. durch die Schaffung eines parallelen W\u00e4hrungssystems.<\/p>\n<p>Beide Versuche hatten eine begrenzte Wirkung, ohne da\u00df dies Chinas Theorie und Handeln in Frage gestellt h\u00e4tte.<\/p>\n<h3>3. Die Debatte mit der westlichen Welt<\/h3>\n<p>Die wichtigste Debatte in den westlichen Weltkonzernen neben dem Schattentheater um die \u201eParit\u00e4t\u201c (in Wirklichkeit ein Scheinthema, dessen Beschr\u00e4nktheit sogar amerikanische Finanzakteure eingestehen) ist, in welchem Ausma\u00df China zu Engagement und Verantwortung bereit ist. Chinas Position ist vernehmlich, auch wenn sie faktisch nicht ausgesprochen wird: Die Entwicklung der Wirtschaft hat Vorrang. Keine \u201eglobale\u201c Verantwortung darf dieser Bedingung im Wege stehen. China hat auf die weltweiten Konsequenzen seiner Position hingewiesen: Eine Abschw\u00e4chung Chinas w\u00fcrde zum Niedergang der Weltwirtschaft f\u00fchren, die mit seinem Aufstieg zur Macht rechnet.<\/p>\n<p>Meilenweit entfernt von der Scheindebatte um die Wechselkurse und die Aufnahme der chinesischen W\u00e4hrung in die Sonderziehungsrechte des IWF (SDR, derzeit ein Warenkorb von Dollar, Pfund, Euro und Yen) ist die eigentliche Frage f\u00fcr China vielmehr, wie es das globale (IWF-) Finanzsystem in seinem \u201eIstzustand\u201c bewertet, einschlie\u00dflich einer m\u00f6glichen Neupositionierung Chinas als Hauptakteur oder vielleicht auch als \u201eSparringpartner\u201c in einem G-2-Format mit den Vereinigten Staaten.<\/p>\n<p>Die Antwort wird bewu\u00dft unklar gehalten, indem man mit der Perspektive einer Revision des SDR-W\u00e4hrungskorbs 2015 auf Garantien besteht und sich auf den bisherigen Standpunkt des IWF beruft, da\u00df die chinesische W\u00e4hrung tats\u00e4chlich nicht unterbewertet ist.<\/p>\n<p>Eine chinesische Sorge bei tiefergehenden Diskussionen betrifft auch das Inland und ist ein Echo der laufenden Debatte im Westen: Ist die chinesische Finanz- und W\u00e4hrungsreform \u201eglaubw\u00fcrdig\u201c, \u201elebensf\u00e4hig\u201c und erlaubt sie die Schaffung gegenseitigen Vertrauens im wirtschaftlichen Sinne dieses Begriffs?<\/p>\n<p>Betrachtet man die potentielle Kapitalflucht, die sich kaum im Nachhinein durch die Bildung noch gr\u00f6\u00dferer, exportverbundener Devisenreserven kompensieren l\u00e4\u00dft, ist die Antwort nat\u00fcrlich negativ. Vor allem mu\u00df China seinen eigenen Einwohnern neues Vertrauen geben. Seine wirtschaftliche Macht allein reicht nicht aus, weil es schon oft in der chinesischen Geschichte Raub und Auspl\u00fcnderung gab, so da\u00df die \u201eNeureichen\u201c von heute (eine Klasse, der die F\u00fchrer angeh\u00f6ren oder die sie bestens kennen) nicht ohne Furcht sind. So droht erneut eine Pl\u00fcnderung, weil die Schulden des Landes aufgrund einer zeitweiligen Stagnation des Wachstums nicht mehr kompensiert werden. Es kommt zu Insolvenzen, das Bankensystem mu\u00df gesch\u00fctzt werden, und all dies kann nicht in einem v\u00f6llig offenen Markt geschehen, wie er vom Westen gew\u00fcnscht wird.<\/p>\n<h3>4. Chinesische \u201eKreativit\u00e4t\u201c und ihre Folgen<\/h3>\n<p>Chinas Kreativit\u00e4t hat sich besonders 2014 bei der Bew\u00e4ltigung verschiedener Widerspr\u00fcche und Einschr\u00e4nkungen gezeigt:<\/p>\n<p>&#8211; Erstens geht es darum, die Finanzblasen, die durch Schwarzgeld sowie mangels anderer Investitionsalternativen angezogenen Kapitals auf dem Immobilienmarkt entstanden sind, unter Kontrolle zu bringen.<\/p>\n<p>&#8211; Zweitens soll die Geldmenge durch eine vorsichtige Geldpolitik so gesteuert werden, da\u00df eine \u201eharte Landung\u201c vermieden wird.<\/p>\n<p>Aus dieser Sicht wurde die teilweise \u00d6ffnung der Kapitalkonten, die immer \u00f6fter angek\u00fcndigt wird, durch die Erfindung ausgekl\u00fcgelter Mechanismen &#8211; wie etwa dem \u201eD-Zug\u201c [die Verbindung der Aktienm\u00e4rkte Shanghai-Shenzhen mit Hongkong] &#8211; beschleunigt, was schnellere Investitionen auf den Aktienm\u00e4rkten von Shanghai und Shenzhen erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Aber dabei geht es nicht so sehr darum, den internationalen Standards f\u00fcr offene Kapitalkonten zu entsprechen, wie man beim amerikanischen MSCI-Index behauptet, sondern darum, eine Alternative zu den austrocknenden Investitionen von Banken der chinesischen Volkswirtschaft (mehr als 200% des BIP, neben den \u00f6ffentlichen Schulden) zu schaffen. \u201eAusgewichenes\u201c Kapital wieder ins Land zu holen, indem man die Risiken eines m\u00f6glichen Zusammenbruchs des chinesischen Bankensystems durch wirtschaftliche Abschw\u00e4chung deutlich machte, ist das wahre Motiv dieser \u00d6ffnung.