{"id":2761,"date":"2013-04-05T13:14:02","date_gmt":"2013-04-05T11:14:02","guid":{"rendered":"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/?post_type=portfolio_cpt&#038;p=2761"},"modified":"2013-04-16T11:00:30","modified_gmt":"2013-04-16T09:00:30","slug":"norton-mezvinsky-die-destruktiven-folgen-von-religiosem-extremismus","status":"publish","type":"portfolio_cpt","link":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/portfolio\/norton-mezvinsky-die-destruktiven-folgen-von-religiosem-extremismus\/","title":{"rendered":"Norton Mezvinsky: Die destruktiven Folgen von religi\u00f6sem Extremismus"},"content":{"rendered":"<div class=\"tabs\" id=\"tabs-6a8cfafca6a88\"><ul class=\"tabs-nav\"><li class=\"active\"><a href=\"#\" onclick=\"schillerTabSwitch('tabs-6a8cfafca6a88',0);return false;\">\u00dcber den Redner<\/a><\/li><li><a href=\"#\" onclick=\"schillerTabSwitch('tabs-6a8cfafca6a88',1);return false;\">Im Wortlaut<\/a><\/li><\/ul><div class=\"tab-content active\" style=\"display:block;\">Prof. Norton Mezvinsky ist Pr\u00e4sident des Internationalen Rates f\u00fcr Nahoststudien in Washington, D.C. und Prof. em. der Central Connecticut State University. Den folgenden Vortrag hielt er am 26. Januar in New York auf der Konferenz des Schiller-Instituts \u201eEin neues Paradigma zur Rettung der Menschheit\u201c.<\/div><div class=\"tab-content\" style=\"display:none;\"><\/p>\n<p>Ich danke dem Schiller-Institut f\u00fcr die Einladung, an dieser Konferenz teilzunehmen. Ich habe die Reden von Helga Zepp-LaRouche und Bruce Fein unmittelbar vor meinem Vortrag aufmerksam verfolgt und ich habe die Beitr\u00e4ge der vorhergehenden Schiller-Institut-Konferenz in Deutschland gelesen, so da\u00df ich sehr wohl verstehe und nachdr\u00fccklich begr\u00fc\u00dfe, da\u00df wir einen Paradigmawandel in unserer Welt brauchen, um weiteres Chaos und Verderben zu verhindern und die Zivilisation weiterzuentwickeln.<\/p>\n<p>Auch wenn viele Leute glauben, mit dem Alter werde man immer pessimistischer, so f\u00fchle ich mich, nachdem ich vor kurzem 80 geworden bin, nicht nur j\u00fcnger, sondern auch zunehmend optimistischer. [Applaus] Nach diesem Applaus m\u00f6chte ich allerdings sagen, da\u00df das, was ich Ihnen heute vorzutragen versuche, vielleicht im Widerspruch zu meiner \u00c4u\u00dferung \u00fcber den Optimismus zu stehen scheint &#8211; besonders auch zu dem, was Helga Zepp-LaRouche, die ich besonders achte, heute vorgetragen hat.<\/p>\n<p>Mein Schwerpunkt wird der sogenannte Nahe Osten sein, genauer gesagt S\u00fcdwestasien und Nordafrika. Der Nahe Osten, so wie ich diesen Begriff verwende, bedeutet nat\u00fcrlich die arabischen Nationalstaaten und der Staat Israel. Meine These ist, da\u00df ein sich aus menschlicher und wirtschaftlicher Entwicklung ergebender Paradigmawandel, wie er von Hussein Askary auf der j\u00fcngsten Schiller-Institut-Konferenz in Deutschland und besonders auch heute von Helga Zepp-LaRouche vorgeschlagen wurde, in absehbarer Zukunft massiv behindert, wenn nicht sogar blockiert wird, wenn nicht der sich ausweitende religi\u00f6se Extremismus auf verschiedenen Seiten r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht wird, zumindest was viele seiner unterschiedlichen Aspekte angeht.