{"id":30492,"date":"2015-06-20T15:02:58","date_gmt":"2015-06-20T13:02:58","guid":{"rendered":"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/media\/maelle-mercier-2\/"},"modified":"2015-07-03T17:02:17","modified_gmt":"2015-07-03T15:02:17","slug":"maelle-mercier","status":"publish","type":"portfolio_cpt","link":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/portfolio\/maelle-mercier\/","title":{"rendered":"Ma\u00eblle Mercier &#8211; Jean Jaur\u00e8s: Kunst und Wissenschaft m\u00fcssen die Politik inspirieren"},"content":{"rendered":"<p><div class=\"title-big\"><h2 class=\"title-big-title\">Ma\u00eblle Mercier<\/h2><\/div><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/fRxHbUB3aFU?rel=0&amp;showinfo=0\" width=\"1280\" height=\"720\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Guten Tag. Ich spreche f\u00fcr eine Gruppe junger Aktivisten, die sich im Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen mit [dem franz\u00f6sischen Historiker und Politiker] Jean Jaur\u00e8s besch\u00e4ftigt haben. Wir hatten dabei jenen entscheidenden Moment des 20. Jahrhunderts im Blick, in dem Jaur\u00e8s nicht nur umgebracht wurde, sondern auch die Menschheit in eine neue Barbarei abglitt &#8211; in den Krieg der Sch\u00fctzengr\u00e4ben und Ideologien.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Meine Damen und Herren, warum sind wir hier heute zusammengekommen? Was ist die Grundlage des Bestrebens der BRICS-L\u00e4nder, ein neues Paradigma zu erzeugen und ganz reale Infrastrukturprojekte zu schaffen, die mit atemberaubendem Tempo auf der ganzen Welt entstehen?<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Dahinter steht lediglich eine Idee &#8211; eine sehr kleine Idee, die aber trotz ihrer Winzigkeit Menschen mitrei\u00dft, Berge versetzt und schon bald auch, durch die Neue Seidenstra\u00dfe des Weltraums und das Mondprogramm, das Universum ver\u00e4ndern wird!<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Diese Idee h\u00e4tte jedoch niemals in den pragmatischen \u201eSeelen\u201c oder im \u201erealistischen\u201c Denken unserer westlichen Politiker keimen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Warum? Weil sie vorprogrammiert sind, im Rahmen eines vorgegebenen Systems zu denken, seiner Geopolitik, seinen Schulden, seinen Vertr\u00e4gen und seinen Machtverh\u00e4ltnissen &#8211; wer herrscht und beherrscht wird. Sie urteilen nur nach dem, was sie \u201esehen\u201c, nach dem, was es schon gibt oder schon gegeben hat.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Ohne Phantasie, ohne die Kraft des Geistes, also ohne die F\u00e4higkeit, uns \u00fcber die Gegenwart und \u00fcber die Materie hinwegzusetzen, wird es keine Zukunft geben.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Herausforderung f\u00fcr unsere Zivilisation besteht daher darin, ihr ihr \u201eIdeal\u201c, ihre \u201eUnendlichkeit\u201c zur\u00fcckzugeben. Das ist eine schwierige Aufgabe in dieser materialistischen, gewaltt\u00e4tigen und sexualisierten Gegenkultur, die den Menschen zum Tier reduziert, das nur von seinen Leidenschaften und seinen Sinneswahrnehmungen bestimmt wird; gerade hier in Frankreich, im Land des cartesianischen Zweifels, wo die einzige Alternative zum Bestialischen keineswegs \u201edas Ideal\u201c ist, sondern das Gef\u00e4ngnis der impotenten, abstrakten Mathematik und Analyse &#8211; die Franzosen sind ja bekannt daf\u00fcr, \u00fcber alles zu meckern, alles zu kommentieren, aber nichts zu tun!<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Kurz, um den Menschen ihre ganze Menschlichkeit und die F\u00e4higkeit zur\u00fcckzugeben, die Zukunft zu gestalten, mu\u00df wieder eine Harmonie zwischen Emotionen und Verstand entstehen und die Vorstellungskraft wiederbelebt werden.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Das ist die Rolle der Kunst (von Friedrich Schiller wunderbar dargestellt), der Philosophie und der Wissenschaft (Leibniz), doch l\u00e4\u00dft sich dieses Ziel auch durch die Politik realisieren?<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Ja! Und der Beweis daf\u00fcr ist der philosophische Kampf von Jean Jaur\u00e8s, der von Leibniz und Schiller inspiriert wurde.