{"id":22638,"date":"2014-10-22T09:20:02","date_gmt":"2014-10-22T07:20:02","guid":{"rendered":"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/media\/prof-dr-dieter-ameling-the-role-of-steel-in-the-new-silk-road-2\/"},"modified":"2014-11-08T12:16:43","modified_gmt":"2014-11-08T11:16:43","slug":"prof-dr-dieter-ameling-the-role-of-steel-in-the-new-silk-road","status":"publish","type":"portfolio_cpt","link":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/portfolio\/prof-dr-dieter-ameling-the-role-of-steel-in-the-new-silk-road\/","title":{"rendered":"Prof. Dieter Ameling: Die Rolle des Stahls in der Perspektive der Neuen Seidenstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<h2>Prof. Dieter Ameling<\/h2>\n<p><em>fr\u00fcherer Pr\u00e4sident der Wirtschaftsvereinigung Stahl und ehemaliger Vorsitzender des Stahlinstituts VDEh.<\/em><\/p>\n<hr class=\"shortcode-hr\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meine sehr verehrten Damen, meine Herren, ich m\u00f6chte mich als erstes beim Schiller-Institut bedanken f\u00fcr die Einladung, heute nachmittag einen Vortrag zu halten zu dem Thema \u201eDie Rolle des Stahls in der Perspektive der Neuen Seidenstra\u00dfe\u201c. Und ich will versuchen, die Botschaft hin\u00fcberzubringen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Stahl-Zentrum<\/p>\n<p>Abb. 1: Stahl &#8211; der Werkstoff Nummer Eins in der Welt.<\/p>\n<p>(ameling1)<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Ich beginne mit diesem Bild (<i>Abbildung 1<\/i>), um \u201eDie Bedeutung des Werkstoffes Stahl\u201c herauszustellen. Stahl tr\u00e4gt die Welt, und Stahl bewegt die Welt. Wenn Sie sich einmal einen Augenblick vorstellen, wir h\u00e4tten keinen Stahl &#8211; wir h\u00e4tten keine M\u00f6glichkeit mehr, zu fahren, zu schwimmen oder mit dem Flugzeug zu fliegen. F\u00fcr alle diese Aktivit\u00e4ten brauchen Sie den wunderbaren Werkstoff Stahl. Das ist ohne Zweifel der Werkstoff Nummer Eins in der Welt. Stahl als Fertig- oder halbfertiges Produkt, ungeformt, veredelt oder bearbeitet, in allen m\u00f6glichen Varianten wird er von unseren Unternehmen hergestellt.<\/p>\n<p>Insbesondere die Automobilindustrie ist nat\u00fcrlich ein sehr gro\u00dfer Kunde. Wenn Sie allein daran denken, da\u00df im Wolfsburger Volkswagenwerk jeden Tag 4000 Golf gebaut werden, dann sind das auch mindestens 4000 t Stahl, die daf\u00fcr gebraucht werden. Denn es gibt ja eine Menge Schrott, der bei der Produktion noch anf\u00e4llt &#8211; Abschnitte etc. -, und das mu\u00df logistisch alles aufeinander abgestimmt sein. Man kann also wirklich sagen: Ohne den Stahl w\u00fcrde sich auf der Welt nichts mehr bewegen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Stahl-Zentrum<\/p>\n<p>Abb. 2: Weltstahlerzeugung 1970-2013, Mio. Tonnen\/Jahr (Quellen: Stahl: worldsteel; Aluminium: International Aluminium Institute; Magnesium: US Geological Survey; Kunststoffe: PlasticsEurope Market Research Group)<\/p>\n<p lang=\"en-GB\">(ameling2)<\/p>\n<p lang=\"en-GB\">&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Und wenn wir einmal die Bedeutung des Werkstoffes Stahl vergleichen mit anderen Werkstoffen (<i>Abbildung 2<\/i>), dann sind wir sehr schnell bei diesem Bild: Sie sehen hier, ganz links am Bildrand, die S\u00e4ule des Werkstoffes Stahl f\u00fcr das Jahr 2013: 1,607 Mrd. t Stahl sind in diesem Zeitraum, im Jahr 2013, produziert worden. Und im Vergleich dazu spielt das Aluminium eine relativ geringe Rolle, mit 107 Mio. t, Magnesium schon gar nicht. Plastik allerdings hat mit 288 Mio. t schon einen ganz bemerkenswerten Anteil. Aber ausschlie\u00dflich mit Plastik kann man keine Autos bauen, man ist dann immer noch auf den Werkstoff Stahl angewiesen. Und ganz am rechten Bildrand ist der Karbonfaser-verst\u00e4rkte Kunststoff aufgef\u00fchrt, der sich jetzt gerade erst in der Entwicklungsphase befindet, der aber sicherlich in der Zukunft etwas gr\u00f6\u00dfere Anteile realisieren wird.