<\/p>\n<p>Ich sage das nicht als Gegner der Religion im allgemeinen, sondern vielmehr als jemand, der viele religi\u00f6se Grunds\u00e4tze sehr hochsch\u00e4tzt, und auch als jemand, der Mitglied einer chassidisch-j\u00fcdischen Gemeinde der Lubawitscher ist, die ich als deren Mitglied alles in allem f\u00fcr eine extreme Kategorie halte.<\/p>\n<p>In den wenigen Minuten, die mir f\u00fcr meinen Vortrag zur Verf\u00fcgung stehen, kann ich bestenfalls einige allgemeine Aussagen machen, die hoffentlich ernsthaft bedacht werden und weitere Diskussionen ausl\u00f6sen m\u00f6gen.<\/p>\n<h3>Islamische Extremisten<\/h3>\n<p>Es ist leider nicht schwierig, die negativen Seiten &#8211; und das ist sicher untertrieben &#8211; des religi\u00f6sen Extremismus zu benennen. Gewaltt\u00e4tige Extremisten, die zuallererst im Zusammenhang mit ihrer Auslegung des Islam und auch unter ihren eigenen Bannern des Islam, so falsch sie auch sein m\u00f6gen, Terrorakte begehen, t\u00f6ten und verwunden Menschen und zerst\u00f6ren deren Lebensgrundlage. Das war nicht nur in j\u00fcngster und allerj\u00fcngster Zeit im Nahen Osten der Fall, das ist auch heute der Fall von Jemen bis Algerien, im Irak, Libyen und andernorts, und nicht nur die Zahl dieser extremen Militanten, sondern auch die Zahl ihrer Taten nimmt zu.<\/p>\n<p>Geht man \u00fcber den Nahen Osten hinaus, nach Afghanistan, Pakistan und Mali, so sieht man ebenfalls mehr gewaltt\u00e4tige Aktionen, Terrorismus, mehr Tote, mehr Verwundete und mehr Zerst\u00f6rung, was sicherlich jede positive Entwicklung, jede Planung und wirtschaftliche Entwicklung erschwert.<\/p>\n<p>Die schlimmste Lage im Nahen Osten ist derzeit, wie Sie alle wissen, in Syrien. In Syrien w\u00e4chst die Al-Kaida derzeit am schnellsten. Diese Terrorgruppe, die den Decknamen Jabhat al-Nusra al-Kaida benutzt, ist wahrscheinlich das b\u00f6sartigste Element in der Opposition zu der brutalen Diktatur von al-Assad geworden. F\u00fcr Al-Kaida sind Assad und die Alawiten ein gutes Ziel, da viele sunnitische Moslems glauben, die Alawiten seien eine spalterische Sekte des Islam, die unterdr\u00fcckt werden m\u00fcsse. Dschihadistische Webseiten sind jeden Tag voller Meldungen, da\u00df wieder neue Al-Kaida-M\u00e4rtyrer aus vielen L\u00e4ndern gestorben seien, aber weitere aus Saudi-Arabien, Pakistan, Bangladesch und anderswoher nach Syrien k\u00e4men.<\/p>\n<p>Je l\u00e4nger der Krieg anh\u00e4lt, desto mehr wird Al-Kaida von dem Chaos und der religi\u00f6sen Polarisierung profitieren. Die Zahl der Toten im syrischen B\u00fcrgerkrieg liegt inzwischen weit \u00fcber 60.000 &#8211; vielleicht bis zu 70.000. Die Zahl der Vertriebenen und Fl\u00fcchtlinge wird auf viele Millionen gesch\u00e4tzt, in einem Land, das eine Bev\u00f6lkerung von 21 Millionen hatte, als der Krieg vor zwei Jahren ausbrach. Die Lage verschlimmert sich jeden Tag.<\/p>\n<p>Sollte das Assad-Regime kollabieren, werden die extremen Militanten wohl noch weiter in Syrien Fu\u00df fassen. Und das w\u00e4re nat\u00fcrlich ein gro\u00dfes Problem.<\/p>\n<p>\u00c4gypten, das gr\u00f6\u00dfte arabische Land, ist ein anderer Fall. Erst gestern gab es besonders in den Stra\u00dfen Kairos wieder Demonstrationen und einige Gewaltt\u00e4tigkeiten, denn viele \u00c4gypter, die eine Revolution eingeleitet hatten, reagieren gegen die Islamisten in der Regierung, von denen die Menschen auf der Stra\u00dfe\u00a0 die durchaus gerechtfertigte und wahrscheinlich korrekte Ansicht haben, da\u00df sie eine Version des islamischen Rechts durchzusetzen versucht, die jeden positiven Fortschritt und den Aufbau einer neuen, demokratischeren Regierung und einer besseren Wirtschaft und Gesellschaft verhindert.