{"id":2348,"date":"2013-02-19T15:04:33","date_gmt":"2013-02-19T14:04:33","guid":{"rendered":"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/?post_type=portfolio_cpt&#038;p=2348"},"modified":"2013-02-19T15:06:30","modified_gmt":"2013-02-19T14:06:30","slug":"lynn-yen-klassische-musik-ist-heute-notwendiger-denn-je","status":"publish","type":"portfolio_cpt","link":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/portfolio\/lynn-yen-klassische-musik-ist-heute-notwendiger-denn-je\/","title":{"rendered":"Lynn Yen: Klassische Musik ist heute notwendiger denn je"},"content":{"rendered":"<p><em>Lynn Yen von der Stiftung f\u00fcr die Erneuerung der Klassischen Kultur berichtete bei der New Yorker Konferenz des Schiller-Instituts \u00fcber die Arbeit der Stiftung.<\/em><\/p>\n<h2>Im Wortlaut<\/h2>\n<p>Kesha Rogers mit ihrer Einf\u00fchrung heute nachmittag kann ich v\u00f6llig recht geben: Die Grundlage unserer Stiftung bilden Schillers Worte: \u201eEs ist die Sch\u00f6nheit, durch welche man zur Freiheit wandert.\u201c Das ist der Grundgedanke daf\u00fcr, was unsere Stiftung sein soll.<\/p>\n<p>Nun zun\u00e4chst etwas \u00fcber mich pers\u00f6nlich: Ich wurde in der \u00c4ra nach der Kulturrevolution in China geboren und ich kam in den 80er Jahren mit meiner Mutter nach Amerika, als sie als \u00c4rztin an einem Austauschprogramm der Weltgesundheits-Organisation teilnahm. Ich fing an, Klavier und gleichzeitig Kalligraphie zu lernen, als ich sieben Jahre alt war. Aber ich denke, ich war sehr ein Produkt meiner Generation: Als ich ans College ging, besuchte ich auch die New York University, um Finanzen zu studieren. Ich h\u00f6rte mir damals die ganze \u201ecoole\u201c Musik an und gab meine klassische Musik auf, und eine ganze Zeit lang arbeitete ich im Finanzbereich und verbrachte den gr\u00f6\u00dften Teil meiner freien Zeit in Nachtclubs oder in Lounges.<\/p>\n<p>Was mich davon abbrachte, war der Finanzkrach 2008. Ich kam zu der Erkenntnis, da\u00df wir tats\u00e4chlich in einem v\u00f6llig kaputten Land leben, das sehr viele Krisen und Probleme hat. Das war auch die Zeit, als ich wieder klassische Musik h\u00f6rte. Ich begann mit Chopins Nocturne in c-moll, der c-moll-Reihe, und das f\u00fchrte mich dazu, Bach und Beethoven und viele andere gro\u00dfe klassische Komponisten zu studieren.<\/p>\n<p>Ich entdeckte damals auch einen der Menschen, mit denen ich mich angefreundet hatte, als ich noch viel j\u00fcnger war &#8211; Tian Jiang. Ein paar Worte \u00fcber Tian Jiang. Tian wuchs w\u00e4hrend der Kulturrevolution auf. Sein Vater war ein westlich-klassischer Musiker, ein Operns\u00e4nger, und wurde deshalb w\u00e4hrend der Kulturrevolution zensiert. Zur Zeit der Kulturrevolution waren alle klassischen K\u00fcnste, sowohl chinesische wie westliche, in China verboten. Alle Intellektuellen wurden gnadenlos verfolgt.<\/p>\n<p>So wuchs Tian auf und lernte Klavier spielen auf einem der wenigen Klaviere im Staatsbesitz, die ab und zu auch privat genutzt werden durften, und sein Vater unterrichtete ihn heimlich. Er mu\u00dfte alles Klassische heimlich lernen und dabei immer die Ohren offen halten, denn wenn die Roten Garden ihn erwischt h\u00e4tten, dann w\u00e4ren beide ins Gef\u00e4ngnis gekommen!