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Bekannterma\u00dfen wurde Jean Jaur\u00e8s ermordet, weil er versucht hatte, den Ersten Weltkrieg zu verhindern. In diesem Krieg zerst\u00f6rten sich die Gro\u00dfm\u00e4chte selbst, obgleich sie, wie heute, kurz davor standen, eine neue Allianz, ein neues Modell f\u00fcr Frieden und Fortschritt zu bilden, worin das Britische Empire eine Bedrohung f\u00fcr seine Macht sah.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Tats\u00e4chlich hatten Frankreich, Ru\u00dfland und Deutschland, dank einiger ihrer f\u00fchrenden Pers\u00f6nlichkeiten wie Gabriel Hanotaux oder Sergej Witte, durch den Bau der Transsibirischen Eisenbahn und zuvor schon der Berlin-Bagdad-Bahn bereits die Grundlagen der Neuen Seidenstra\u00dfe gelegt.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Aber schon damals t\u00fcrmten sich Sturmwolken am Horizont auf &#8211; erst \u00fcber Frankreich, bevor sie in den 30er Jahren nach Italien und Deutschland weiterzogen. Das waren die gleichen Wolken, von denen Jaur\u00e8s einst sagte: \u201eDer Kapitalismus tr\u00e4gt den Krieg mit sich, wie die Wolken das Gewitter.\u201c<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Im Jahr 1859, als Jaur\u00e8s geboren wurde, erschien das Buch <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>\u00dcber die Entstehung der Arten<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\">. Darin entwickelte der Brite Charles Darwin seine bekannte Evolutionslehre. Aber stellt nicht diese Theorie vom \u00dcberleben des St\u00e4rkeren die perfekte Rechtfertigung des oligarchischen Prinzips sozialer Aussonderung dar, auf das der britische Liberalismus und Malthusianismus so stolz sind?<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Schon kurz zuvor hatte Gobineau, ein Franzose, sein Buch <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>\u00dcber die Ungleichheit der Menschenrassen<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"> ver\u00f6ffentlicht.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Somit kam am Ende des 19. Jahrhundert in verschiedenen intellektuellen Kreisen die Modeerscheinung auf, \u201eRassen\u201c nach der \u00e4u\u00dferen Erscheinung der Menschen zu beschreiben.<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">So lieferte der linke franz\u00f6sische Anthropologe Vacher de Lapouge, der es liebte, die Sch\u00e4del der Menschen auszumessen, um die These seines Buches <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>Der Arier und seine soziale Rolle<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"> zu belegen, bereits die wichtigsten Argumente f\u00fcr die Nazis: \u201eEs gibt keine Menschenrechte, genausowenig wie es Rechte f\u00fcr G\u00fcrteltiere gibt (&#8230;) oder f\u00fcr das Rind, das man essen kann. Es gibt nur die Kraft. Nichts gegen Br\u00fcderlichkeit, aber wehe denen, die dabei verlieren! Das Leben erh\u00e4lt sich allein durch den Tod. Um zu leben, mu\u00df man essen, und t\u00f6ten, um zu essen.\u201c<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Was ist die gemeinsame Grundlage aller dieser Lehren, die in jenen Jahren in Frankreich entstanden und den perfekten N\u00e4hrboden f\u00fcr den Antisemitismus und den antideutschen Revanchismus schufen?<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Es war die starre, materialistische Sicht des Menschen, der nur durch den eigenen K\u00f6rper, seine organische Materie und seine physischen Beziehungen zur Welt &#8211; einer vollkommen willk\u00fcrlichen Welt &#8211; bestimmt ist. Der menschliche Geist und damit seine F\u00e4higkeit, Dinge zu ver\u00e4ndern, zu entdecken oder zu schaffen, wurden v\u00f6llig negiert.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Dieser Zustand hat sich durch die Vorherrschaft des Positivismus noch verschlimmert, einer Lehre, die von dem Franzosen Auguste Comte begr\u00fcndet wurde. Er teilte die Geschichte in vorgegebene Zeitalter ein und schlo\u00df die Rolle des menschlichen Willens und der Ideen aus. Laut Comte gab es zwei Zeitalter: die theologische \u00c4ra des Mittelalters und die metaphysische \u00c4ra der Renaissance. Dann folgte das moderne, rationale Zeitalter: Das Zeitalter des Positivismus, in dem eine von der Aufkl\u00e4rung \u00fcbernommene sogenannte Wissenschaft herrschte.