<\/p>\n<p>Die positive Entwicklung ist in \u00c4gypten zum Stillstand gekommen. Wenn \u00fcberhaupt, bewegt sich dieses gro\u00dfe, aber arme Land r\u00fcckw\u00e4rts.<\/p>\n<p>Es sollte kein Zweifel daran bestehen, da\u00df Regierungen und Einzelpersonen aus L\u00e4ndern au\u00dferhalb des Nahen Ostens der Zunahme des religi\u00f6sen Extremismus und der wachsenden Zahl von Militanten im arabischen Nahen Osten Vorschub geleistet haben. Zu diesen L\u00e4ndern geh\u00f6ren neben den Vereinigten Staaten Gro\u00dfbritannien, Frankreich, Ru\u00dfland, Iran und China.<\/p>\n<p>Aufeinanderfolgende amerikanische Regierungen haben durch ihr Vorgehen h\u00e4ufig die bereits schlechte Lage im Nahen Osten weiter verschlechtert. Der Irak ist hierf\u00fcr freilich eines der besten Beispiele.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall ist es viel einfacher, das Problem des arabischen religi\u00f6sen Extremismus zu rechtfertigen, als etwas vorzuschlagen, was die Lage \u00e4ndern k\u00f6nnte. Prof. John Olin IV. von der University of Virginia hat einen interessanten Kommentar geschrieben, der am 6. Januar, also erst vor wenigen Tagen in der\u00a0<i>New York Times<\/i>\u00a0erschienen ist, worin er meint, der Islamismus werde sich im arabischen Nahen Osten und anderswo durchsetzen, denn er sei der tiefste und breiteste Kanal, in den sich der heutige Unmut in der arabischen Welt ergie\u00dfen k\u00f6nnte. Aus Olins Sicht bietet der Islamismus, besonders die weniger gewaltt\u00e4tige Form, wie sie die Moslem-Bruderschaft in \u00c4gypten vertritt, eine koh\u00e4rente Betrachtung von allem, was die muslimische Gesellschaft qu\u00e4lt und wo der Ausweg liegt.<\/p>\n<p>Durch den Arabischen Fr\u00fchling ist der Islamismus keineswegs \u00fcberfl\u00fcssig geworden, wie es die Vorhersage einiger Experten war, sondern hat sogar noch an Glaubw\u00fcrdigkeit gewonnen. Die Islamisten haben n\u00e4mlich schon seit langem jene korrupten Regimes verurteilt, deren Sturz ihrer Meinung nach vorherbestimmt war. Die Unterst\u00fctzung von korrupten Regimes durch die Vereinigten Staaten und andere L\u00e4nder hat neben den von Bruce Fein erw\u00e4hnten spezifischen amerikanischen Milit\u00e4raktionen bekannterma\u00dfen zu zahllosen Opfern und gro\u00dfen Sch\u00e4den unter der Zivilbev\u00f6lkerung gef\u00fchrt. Das hat nat\u00fcrlich das Wachstum und die Ausweitung des extremen und militanten Islamismus gef\u00f6rdert. Da\u00df solche Unterst\u00fctzungsaktionen aufh\u00f6ren, ist unbedingt notwendig.<\/p>\n<h3>J\u00fcdischer religi\u00f6ser Extremismus<\/h3>\n<p>In meinem weiteren Vortrag m\u00f6chte ich mich nun einer weiteren und anderen Richtung des religi\u00f6sen Extremismus im Nahen Osten zuwenden, die den positiven Fortschritt behindert und weitere Unordnung und Zerst\u00f6rung bef\u00fcrchten l\u00e4\u00dft. Das ist ein religi\u00f6ser Extremismus, den ich pers\u00f6nlich sehr gut kenne. Ich habe fast mein ganzes Leben lang teilweise in dessen Umfeld, sogar in Opposition zu ihm gelebt. Ich spreche hier vom j\u00fcdischen religi\u00f6sen Extremismus.