<\/p>\n<p>Tian war neun Jahre alt, als die Kulturrevolution endete, und er war ein Teenager, als Isaac Stern, der gro\u00dfe amerikanische Geiger, 1979 als Kulturbotschafter nach China kam. Das war zur gleichen Zeit, als er seinen ber\u00fchmten, mit dem Academy Award ausgezeichneten Dokumentarfilm \u201eIsaac Stern in China: Von Mao zu Mozart\u201c produzierte. Und Tian und vier andere junge klassische Musiker, darunter zwei Geiger und ein Cellist, waren damals die erste Gruppe von f\u00fcnf jungen Leuten, die ein Stipendium erhielten, um in Amerika klassische Musik zu studieren.<\/p>\n<p>Nun, eines der Dinge, die mir in den Jahren nach 2008 bei Tian auffielen, waren unsere Gespr\u00e4che \u00fcber wahrheitsgetreue klassische musikalische Auff\u00fchrungen &#8211; insbesondere eine Diskussion, die wir \u00fcber Beethovens\u00a0<i>Hammerklaviersonate<\/i>\u00a0[Klaviersonate Nr. 29, Op. 106] hatten. Eines Abends setzten wir uns hin und h\u00f6rten die Einspielung von Andras Schiff. Und er lie\u00df sein Essen buchst\u00e4blich unangetastet, und ihm flossen Tr\u00e4nen \u00fcber das Gesicht. Und am Ende sagte er: \u201eIch sah mein ganzes Leben vor meinen Augen.\u201c<\/p>\n<h4>Klassische Konzerte f\u00fcr junge Leute<\/h4>\n<p>Ich werde auf die Bedeutung seiner Geschichte gleich noch zur\u00fcckkommen, denn unsere Stiftung entstand als Reaktion auf die wachsende Besorgnis vieler Menschen \u00fcber den moralischen und intellektuellen Niedergang unserer Gesellschaft, insbesondere in der Jugend. Viele Leute haben das bemerkt und fragten sich: \u201eWas k\u00f6nnen wir dagegen tun?\u201c Sie dachten, da\u00df das Problem sicher in der gewaltt\u00e4tigen Kultur liegt, die sich in der Musik und in Medien aller Arten ausdr\u00fcckt. Und da\u00df man dagegen ein Gegenmittel braucht. Und wir fragten, welche sozialen und kulturellen Mittel h\u00e4tten wir, um einen solchen Trend wirklich zu \u00e4ndern und umzukehren?<\/p>\n<p>Nun, als ich wieder anfing, klassische Musik anzuh\u00f6ren und zu spielen, erkannte ich, da\u00df die Musik der gro\u00dfen Genies &#8211; wie Bach, Beethoven, Mozart und viele andere &#8211; wirklich ein nat\u00fcrliches Medium ist, durch das junge Seelen nat\u00fcrlich wachsen k\u00f6nnen. Deshalb haben wir in den letzten 16 Monaten vier gr\u00f6\u00dfere Konzerte veranstaltet, und wir haben auch an zwei \u00f6ffentlichen Schulen Ch\u00f6re als freiwillige Programme gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Das kam in Gang, nachdem mich Tian 2011 informiert hatte, da\u00df er ein reines Mozart-Programm auff\u00fchren w\u00fcrde. Ich nutzte diese Gelegenheit, um das, was wir vorhatten und meiner Meinung nach getan werden mu\u00dfte, in die Tat umzusetzen. Wir fanden einen Sponsor f\u00fcr 150 Eintrittskarten und dann riefen wir die \u00f6ffentlichen Schulen an. Anfangs sagten mir einige der Schulleiter: \u201eSie wollen unseren Sch\u00fclern Tickets f\u00fcr ein reines Mozart-Konzert geben? Jay-Z vielleicht, aber doch nicht Mozart! Ich glaube nicht, da\u00df das irgend jemanden interessieren wird!\u201c Und ich antwortete: \u201eFragen Sie sie einfach. Bitte!\u201c Und einige Wochen sp\u00e4ter riefen er und einige andere mich zur\u00fcck, und derselbe Schulrektor sagte: \u201eNun, ich denke, ich habe ein paar Sch\u00fcler.\u201c Und eine Woche sp\u00e4ter sagte er: \u201eIch habe ein ganzes Boot voll von Sch\u00fclern!\u201c Schlie\u00dflich sagte er: \u201eWie viele Karten k\u00f6nnte ich bekommen? Kann ich 50 Karten bekommen? Ich habe eine Menge Kinder, die kommen wollen.