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Diese objektive Wissenschaft, vorangetrieben von Newton und Descartes, h\u00e4tte endlich verstanden, da\u00df die Welt vollkommen von der Materie abh\u00e4ngig sei und es keinen h\u00f6heren Sinn, keinen Gott und keine Harmonie g\u00e4be. In diesem Chaos w\u00e4re nichts verst\u00e4ndlich au\u00dfer durch Ann\u00e4herung und indem man sich auf Tatsachen st\u00fctzt, die man sich durch Sinneswahrnehmung angeeignet hat.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Kurz, da es keine Ideen gibt, k\u00f6nne man die Ursachen nicht bestimmen und folglich sei man auch unf\u00e4hig, Entdeckungen zu machen &#8211; nicht einmal die Gravitation, die f\u00fcr unsere Augen unsichtbar ist! Und man k\u00f6nne die Welt nicht ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">F\u00fcr die Arbeiterparteien und das politische Umfeld von Jaur\u00e8s bedeutete dieses Denken eine starke Behinderung &#8211; bei linken und revolution\u00e4ren Parteien eigentlich unglaublich!<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Jules Ferry beispielsweise, der in Frankreich als Gr\u00fcnder des s\u00e4kularen Bildungswesens gefeiert wird, sagte: \u201eMan leistet keinen Widerstand gegen das, was ist; man kann in der gesellschaftlichen Praxis das, was sein k\u00f6nnte, nicht an die Stelle dessen setzen, was ist. Die Konzentration des Kapitals ist eine klare Tatsache&#8230; man k\u00e4mpft nicht gegen diese allgemeine Tendenz, die wie eine mechanische Kraft wirkt &#8211; ein unm\u00f6glicher und l\u00e4cherlicher Kampf (<\/span><span lang=\"de-DE\"><i>Die positive Philosophie<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\">, 1867). <\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Das gleiche gilt f\u00fcr die Marxisten, die eine materialistische Auffassung der Geschichte vertreten. Nach ihrer Logik sind alle Individuen und das Proletariat nur objektive Kr\u00e4fte, die am Klassenkampf teilhaben, der \u00fcber sie hinausgeht.<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Unter diesen Umst\u00e4nden ist Fortschritt unm\u00f6glich und wird sogar entschieden abgelehnt. 1911 brachten es die Anh\u00e4nger von Charles Maurras, einem extrem rechten Nationalisten, und Georges Sorel, der sich selbst als Marxist bezeichnete, auf den Punkt: \u201eUm die Zivilisation zu retten, ist das erste Ungeheuer, das man t\u00f6ten mu\u00df, der Glaube an den Fortschritt, an den Optimismus, &#8230; der die unheilvolle Farce der Franz\u00f6sischen Revolution 1789 hervorgebracht hat.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Unter diesen Umst\u00e4nden kann man sich nur schwer eine andere L\u00f6sung als den Kampf aller gegen alle um den Lebensraum vorstellen. Das sollte uns gerade heute zu denken geben, da die Politik uns das M\u00e4rchen der erneuerbaren Energien auftischt und das Nullwachstum damit begr\u00fcndet, da\u00df die Schaffung neuer Ressourcen unm\u00f6glich sei.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Im Namen des Fortschritts, und um der Welt und den Menschen ihr Recht auf Unsterblichkeit sowie ihr Recht auf eine produktive Zukunft wiederzugeben, f\u00fchrte Jaur\u00e8s seinen politischen und philosophischen Kampf gegen den aufkeimenden Faschismus.<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">In seiner Doktorarbeit <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>De la r\u00e9alit\u00e9 du monde sensible<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\">\u00a0(\u201e\u00dcber die Realit\u00e4t der sinnlichen Welt\u201c), die Jaur\u00e8s unter Anleitung eines Philosophen aus der Leibniz-Tradition ausarbeitete, attackierte er die Positivisten und Materialisten, aber ebenso die \u201eIdealisten\u201c und \u201eFormalisten\u201c, die er als genauso gef\u00e4hrlich ansah, da die Idealisten die Realit\u00e4t als vage Illusion ablehnten und die Formalisten diese auf ein \u201etrockenes logisches Konstrukt\u201c reduzierten.