<\/p>\n<p>Ich betone, da\u00df dieser j\u00fcdische religi\u00f6se Extremismus nur von einigen der zahlreichen Interpretationen des Judaismus abstammt und tats\u00e4chlich von einer Mehrheit der Juden abgelehnt wird. Der j\u00fcdische religi\u00f6se Extremismus ist dennoch einflu\u00dfreich und gef\u00e4hrlich, vor allem im Kontext des pal\u00e4stinensisch-israelischen bzw. arabisch-israelischen Konflikts, der, wie Sie sicherlich wissen, den Frieden und positive Fortschritte im Nahen Osten bedroht und zeitweise hintertrieben hat. Dieser Konflikt hat zu Kriegen, Todesopfern auf vielen Seiten, zu Zerst\u00f6rung, Enteignung von Land, anhaltender Unterdr\u00fcckung der einheimischen pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung durch den Staat Israel und fehlender Sicherheit f\u00fcr die israelischen Juden gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die j\u00fcdischen religi\u00f6sen Extremisten, von denen ich hier spreche, sind ultraorthodoxe Juden, deren Ansichten und Positionen sicherlich auf dem traditionellen Judaismus gr\u00fcnden. Zahlreiche andere orthodoxe Juden, die einige Punkte ablehnen m\u00f6gen, und viele andere Juden, die weder orthodox noch \u00fcberhaupt religi\u00f6s sind, unterst\u00fctzen viele Positionen und Aktionen dieser Leute. Andere Juden, selbst einige andere ultraorthodoxe Juden innerhalb und au\u00dferhalb des Staates Israel, lehnen die Positionen und Aktionen der ultraorthodoxen Juden ab, von denen ich hier spreche.<\/p>\n<p>Diese ultraorthodoxen Juden geh\u00f6ren entweder selbst zu den militantesten j\u00fcdischen Siedlern auf der Westbank oder unterst\u00fctzen diese nachdr\u00fccklich. Diese Siedler werden von der jetzigen israelischen Regierung unterst\u00fctzt und gedeckt und hatten auch die Unterst\u00fctzung fr\u00fcherer israelischer Regierungen. Die Position oder besser der Glaube, auf den die ultraorthodoxen Juden ihre manchmal gewaltt\u00e4tigen Aktionen gr\u00fcnden, besteht darin, da\u00df das gesamte Gebiet des heutigen Israels sowie einige angrenzende Gebiete das Heilige Land sind, das Gott den Juden versprochen hat. Sie wollen die j\u00fcdischen Siedlungen auf das Gebiet der Westbank ausdehnen, notfalls auch mit Gewalt.<\/p>\n<p>Das ist zweifellos ihr Glaube, und das ist eine theologische Frage, auf die ich jetzt etwas n\u00e4her eingehen will. Denn in gewisser Weise spielt die Theologie hierbei eine schrecklich wichtige Rolle.<\/p>\n<p>Die Ideen, die diese Leute haben, sind nicht nur von dieser Welt. Diese Ideen bilden einen tiefen Glauben. Das bezieht sich auf die Juden, aber ich bin sicher, da\u00df Gruppierungen in anderen Religionen leider ganz \u00e4hnliche Ansichten haben.<\/p>\n<p>Angefangen mit der nachbiblischen Literatur vertritt das traditionelle Judentum die Vorstellung, da\u00df Gottes Auserw\u00e4hlung des j\u00fcdischen Volks \u201eein kosmischer Akt war, der den Juden \u00dcberlegenheit verliehen hat.\u201c Im Mittelalter wurde dieses Konzept eher in traditionellen judaischen Theologietexten abgehandelt. Im Rahmen des dualistischen Kabbala-Verst\u00e4ndnisses mit seiner Unterscheidung zwischen Heiligkeit und Unreinheit wurden Nichtjuden h\u00e4ufig als Teil der anderen Seite dargestellt. Das dualistische Konzept einer Unterscheidung zwischen der g\u00f6ttlichen Seele des Juden und der tier\u00e4hnlichen Seele der Heiden wurde zu einem ma\u00dfgeblichen Element dieser Literatur.