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Stahl-Zentrum<\/p>\n<p>Abb. 3: Rohstahlproduktion weltweit seit 1900, Mio. t\/Jahr.<\/p>\n<p>(ameling3)<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Wenn wir uns die Entwicklung der Weltstahlproduktion von 1900 an betrachten (<i>Abbildung 3<\/i>), dann darf ich das mal wie folgt kommentieren: Etwa bis zum Jahre 1950 ist das eine sehr, sehr geringe Steigerung, die in der Produktion erzielt wurde. Erst ab dem Jahre 1950 kommt dann ein steilerer Anstieg, der sich in den siebziger, in den achtziger und zum Teil auch noch in den neunziger Jahren in eine S\u00e4ttigung eingespielt hat &#8211; also keine gr\u00f6\u00dferen Anteile mehr, kein gr\u00f6\u00dferes Wachstum mehr. Und erst ab dem Jahre 2000 beginnt dann eine explosionsartige Vermehrung der Stahlproduktion &#8211; in China.<\/p>\n<p>China ist die Nummer Eins bei der Stahlproduktion<\/p>\n<p>China ist inzwischen die absolute Nummer Eins in der Rohstahlerzeugung in der Welt, wie ich Ihnen auch anhand der weiteren Bilder noch vorstellen werde. Die Entwicklung Chinas k\u00f6nnen Sie anhand dieser Kurve schon in etwa erahnen: Man hat dort in den sechziger und siebziger und achtziger Jahren nur ganz wenig produziert, deutlich unter 100 Mio. t, und erst dann kommt ein langsamerer Anstieg, der dann explosionsartig gr\u00f6\u00dfer wird im Jahre 2000\/2001.<\/p>\n<p>Darunter sehen Sie noch eine ganz kleine Kurve, die kommt gleich im n\u00e4chsten Bild noch etwas deutlicher, das ist die Entwicklung in Indien. Und wir werden das gleich gemeinsam noch versuchen zu analysieren: Was unterscheidet eigentlich Indien von China?<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Stahl-Zentrum<\/p>\n<p>Abb. 4: Rohstahlerzeugung in China und Indien, in Mio. t\/Jahr.<\/p>\n<p>(ameling4)<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Hier (<i>Abbildung 4<\/i>) kommt das noch etwas deutlicher zum Vorschein: Hier sehen Sie in China &#8211; das ist der erste, gelbe Abschnitt dieser Karte &#8211; etwa bis zum Jahre 1979 eine ganz schwankende und ganz niedrige Rohstahlerzeugung pro Jahr, deutlich unter 50 Mio. t, die dann 1989 langsam weitergestiegen ist, bis zum Jahre 2000, in dem zum ersten Male etwa 120-130 Mio. t in China erzeugt wurden, um dann allerdings in den darauf folgenden Jahren explosionsartig zu wachsen.<\/p>\n<p>Indien zieht nach &#8211; aber langsamer<\/p>\n<p>Und nun, im Vergleich dazu, Indien: In Indien spielte der Werkstoff lange Zeit eine sehr untergeordnete Rolle, keine Frage, und erst etwa im Jahre 2005 beginnen dann die Inder neue Modelle zu entwickeln, wie man sich die zuk\u00fcnftige Rohstahlproduktion in Indien vorstellt. Und wenn ich Ihnen sagte, da\u00df Indien auch heute noch &#8211; im Jahr 2013 &#8211; nur 80 Mio. t Stahl produziert hat, dann ist das im Vergleich zu China nat\u00fcrlich eine sehr, sehr niedrige Zahl, obwohl sich die Bev\u00f6lkerung in beiden Staaten langsam ann\u00e4hert, wie Sie gleich noch sehen werden.<\/p>\n<p>Ich f\u00fcrchte, da\u00df die Entwicklung in Indien so schleppend und langsam weitergeht, denn solche Entscheidungen, wie sie in China fallen &#8211; \u201ewir bauen jetzt von Peking nach Shanghai eine Eisenbahn, die wird heute beschlossen und morgen umgesetzt\u201c -: Wenn Sie das in Indien machen w\u00fcrden, also beschlie\u00dfen, eine Eisenbahn quer durch den Subkontinent zu bauen, dann w\u00fcrde das nicht morgen anfangen, sondern vielleicht erst 14 Tage sp\u00e4ter, und erst in mehreren Jahren fertig werden. Die Chinesen haben hier eben den gro\u00dfen Vorteil, da\u00df sie solche Entscheidungen sehr viel schneller und sehr viel konsequenter umsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Stahl-Zentrum<\/p>\n<p>Abb. 5: Rohstahlerzeugung weltweit, nach Regionen (in %).