\u201c<\/p>\n<p>Dieses Konzert im November 2011 wurde von Sch\u00fclern aus 18 Schulen besucht, und es bewies, da\u00df junge Leute heute tats\u00e4chlich ein Interesse\u00a0<i>haben<\/i>\u00a0f\u00fcr klassische Musik. Es widerlegte mit Sicherheit das Vorurteil, das die meisten Menschen haben, da\u00df die jungen Leute keine klassische Musik m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste, was wir dann, einen Monat sp\u00e4ter, taten, hatte einen etwas anderen Zweck. Es sollte, ausgehend von dem vorhandenen Interesse der Sch\u00fcler, die Idee austesten, ob klassische Musik, ohne irgendwelche Belehrungen und Ermahnungen, das Medium f\u00fcr eine ganz nat\u00fcrliche, ungezwungene Verbesserung der Aufmerksamkeit und Konzentrationsspanne sein kann &#8211; und das sogar schon bei der ersten Begegnung mit einem komplexen, sogar schwierigen klassischen Konzert? Dieses Konzert, das im Bruno-Walter-Auditorium des Lincoln Center stattfand, gab dann wieder der Konzertpianist Tian Jiang. Tian hatte zun\u00e4chst die Sorge, da\u00df die von ihm ausgew\u00e4hlte 7. Klaviersonate von Beethoven f\u00fcr die unausgebildeten jungen Menschen zu schwer zu verstehen w\u00e4re, denn sie hat vier S\u00e4tze und gilt im allgemeinen selbst f\u00fcr die typischen Liebhaber klassischer Musik als schwierig. Und tats\u00e4chlich waren auch zu Beginn des Konzerts viele Leute &#8211; Lehrer und Sch\u00fcler, es waren etwa 200 &#8211; etwas unruhig.<\/p>\n<p>Aber dann geschah etwas Au\u00dferordentliches: Ab der Mitte des zweiten Satzes dieser Beethoven-Klaviersonate war das Publikum so still, da\u00df man eine Stecknadel h\u00e4tte fallen h\u00f6ren. Die gesamte Aufmerksamkeit konzentrierte sich buchst\u00e4blich auf den Pianisten, und am Ende des Konzerts konnte man bei jedem im Publikum diese st\u00e4rkere Aufmerksamkeit und Aufgewecktheit sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Und die Sch\u00fcler stellten ihm nach dem Konzert Fragen, ohne da\u00df wir ihn gebeten hatten, noch da zu bleiben, sie waren einfach so begeistert und interessiert. Das scheint mir wirklich die Vorstellung zu widerlegen, da\u00df man die Menschen nur besser machen k\u00f6nne, indem man ihnen sagt, was sie tun sollen. Nein, so ist es tats\u00e4chlich nicht. Man kann es am besten durch das nat\u00fcrliche Medium, um Aufmerksamkeit und Konzentration zu erzeugen, und das sind die klassische Musik und klassische Kompositionen und klassische Auff\u00fchrungen.<\/p>\n<p>Nach diesem Konzert geschah dann noch etwas anderes. Wir wollten testen, ob wir ein gro\u00dfes Publikum organisieren k\u00f6nnten, weitgehend oder \u00fcberwiegend von Menschen, die sonst keine klassische Musik h\u00f6ren &#8211; wovon alle dachten, \u201eein solches Konzert ist v\u00f6llig unm\u00f6glich\u201c. Das Konzert fand im Mai 2012 in der angesehensten Konzerthalle f\u00fcr klassische Musik in Amerika statt, dem Isaac-Stern-Auditorium in der Carnegie Hall. Viele Leute, unter anderem vom Schulamt und sogar von der Carnegie Hall selbst, hatten gro\u00dfe Bedenken dagegen, da\u00df wir daf\u00fcr mobilisierten, diese Halle mit 2800 Pl\u00e4tzen an einem Sonntag zu f\u00fcllen &#8211; noch dazu am Muttertag, wenn die Menschen normalerweise nicht in Konzerte gehen! Au\u00dferdem wurden f\u00fcr sie keine Busse bereitgestellt, sie mu\u00dften also alle selbst und vollkommen freiwillig kommen.<\/p>\n<p>Aber wir haben etwa 2200 Menschen zusammengebracht. Etwa 1700 davon waren Sch\u00fcler, Eltern und Lehrer, und sie kamen aus mehr als 70 \u00f6ffentlichen Schulen aus allen Teilen von New York City. Sie kamen in Gruppen zu f\u00fcnf, sieben oder zehn Personen &#8211; von Kleinkindern auf dem Scho\u00df der Mutter bis zu Gro\u00dfm\u00fcttern im Rollstuhl.