<\/p>\n<p>Rabbi Menachem Schneerson, das Oberhaupt der chassidischen Lubawitscher-Juden, einer deren Gemeinden ich, wie bereits gesagt, angeh\u00f6re, erweiterte diese Unterscheidung zwischen Juden und Nichtjuden noch, was allerdings nicht meine Auffassung ist. Was er sagte, repr\u00e4sentiert nicht nur diese eine Gruppierung ultraorthodoxer Juden, sondern findet sich in der Grundlage des traditionellen Judentums. Er bezog sich auf eine Stelle aus dem Buch\u00a0<i>Tanja<\/i>, das f\u00fcr die ultraorthodoxen Juden wie eine Heilige Schrift ist, und sagte: \u201eEs gibt einen qualitativen Unterschied zwischen der Seele des Juden und der Seele aller anderen Ethnien. Letztere besitzen eine Tierseele, die sich in der linken Herzkammer befindet, w\u00e4hrend ersterer mit der g\u00f6ttlichen Seele ausgestattet ist, dem Funken, der vom Licht des ewigen Gottes ausgeht, und diese befindet sich im Gehirn sowie in der rechten Herzkammer.\u201c<\/p>\n<p>Ein anderer Rabbi, der als Sprecher f\u00fcr diese Leute auftritt, Yitzchak Ginsberg, hat einige dieser theologischen Ans\u00e4tze weiterentwickelt. Zum Beispiel: \u201eDer Heide ist geschaffen, aber der Jude ist Teil der Gottheit selbst.\u201c Leider im Kontext des traditionellen Judentums behauptet er, da\u00df die Juden das auserw\u00e4hlte Volk und im Abbild Gottes geschaffen seien, die Heiden hingegen diesen Status nicht h\u00e4tten und deshalb im Grunde als Untermenschen angesehen werden m\u00fc\u00dften.<\/p>\n<p>Entsprechend gilt zum Beispiel das Gebot \u201eDu sollst nicht t\u00f6ten\u201c nicht, wenn man einen Heiden umbringt, denn das \u201eDu sollst nicht t\u00f6ten\u201c bezieht sich auf die T\u00f6tung eines Menschen, w\u00e4hrend f\u00fcr Ginsberg und viele andere ultraorthodoxe Juden die Heiden keine Menschen darstellen.<\/p>\n<p>Um es noch einmal zu sagen: Diese Art Theologie ist sicherlich nicht die Theologie der Mehrheit der Juden. Wenn man Israel nimmt, so sind dort sch\u00e4tzungsweise etwa 75% der Juden nicht religi\u00f6s und keinesfalls traditionelle Juden, die an eine solche ultraorthodoxe Theologie glauben. Doch selbst s\u00e4kulare Israelis &#8211; nicht alle, aber ein Gutteil davon &#8211; unterst\u00fctzen nach wie vor die Aktivit\u00e4ten der Ultraorthodoxen, die dadurch erheblich mehr Einflu\u00df in der israelischen Regierung haben und auf das, was Israel tut, als sie vom Standpunkt ihrer Anzahl eigentlich haben sollten.<\/p>\n<p>Das ist nicht nur heute so, das ist schon l\u00e4nger der Fall.<\/p>\n<h3>Christliche Zionisten<\/h3>\n<p>Ich gehe damit auf eine Begleitgruppe der Ultraorthodoxen au\u00dferhalb des Judentums \u00fcber, die evangelikalen christlichen Zionisten in den Vereinigten Staaten. Sie haben keineswegs die gleiche Theologie, aber ihre Theologie ist aus meiner Sicht genauso schrecklich, und deswegen unterst\u00fctzen sie voll und ganz den Staat Israel. Wie einige von Ihnen sicherlich wissen, glauben sie, da\u00df die Juden vor der Wiederkunft Jesu entweder die volle Kontrolle \u00fcber das Heilige Land haben m\u00fc\u00dften oder, wie einige dieser christlichen Zionisten glauben, die einzigen Bewohner des Heiligen Landes sein sollten.