<\/p>\n<p>(ameling5)<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Und wenn man nun im Vergleich zu der Ist-Situation in China auch noch die anderen Regionen der Welt betrachtet (<i>Abbildung 5<\/i>), dann ist dieses Bild sicher geeignet daf\u00fcr, das darzustellen. Sie sehen hier am rechten Bildrand das Jahr 2013. Sie sehen wieder die 1,6 Mrd. t, die Sie schon in dem ersten Bild gesehen haben, und China hat inzwischen einen Anteil von fast 50% an der Rohstahlproduktion der Welt erreicht &#8211; und das innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren.<\/p>\n<p>Das ist eine dramatische Entwicklung, und man kann heute sagen, das Zentrum der Stahlerzeugung der Welt befindet sich in Asien. Dann liegen wir immer richtig. Das war mal in den USA, in den f\u00fcnfziger Jahren lag das Zentrum der Stahlerzeugung in den USA; in den siebziger und neunziger Jahren ist es eher \u00fcber Europa gewachsen, und eben seit dem Jahr 2000 dann in China und in Asien.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Stahl-Zentrum<\/p>\n<p>Abb. 6: Rohstahlerzeugung weltweit 2012 und 2013 (in Mio. t)<\/p>\n<p>(ameling6)<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Die \u00fcbrigen Staaten der Welt, die ebenfalls an der Stahlproduktion beteiligt sind, zeige ich Ihnen in diesem Bild (<i>Abbildung 6<\/i>). Nach China ist die EU &#8211; noch der 27, in 2013 &#8211; die Nummer zwei, aber mit ganz deutlichem, erheblichem Abstand gegen\u00fcber China, das auch in 2013 noch \u00fcber die Produktion des Jahres 2012 hinausgegangen ist. Und der kleine rote Anteil, das ist der Anteil Deutschlands an der Produktion der Europ\u00e4ischen Union, der liegt bei etwa 45 Mio. t. Das ist die Menge, die die Chinesen in einem halben Monat erzeugen, und wir brauchen daf\u00fcr ein ganzes Jahr.<\/p>\n<p>Dann kommen Japan, die USA und Indien &#8211; da sind auch die 81 Mio. t, die ich Ihnen schon nannte -, dann kommen Ru\u00dfland, S\u00fcdkorea, die T\u00fcrkei und Brasilien, um Ihnen nur die f\u00fchrenden Weltstahlproduzenten zu nennen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Abb. 7: Weltweite Stahlnachfrage nach Sektoren 2011 und 2025<\/p>\n<p>Stahlerzeugung 2011: 1414 Mio. t, Rohstahl-\u00c4quivalent 1537 Mio. t,<\/p>\n<p lang=\"it-IT\">OECD-Prognose 2025: 2347 Mio. t, Rohstahl-\u00c4quivalent 2551 Mio. t.<\/p>\n<p>(Quelle: OECD, Dez. 2012)<\/p>\n<p>(ameling7)<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Wenn Sie mich fragen, wie geht die Entwicklung bei Stahl weiter, dann verweise ich auf eine Untersuchung, die im Dezember 2012 von der OECD vorgelegt worden ist. Sie kommt zu dem Ergebnis, da\u00df wir im Jahre 2025 auf 2,5 Mrd. t Stahl kommen werden (<i>Abbildung 7<\/i>).<\/p>\n<p>Das ist eine Zahl, die aus meiner Sicht arg hoch gegriffen ist; insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen auf unserem Globus ist die Zahl, glaube ich, etwas zu hoch gegriffen. Aber wenn es nur 2,2 Mrd. t Stahl werden w\u00fcrden, w\u00e4re das ja auch schon eine exorbitant gro\u00dfe Zahl, die gebraucht wird f\u00fcr allerlei Werkstoffanwendungen insgesamt.<\/p>\n<p>Auch die Nachfrage nach Rohstoffen w\u00e4chst<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Abb. 8: Angereichertes Eisenerz, Weltproduktion in Mio. t. (Quellen: ThyssenKrupp Steel, WG iron Ore, US Geological Survey, Steel Institute, VDEh)<\/p>\n<p>(ameling8)<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Rohstoffe sind nat\u00fcrlich ganz wichtige Komponenten, um solche Werkstoffe herstellen zu k\u00f6nnen. Sie sehen in diesem Bild (<i>Abbildung 8<\/i>) die Weltproduktion f\u00fcr angereichertes Eisenerz. Viele Erze, die aus der Mine kommen &#8211; wir sagen Run-off-mine-Erze &#8211; kann man direkt, unmittelbar einsetzen f\u00fcr die Stahlerzeugung. Es gibt aber auch Erzgruben, die nicht so hohe Eisenanteile enthalten, da macht man vorher einen Anreicherungsproze\u00df, so da\u00df mehr Eisen im Eisenerz, in der aufbereiteten Masse, enthalten ist, und das nennt man dann eben Anreicherung von Eisenerz.