<\/p>\n<h3>5. Verlagerungen der internationalen Geopolitik und m\u00f6gliche Folgen f\u00fcr Chinas Machtaufstieg<\/h3>\n<p>China ist zweifellos nicht sehr transparent und will das besonders in so sensitiven Bereichen wie W\u00e4hrungsfragen auch bleiben. Aber zum jetzigen Zeitpunkt h\u00e4lt sich China wahrscheinlich beide Optionen offen: entweder eine zunehmende Integration in das Post-Bretton-Woods-System mit dessen Risiken, die seit langem identifiziert und in der Krise 2008 ausgetestet wurden, oder eine Kooperation mit einem Glacis anderer L\u00e4nder, die von China abh\u00e4ngen, entgegenkommend sind oder die gleiche Ambition haben, ein neues regionales und intraregionales, jedenfalls internationales, aber nicht globales System zu schaffen.<\/p>\n<p>Dieses System k\u00f6nnte sich aus der Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank entwickeln, in deren Mittelpunkt China steht. Oder um die Gasabkommen, die mit China abgeschlossen wurden, letztendlich als erste Schritte zur Abkopplung der Rohstoffm\u00e4rkte von den Dollarm\u00e4rkten.<\/p>\n<p>Hat es soviel Ehrgeiz, wichtig genug zu sein, um eines Tages seine Regeln zu diktieren &#8211; ann\u00e4hernd feste Wechselkurse zwischen den W\u00e4hrungen, eine Indexierung an bestimmte Werte oder Bindung an etwas anderes als den Dollar -, oder ist es blo\u00df gedacht als Schutz gegen\u00fcber einem parallelen System, dem China nicht traut, aber dessen Mechanik es nutzt (insbesondere f\u00fcr Investitionen in Europa)? Dies bleibt eine offene Frage, und die Debatte k\u00f6nnte Elemente einer Antwort bringen.<\/p>\n<p>Doch nachdem das gesagt ist, mu\u00df man auf die gro\u00dfe Begeisterung f\u00fcr Infrastruktur hinweisen, die die Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB) in Europa ausgel\u00f6st hat. China ist interessiert am Technologietransfer in Bezug auf die Finanzierung dieser Projekte, in Bezug auf die Infrastrukturen und \u201eregre\u00dflose Kreditfazilit\u00e4ten\u201c (d.h., da\u00df die Kredite durch die Projekte selbst zur\u00fcckgezahlt werden).<\/p>\n<p>Die AIIB bietet dem Westen einen Hebel, um Zugang zu den relativ verschlossenen chinesischen und asiatischen M\u00e4rkten zu erhalten. Aber nichts schlie\u00dft aus, da\u00df die neugeschaffene AIIB in Zukunft auch in Europa t\u00e4tig wird, wo wegen der Defizite m\u00f6glicherweise ein gro\u00dfer Mangel an \u00f6ffentlichem Kapital f\u00fcr Infrastruktur herrscht. Und wenn diese Investitionen die chinesische, nichtkonvertible W\u00e4hrung aus ihrer relativen Isolation herausf\u00fchren, dann sollte das internationale W\u00e4hrungssystem sich dar\u00fcber freuen, da\u00df ein bisher vom Dollar beherrschtes System st\u00e4rker diversifiziert wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jean-Fran\u00e7ois Di Meglio Pr\u00e4sident des ASIA Centre, Paris. &nbsp; Eine Frage, die das Publikum noch vor wenigen Jahren, selbst wenn es mit der chinesischen Wirtschaft vertraut war, meist mit tiefem Schweigen beantwortete, war diese: \u201eWas leiht sich China in gro\u00dfen Mengen vom Ausland?\u201c Da China die gr\u00f6\u00dfte Exportnation der Welt ist und eine wesentliche Rolle [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"featured_media":29707,"menu_order":13,"template":"","meta":{"footnotes":""},"portfolio_category":[296,285,290,283],"class_list":["post-30597","portfolio_cpt","type-portfolio_cpt","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","portfolio_category-panel-2-fr-3-de","portfolio_category-panel-2-de-3","portfolio_category-paris-2015-de","portfolio_category-paris-konferenz-2015-de"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt\/30597","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt"}],"about":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/portfolio_cpt"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt\/30597\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/29707"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30597"}],"wp:term":[{"taxonomy":"portfolio_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_category?post=30597"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}