<\/p>\n<p>Deswegen stellen sie sich voll hinter den Staat Israel, und es gibt sie in gro\u00dfer Zahl, wobei die Sch\u00e4tzungen jedoch sehr unterschiedlich sind. In einem Editorial der\u00a0<i>New York Times<\/i>\u00a0wurde k\u00fcrzlich festgestellt, da\u00df sich die Zahl der evangelikalen christlichen Zionisten in den Vereinigten Staaten auf 20 Millionen belaufe &#8211; das sind sehr viele. Meine Nachforschungen haben ergeben, da\u00df es wahrscheinlich doppelt so viele evangelikale christliche Zionisten gibt. Sie haben eine der st\u00e4rksten Lobbygruppen in diesem Land aufgebaut. Meiner Ansicht nach ist ihre Lobby vom Einflu\u00df her mindestens genauso effektiv wie die sogenannte Israel-Lobby unter F\u00fchrung von AIPAC in Washington. Haupts\u00e4chlich wegen ihrer Anzahl und weil sogar einige Kongre\u00dfabgeordnete zu der Gruppe geh\u00f6ren, sind sie in vielerlei Hinsicht sogar noch effektiver.<\/p>\n<p>Ihre Theologie ist etwas, an das sie felsenfest glauben. Ich m\u00f6chte nur ein Beispiel nennen. Als ich vor drei Jahren in Israel war, um einige Nachforschungen \u00fcber den christlichen Zionismus anzustellen, suchte ich zun\u00e4chst meine Verwandten auf, die zu den rechtesten israelischen Juden geh\u00f6ren, die man finden kann. Wie betrachten sie mich, da ich mein gesamtes Erwachsenenleben lang ein Antizionist gewesen bin? Ich werde es Ihnen sagen. Sie sagen: \u201eNorton ist ein guter j\u00fcdischer Junge (sie nennen mich immer noch einen Jungen, obwohl ich jetzt 80 bin) aus einer guten j\u00fcdischen Familie und einem guten j\u00fcdischen Herz. Er hat nur ein paar falsche Ideen. Was ist schon dabei?\u201c<\/p>\n<p>Ich wohne bei ihnen einige Zeit, wenn ich nach Israel fahre. Ich fragte sie, was sie \u00fcber die christlichen Zionisten d\u00e4chten, denn sp\u00e4testens seit den 1990er Jahren hat sich jeder israelische Ministerpr\u00e4sident \u00f6ffentlich hingestellt und gesagt, sie seien \u201eunsere besten Freunde auf der Welt\u201c. Daran ist \u00fcbrigens ganz viel wahr, denn sie sind die einflu\u00dfreichste Lobby in den Vereinigten Staaten. Das ist f\u00fcr den Staat Israel extrem wichtig und auch f\u00fcr die Unterdr\u00fcckung, die dieser Staat gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern aus\u00fcbt.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber meinen Freunden und Verwandten sagte ich dann, ihr m\u00fc\u00dft ja ihre Ideologie kennen, denn in ihrer Theologie glauben sie, da\u00df vor der Wiederkunft des Herrn erst der Antichrist erscheint, und dann werden die meisten, die sich Christen nennen, und andere dem Antichristen folgen und es wird zum Armageddon kommen. Was ist Armageddon? Die Mutter aller Holocausts, dem alle diese Leute zum Opfer fallen werden. Die christlichen Zionisten mit einer oder zwei Ausnahmen sagen, da\u00df im Armageddon auch alle au\u00dfer 144.000 Juden get\u00f6tet werden. Sie setzen sich f\u00fcr alle diese Juden ein &#8211; nach der letzten Z\u00e4hlung gibt es 5,7 Mio. Juden im Staat Israel, vielleicht 15 Mio. weltweit. Aber nach ihrer Auffassung werden nur 144.000 gerettet.<\/p>\n<p>Woher kommt diese Zahl? Sie sagen, sie kommt aus dem Buch der Offenbarung. Ich konnte sie im Buch der Offenbarung nicht finden, aber ich wei\u00df, da\u00df sie sich darauf beziehen. Sie nehmen die 12 St\u00e4mme, multiplizieren sie mit 12, was 144 ergibt, und h\u00e4ngen noch drei Nullen dran.<\/p>\n<p>Die Antwort, die ich von meinen Verwandten erhielt, ist die gleiche, die man von fast jedem israelischen Juden erh\u00e4lt &#8211; deswegen war ich nicht \u00fcberrascht, aber ich wollte sie von ihnen selbst h\u00f6ren. Sie sagten, sie hielten diese Theologie f\u00fcr unsinnig. Aber, wie einer meiner Onkel sagte, wir sind ja Machiavellisten! Man denke nur an all die Hilfe, die sie uns geben. So mu\u00df man das wohl verstehen.