<\/p>\n<p>Und es war ein wirklich anspruchsvolles Programm: Bach, Mozart, Beethoven, Brahms. Wir hatten niemanden darauf vorbereitet, und das waren junge Leute und \u00e4ltere Leute, die keine typischen H\u00f6rer klassischer Musik waren &#8211; sie waren sicher noch nie in der Carnegie Hall gewesen und hatten diese Musik noch nicht geh\u00f6rt. Und es kam kein Mucks von den kleinen Kindern! Hinterher hat man mir erz\u00e4hlt, da\u00df einige Jungen, Teenager, die erst gesagt hatten, sie wollten nach der Pause gehen, nicht gegangen waren. Und dieses Publikum hat diese Musik sicherlich vollkommen verstanden und gew\u00fcrdigt. Es gab w\u00e4hrend des Konzerts immer wieder anhaltenden Applaus, und das Interesse war so gro\u00df, da\u00df die Leute hinterher zu mir kamen und sagten: \u201eWir verstehen jetzt, was Sie \u00fcber die klassische Musik sagen und wie sie die Menschen begeistern kann. Wir wollen mitmachen, wir wollen etwas daf\u00fcr tun.\u201c<\/p>\n<h4>Das Chorprojekt<\/h4>\n<p>Diese Konzerte wurden organisiert, um die Menschen durch Sch\u00f6nheit zu erheben und zu begeistern, aber sie sollten auch Vorurteile widerlegen. Beides gelang, und daran hatte Tian wirklich wichtigen, entscheidenden Anteil, denn er f\u00fchrte diese Musik von Bach und Beethoven und Mozart auf &#8211; und das vor allem wahrheitsgetreu, mit Sch\u00f6nheit. Und deshalb hat das ganze funktioniert.<\/p>\n<p>Nun, im Verlauf dieser Konzerte kamen Sch\u00fcler und Lehrer und einige Eltern, die von der Musik inspiriert waren, zu uns und fragten, wie sie mitmachen k\u00f6nnen. Daraus entstand die Idee, junge Leute dadurch zu beteiligen, da\u00df sie Musik singen. So entstand unser H\u00e4ndel-Projekt, unser H\u00e4ndel-Chorprogramm: Die Idee war, da\u00df im Prinzip jeder, der eine Sprache sprechen kann, auch singen kann! Und gut singen kann. Das w\u00e4re eine m\u00e4chtige und konkrete Idee, mehr noch, eine Demonstration, wie man durch eine soziale Ver\u00e4nderung die einzelnen Sch\u00fcler ver\u00e4ndern kann, indem man einen neuen Chor oder mehrere Ch\u00f6re f\u00fcr junge Leute schafft. Wenn junge Menschen sich selbst beweisen, da\u00df sie etwas schaffen k\u00f6nnen, was sie sich nicht zugetraut hatten, n\u00e4mlich durch die Praxis die musikalischen Gedanken aller dieser gro\u00dfen Genies zu verstehen, dann befreien sie sich. Sie tun etwas, was sie bis dahin f\u00fcr unm\u00f6glich gehalten hatten, aber nun wu\u00dften sie, da\u00df es ihnen absolut m\u00f6glich war!<\/p>\n<p>Das ist keine neue Idee, es ist kein neues Konzept. Einer der Lehrer, die ich beim Organisieren dieser Konzerte kennengelernt habe, ist der stellvertretende Schuldirektor Richard Hyman an der Francis Lewis High School in Queens. Richard hat ein wirklich eindrucksvolles Forschungspapier verfa\u00dft, mit dem Titel \u201eMusikausbildung und Gehirnentwicklung 2011\u201c. Er hat systematisch mehr als 600 Studien durchgearbeitet, die in den letzten 30 Jahren erschienen sind, und schl\u00fcssig bewiesen, wie ein Neurologe sagte: \u201eIn Gruppen zu musizieren, ist eine enorm anspruchsvolle Aufgabe f\u00fcr das menschliche Gehirn, die beinahe alle uns bekannten kognitiven Prozesse fordert, darunter Wahrnehmung, Handeln, Denken, soziales Denken, Emotionen, Lernen und Ged\u00e4chtnis. Dieser Reichtum macht die Musik zum idealen Instrument, um die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns zu untersuchen.