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Sein Ziel war es, nicht den ideologischen, sondern den wissenschaftlichen Charakter des Fortschritts als integralen Bestandteil der Natur und des menschlichen Wesens aufzuzeigen. Er wies nach, da\u00df es eine st\u00e4ndige Wechselwirkung zwischen Leben und Denken, zwischen Ideen und Dingen gibt, was die st\u00e4ndige Schaffung immer h\u00f6herer Seinsformen erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Jaur\u00e8s schreibt: \u201eF\u00fcr alles Lebende stellt sich das Problem des Unendlichen in vollem Umfang, in welcher Periode des Universums es auch entstanden ist&#8230; Die Summe der Bewegungen in der Welt ist ein handelndes Unendliches, in dem die Mathematik keinen Platz hat. Man darf das Universum und seine Bewegungen und Energien nicht als ein endloses Fa\u00df betrachten&#8230; Hier sind es nicht die Ressourcen, nach denen die Ausgaben bemessen werden, sondern die Unendlichkeit der Arbeit, die geleistet werden mu\u00df, um f\u00fcr eine entsprechende Unendlichkeit der Ressourcen zu sorgen.\u201c &#8211; Ein deutlicher Angriff auf die Vertreter der Austerit\u00e4tspolitik, die heute in Washington und Br\u00fcssel regieren.<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Dies deckt sich voll und ganz mit seinem politischen und parlamentarischen Kampf, demzufolge \u201ejedes Individuum das Recht hat, sich ganz zu entwickeln. Jeder hat daher das Recht, von der Menschheit all das zu verlangen, was seine Bem\u00fchungen f\u00f6rdert\u201c (<\/span><span lang=\"de-DE\"><i>Sozialismus und Leben<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\">). Und tats\u00e4chlich hat Jaur\u00e8s die Idee nationaler Kreditsch\u00f6pfung, einer \u00f6ffentlichen Bank, die Zahlungsmittel ausgibt, um den zuk\u00fcnftigen Produktionsbedarf der Nation zu decken &#8211; was schlie\u00dflich in den \u201eglorreichen 30 Jahren\u201c nach dem Zweiten Weltkrieg verwirklicht wurde -, gegen den Kapitalismus und die Wucherer verteidigt.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Wir wollen eine weitere Passage seiner Doktorarbeit betrachten, die aus philosophischer Sicht sehr polemisch, aber von grundlegender Bedeutung ist. Nachdem er sich zu Beginn des 3. Kapitels im Bereich des sehr Kleinen von den Molek\u00fclen zu den Atomen herabbewegt hat, schlie\u00dft er:<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">\u201eDie Wissenschaft selbst, wenn sie nach der Ursache der materiellen Bewegungen und dem letzten Element der Materie sucht, f\u00fchrt uns zu einer Realit\u00e4t, in der nichts Materielles mehr vorhanden ist, was nicht mit den Sinnen wahrgenommen werden kann, sondern nur f\u00fcr den Geist existiert.\u201c<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Jaur\u00e8s vergleicht seine Untersuchung mit der von Virgil und Dante, die, nachdem sie einen anderen Weg eingeschlagen haben, um den Tiefen der H\u00f6lle zu entkommen, endlich die Sterne wiederentdecken, und f\u00e4hrt fort: \u201eGeleitet von der Wissenschaft sind wir immer weiter hinabgestiegen in die Tiefen der Materie, und auch dort, in diesen gef\u00e4hrlichen Abgr\u00fcnden, wo man sich fragen sollte, ob sich nicht alles in blinder Fatalit\u00e4t aufl\u00f6st, fanden wir \u00fcberlagerte Bewegungen, Kreise und Strudel, und am anderen Ende dieses Abgrundes entdeckten auch wir wieder die Sterne.\u201c<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Lassen Sie mich hier abschweifen zu dem gro\u00dfen Physiker Max Planck, dem wir die Entdeckung des Wirkungsquantums verdanken. Das folgende schrieb er in den 1930er Jahren, als das materialistische und utilitaristische Menschenbild in Deutschland seinen H\u00f6hepunkt erreichte, mit all den Schrecken, die damit einhergingen:<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">\u201eAls Physiker, der sein ganzes Leben der n\u00fcchternen Wissenschaft, der Erforschung der Materie widmete, bin ich sicher von dem Verdacht frei, f\u00fcr einen Schwarmgeist gehalten zu werden. Und so sage ich nach meinen Erforschungen des Atoms dieses: Es gibt keine Materie an sich. Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Alls zusammenh\u00e4lt. Da es im ganzen Weltall aber weder eine intelligente Kraft noch eine ewige Kraft gibt &#8211; es ist der Menschheit nicht gelungen, das hei\u00dfersehnte Perpetuum mobile zu erfinden &#8211; so m\u00fcssen wir hinter dieser Kraft einen bewu\u00dften intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie.\u201c<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Tats\u00e4chlich sind wir, wenn wir dar\u00fcber nachdenken, immer mit diesem Paradox konfrontiert, und Jaur\u00e8s z\u00f6gerte nicht, dieses in einer Debatte mit Marx\u2019 Schwiegersohn Paul Lafargue zu verwenden &#8211; eine Debatte, die unter dem Titel \u201eMaterialismus und Idealismus im Konzept der Geschichte\u201c ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Wie kann unser Gehirn neue Ideen, neue wissenschaftliche Entdeckungen hervorbringen, wenn der Ursprung dieser Ideen nicht in den mechanischen Hebeln der Materie oder in einzelnen chemischen Reaktionen zu finden ist?<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Jaur\u00e8s antwortete:<\/p>\n<p>\u201e<span lang=\"de-DE\">Wenn ich diese Worte in diesem Moment ausspreche, so deshalb, weil die Idee, die ich in dieser Minute zum Ausdruck bringe, letztendlich aus einer vorherigen Idee und der Serie aller vorangegangenen Ideen hervorgegangen ist. Aber auch deshalb, weil ich in der Zukunft erkennen will, was ich vor mir sehe &#8211; ein Ziel, eine Absicht, einen Zweck; und deshalb wurde mein gegenw\u00e4rtiger Gedanke, auch wenn er scheinbar durch die Serie fr\u00fcherer Gedanken bestimmt ist, auch durch eine Vorstellung von der Zukunft angeregt.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">In der Geschichte ist es dasselbe: Man kann zwar alle historischen Ph\u00e4nomene durch reine wirtschaftliche Evolutionen erkl\u00e4ren, aber man kann sie auch durch das unerm\u00fcdliche und st\u00e4ndige Streben der Menschheit nach einer h\u00f6heren Seinsform erkl\u00e4ren. Vor der Erfahrung der Geschichte, vor der Ausbildung dieses oder jenes wirtschaftlichen Systems, trug die Menschheit bereits eine vorgefa\u00dfte Idee der Gerechtigkeit und des Rechts in sich, und dieses vorgefa\u00dfte Ideal strebt von einer Zivilisationsform zu einer h\u00f6heren Zivilisationsform.\u201c<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Ideen sind keine gesellschaftlichen Konventionen, blo\u00dfe Erfindungen des Geistes oder der menschlichen Gesellschaft. Sie sind keine von der realen Welt losgel\u00f6sten Dinge. Sie sind \u201enat\u00fcrlich\u201c in dem Sinne, da\u00df sie vom Universum durch den menschlichen Geist hervorgebracht werden, um die Aufgabe der Sch\u00f6pfung der Welt fortzusetzen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Aber was ist diese Idee, die der BRICS und der Neuen Seidenstra\u00dfe zugrunde liegt? Es ist die Idee des Fortschritts, des Fortschritts \u00fcber die Grenzen des Unbekannten hinaus. Und wie wird er sichergestellt? Durch Kreativit\u00e4t und menschliche Entdeckerkraft.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Wir m\u00fcssen den Kampf von Jean Jaur\u00e8s unbedingt gewinnen. Tun wir das nicht, wird die Menschheit &#8211; und mit ihr die Welt &#8211; zerst\u00f6rt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Guten Tag. Ich spreche f\u00fcr eine Gruppe junger Aktivisten, die sich im Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen mit [dem franz\u00f6sischen Historiker und Politiker] Jean Jaur\u00e8s besch\u00e4ftigt haben. Wir hatten dabei jenen entscheidenden Moment des 20. Jahrhunderts im Blick, in dem Jaur\u00e8s nicht nur umgebracht wurde, sondern auch die Menschheit in eine neue Barbarei abglitt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"featured_media":29901,"menu_order":35,"template":"","meta":{"footnotes":""},"portfolio_category":[295,288,290,283],"class_list":["post-30492","portfolio_cpt","type-portfolio_cpt","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","portfolio_category-panel-5-fr-2-de","portfolio_category-panel-5-de-2","portfolio_category-paris-2015-de","portfolio_category-paris-konferenz-2015-de"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt\/30492","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt"}],"about":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/portfolio_cpt"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt\/30492\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/29901"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30492"}],"wp:term":[{"taxonomy":"portfolio_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_category?post=30492"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}