<\/p>\n<p>Ich suchte auch drei verschiedene, aber im Grunde eng verbundene Gruppen christlicher Zionisten auf, die damals gerade in Israel waren. Sie halten sich f\u00fcr eine Zeitlang dort auf, einen Monat, zwei Monate, sechs Monate. Ich stellte den drei Gruppen die gleiche Frage, ob sie nicht wissen m\u00fc\u00dften, was die israelischen Juden, auch Leute in der Regierung, von ihrer Theologie hielten. Einer ihrer Anf\u00fchrer sagte auf meine Frage, bevor ich selbst das Wort benutzte, das ich von meinen Verwandten kannte, da\u00df sie sehr wohl w\u00fc\u00dften, da\u00df man ihre Theologie f\u00fcr unsinnig hielte. Aber man unterst\u00fctzte sie nicht, weil man Befehle von ihnen bekomme. Die Befehle k\u00e4men von dort [zeigte zum Himmel].<\/p>\n<p>Ich will damit sagen, es ist ein riesiges Problem, wenn man Gruppen von Leuten hat, seien sie Moslems, Juden oder Christen &#8211; von anderen Religionen einmal abgesehen, weil ich mich hier nur mit diesen drei Religionsgruppen befassen will -, die aufrichtig glauben, sie h\u00e4tten das Wort Gottes und da\u00df alles, was sie tun, von Gott komme. Ich m\u00f6chte nicht sagen, da\u00df mich das f\u00fcr die Zukunft pessimistisch stimmt, aber es bremst doch meinen Optimismus sehr.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mit einer Bemerkung schlie\u00dfen, die sich an das anschlie\u00dft, was Bruce Fein am Ende sagte &#8211; ich glaube bei der Beantwortung einer Frage. Er sagte, das Wichtigste sei die Erziehung und man m\u00fcsse sich f\u00fcr die Vermehrung des Wissens einsetzen. Das will ich ebenfalls hervorheben. Ich kann sagen, da\u00df man selbst bei so strenggl\u00e4ubigen Leuten, wie ich sie &#8211; vielleicht zu kurz &#8211; beschrieben habe, zumindest einige Fragezeichen im Denken hinterlassen kann, wenn man sich mit ihnen hinsetzt und sie mit diesen Fragen konfrontiert. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte noch eines hinzuf\u00fcgen, dem Bruce Fein und der Rest von Ihnen sicherlich zustimmen werden. Wenn es darum geht, Fragezeichen im Denken der Menschen zu hinterlassen und so ihr Wissen zu vergr\u00f6\u00dfern, sollte der Schwerpunkt auf der j\u00fcngeren Generation liegen. Besonders in diesen Tagen und dieser Zeit, die eine ganz andere Zeit ist als noch in der gar nicht so fernen Vergangenheit, liegt die Hoffnung auf der j\u00fcngeren Generation.<\/p>\n<p>Vielen Dank.<\/p>\n<div><\/div>\n<p><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"featured_media":2241,"menu_order":119,"template":"","meta":{"footnotes":""},"portfolio_category":[87,88],"class_list":["post-2761","portfolio_cpt","type-portfolio_cpt","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","portfolio_category-ny20130126","portfolio_category-vormittag-ny20130126"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt\/2761","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt"}],"about":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/portfolio_cpt"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt\/2761\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2241"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2761"}],"wp:term":[{"taxonomy":"portfolio_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_category?post=2761"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}