\u201c<\/p>\n<p>Richard schreibt in seinem Aufsatz: \u201eAls Platon seine Vision aufschrieb, was Bildung sein sollte, empfahl er blo\u00df zwei Dinge: Gymnastik f\u00fcr den K\u00f6rper und Musik f\u00fcr den Geist.\u201c Aber in diesem Land galt der Musikunterricht immer als etwas weniger wichtiges und au\u00dferschulisches, als eine \u201eBesonderheit\u201c oder ein \u201eZusatz\u201c &#8211; was eigentlich nur ein Euphemismus ist f\u00fcr \u201eentbehrlich\u201c. Und jedesmal, wenn eine Haushaltsk\u00fcrzung vorgenommen wird, wird als erstes an der Musik gespart. Das geht in Amerika jetzt schon seit 30 Jahren so!<\/p>\n<p>Hyman nahm also ein Studienjahr und schrieb dieses Papier als Versuch, dem Schulamt zu beweisen, da\u00df Musik nicht nur wichtig, sondern ganz entscheidend ist, damit man sie wieder in den Lehrplan hineinbringt! Er sagte, er sei \u00fcberzeugt, da\u00df \u201edieses kognitive, wahrnehmende, wirksame und einfallsreiche Unternehmen, das wir ,\u00e4sthetische Erziehung\u2019 nennen, die Atmosph\u00e4re in den Schulen ver\u00e4ndern kann. Ich bin \u00fcberzeugt, da\u00df sie zentral werden mu\u00df, wenn unsere Schulen wirklich bildend, stimulierend, herausfordernd werden sollen, wie es die meisten von uns w\u00fcnschen. Ich glaube, wenn man den Menschen Fenster und T\u00fcren \u00f6ffnet, um sie frei zu machen, ihre Vorstellungskraft und ihren Geist und ihre Wahrnehmungsf\u00e4higkeit zu nutzen, da\u00df das Leben retten und ver\u00e4ndern kann.\u201c<\/p>\n<p>Er war wirklich sehr besorgt. Er sagte mir, nachdem er mehr als 30 Jahre als Lehrer im Schuldienst verbracht hat, die jungen Leute h\u00e4tten bei den Pr\u00fcfungen heute nur noch 20% der verbalen und mathematischen F\u00e4higkeiten, die High-School-Absolventen in den 50er Jahren hatten! Sie sind also heute um 80% d\u00fcmmer. Und die Forschungen der letzten 30 Jahre zeigen au\u00dferdem, da\u00df der Musikunterricht viele Bereiche des Gehirns f\u00f6rdert, die die Effizienz der Arbeitsweise des Gehirns vergr\u00f6\u00dfern. Der Geist lernt, sehr, sehr vieles zu leisten &#8211; alles, was ein Mensch im Leben tut.<\/p>\n<p>Und er f\u00e4hrt fort: \u201eMusiker verstehen, da\u00df eine Musikausbildung grundlegend das Leben ver\u00e4ndert. Aufgrund des beklagenswerten Zustands der Musikausbildung in diesem Land sind die meisten sich ihres kreativen Potentials gar nicht bewu\u00dft. Sie m\u00f6gen Musik h\u00f6ren, aber sie werden dazu herangezogen, sich selbst nur als H\u00f6rer zu betrachten, nicht als aktive Teilnehmer, und sie sind \u00fcberzeugt, da\u00df nur besonders begabte Menschen Musik auff\u00fchren oder komponieren k\u00f6nnen. Die Rolle der \u00d6ffentlichkeit ist auf die eines Konsumenten reduziert und ein gro\u00dfer Teil dessen, was gekauft wird, ist langweilig und simple Wiederholung. Der Wert der Musikausbildung liegt in der F\u00e4higkeit, die fundamentale Menschlichkeit einer Person auf allen Ebenen zu heben und die Vorstellungskraft zu befreien, damit der Sch\u00fcler frei ist, Sch\u00f6nheit in einer ihrer erf\u00fcllendsten und ausgereiftesten Formen zu erleben.\u201c<\/p>\n<p>Das also sind unsere Erfahrungen. Das ist es, was wir versuchen mit dem Chorprogramm, das wir begonnen haben, und mit den Musikkonzerten, mit denen wir die Menschen begeistern wollen. Deshalb ist das Motto unserer Stiftung: \u201eDie K\u00fcnstler sind die unerkannten Gesetzgeber der Welt\u201c, nach Percy Shelleys<i>Verteidigung der Poesie<\/i>. Und das ist wahr, oder nicht? Poesie ist tats\u00e4chlich eine Praxis, Musik ist eine Praxis, und es ist eine Praxis, die auf Hunderte und Tausende und Millionen Menschen ausgeweitet werden kann, wenn wir es wollen. Das ist etwas, was wir alle praktizieren k\u00f6nnen, von diesem Moment an!<\/p>\n<p>Nur noch ein kurzes Wort zu unserem letzten Konzert und wie wir mehr Menschen daran beteiligt haben. Als wir damit besch\u00e4ftigt waren, hat mich jemand mit der Sopranistin Fang Tao Jiang bekannt gemacht, die Sie alle heute nachmittag bereits geh\u00f6rt haben. Bei den Vorbereitungen f\u00fcr das letzte Konzert ging es z.B. darum, etwas f\u00fcr die Menschen zu tun, die vom Hurrikan Sandy betroffen waren. Aber wie sich dann herausstellte, war es dann auch f\u00fcr diejenigen, die k\u00fcrzlich von der Schie\u00dferei in Connecticut betroffen waren, denn viele Eltern waren da wirklich sehr verst\u00f6rt \u00fcber den Gedanken, was f\u00fcr einen Zusammenbruch der Gesellschaft das darstellt. Sie wollen also nicht blo\u00df pers\u00f6nlich getr\u00f6stet werden, sie wollen wissen, was zu tun ist. Und mit Hilfe dieser klassischen Musiker, wie Fang Tao Jiang, gelang es uns, die Menschen zu erheben, es gelang uns, die Menschen an etwas teilhaben zu lassen, was von Natur aus sch\u00f6n ist!<\/p>\n<p>Und was sagt uns das alles? Nun, ich denke, es ist absolut m\u00f6glich, da\u00df wir eine bedeutende \u00c4nderung und einen Unterschied im Leben der Menschen herbeif\u00fchren und sie inspirieren, ein anderes Bewu\u00dftsein zu praktizieren. Das Aus\u00fcben klassischer Musik kann ansteckend sein und wirksam helfen, unsere Menschlichkeit und unsere Wahrhaftigkeit umfassend zu entwickeln. Ich habe das selbst erfahren, ich wei\u00df es von dort, wo ich herkomme. Und angesichts der Peinlichkeit des Playback-Gesangs von Beyonce bei der Amtseinf\u00fchrung des Pr\u00e4sidenten neulich und des best\u00e4ndigen Mangels an Wahrhaftigkeit im Leben eines Gro\u00dfteils der Amerikaner heute denke ich, da\u00df wir alle heute die Kraft der klassischen Musik f\u00fcr Ver\u00e4nderung aufnehmen m\u00fcssen und da\u00df sie sicherlich notwendiger und st\u00e4rker ist als jemals zuvor.<\/p>\n<p>Vielen Dank.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lynn Yen von der Stiftung f\u00fcr die Erneuerung der Klassischen Kultur berichtete bei der New Yorker Konferenz des Schiller-Instituts \u00fcber die Arbeit der Stiftung. Im Wortlaut Kesha Rogers mit ihrer Einf\u00fchrung heute nachmittag kann ich v\u00f6llig recht geben: Die Grundlage unserer Stiftung bilden Schillers Worte: \u201eEs ist die Sch\u00f6nheit, durch welche man zur Freiheit wandert.\u201c [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"featured_media":2212,"menu_order":121,"template":"","meta":{"footnotes":""},"portfolio_category":[92,87],"class_list":["post-2348","portfolio_cpt","type-portfolio_cpt","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","portfolio_category-musik","portfolio_category-ny20130126"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt\/2348","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt"}],"about":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/portfolio_cpt"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_cpt\/2348\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2212"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2348"}],"wp:term":[{"taxonomy":"portfolio_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/portfolio_category?post=2348"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}