<\/p>\n<p>Und um diese Mengen insgesamt handelt es sich hier: Es sind 2,3 Mrd. t Eisenerz, die wir jedes Jahr einsetzen, um die Weltrohstahlproduktion zu versorgen. Und kein Zweifel, China ist auch hier die Nummer Eins. China produziert selber eine relativ gro\u00dfe Menge an Eisenerz, importiert aber aus Australien und heute sogar aus Brasilien Eisenerze, um den Gesamtbedarf in China decken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Stahl-Zentrum<\/p>\n<p>Abb. 9: Weltkoksproduktion nach Regionen 2013. <span lang=\"en-GB\">(Quellen: Andrew Jones, Resource.net, European Coke Committee) <\/span><\/p>\n<p>(ameling9)<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Und ein \u00e4hnlich wichtiger Rohstoff ist der Koks, der Koks, der aus der Steinkohle hergestellt wird (<i>Abbildung 9<\/i>). Dem Eisenerz den Sauerstoff zu entziehen, das ist keine \u00fcberwiegend energetische Anwendung von Kohlenstoff, sondern das ist eine stoffliche Anwendung von Kohlenstoff, der eben dazu dient, diese Reaktion &#8211; Eisenoxid plus Kohlenstoff &#8211; so ablaufen zu lassen, da\u00df am Ende ein metallisches Eisen stehenbleibt. Das ist also eine stoffliche Anwendung dieses Werkstoffes. Aber auch dabei entsteht Kohlendioxid, das CO<sub>2<\/sub>, in der Anwendung dieses stofflichen Rohstoffes.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Abb. 10: Chinas Rohstoffhunger &#8211; Auswirkungen auf Afrika und Lateinamerika (Quelle: Deutsche Bank Research, Juni 2006)<\/p>\n<p>(ameling10)<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Chinas Rohstoffhunger beeinflu\u00dft die Welt, daran gibt es keinen Zweifel. China hat es sehr fr\u00fch verstanden, auch Kontakte mit den s\u00fcdamerikanischen Staaten zu finden, und hier insbesondere mit Argentinien und Brasilien (<i>Abbildung 10<\/i>). Brasilien ist hier ausgezeichnet in Blau, f\u00fcr die Rohstoffversorgung mit metallischen Rohstoffen, und das ist im wesentlichen Eisenerz; Argentinien ist hier aufgef\u00fchrt f\u00fcr Nahrungsmittel &#8211; Soja -, und in S\u00fcdafrika sind dann verschiedene Staaten beteiligt mit \u00d6llieferungen f\u00fcr China.<\/p>\n<p>Was hier noch fehlt in dem Bild, ist eigentlich die Versorgung Chinas mit Eisenerzen aus Indien. Die Inder haben in den vergangenen Jahren deutlich h\u00f6here Mengen an Eisenerz nach China geliefert, als das heute noch der Fall ist. Die Inder haben gegen\u00fcber den Chinesen das Eisenerz abgeblockt, wenn das fr\u00fcher einmal 100 Mio. t waren, sind es heute nur noch 3 Mio. t, die aus Indien nach China als Rohstoff f\u00fcr die dortige Stahlerzeugung geliefert werden.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Wirtschaftswoche<\/p>\n<p>Abb. 11: L\u00e4ndervergleich China, Indien, USA und Deutschland<\/p>\n<p>(ameling11)<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Hier kommt nun der L\u00e4ndervergleich, wie er von der Bev\u00f6lkerungsseite her aussieht (<i>Abbildung 11<\/i>), das sind die aktuellsten Zahlen, die ich hier eingetragen habe: China ist inzwischen auf 1,372 Mrd. Menschen angewachsen, noch st\u00e4rker allerdings Indien. Indien stand im Jahr 2006 noch bei 1,1 Mrd., die neueste Zahl ist jetzt 1,296 Mrd., das sind also jetzt fast 1,3 Mrd. Menschen, die in Indien leben, gefolgt vom n\u00e4chstgr\u00f6\u00dferen Bereich, den USA, mit 321 Mio. Menschen. Und daneben verschwindend gering ist die Bev\u00f6lkerung in Deutschland mit 81 Mio. Menschen.<\/p>\n<p>Darunter finden Sie den Fl\u00e4chenvergleich f\u00fcr die wesentlichen L\u00e4nder: die USA mit 9,8 Mio. km<sup>2<\/sup> und China mit 9,6 Mio. km<sup>2<\/sup>, gegen\u00fcber Indien mit 3,3 Mio. km<sup>2 <\/sup>&#8211; nur noch ein Drittel von China und den USA -, und ganz verschwindend niedrig ist dann der Anteil Deutschlands an der Fl\u00e4che der Welt, mit etwa knapp 400.000 km<sup>2. <\/sup><\/p>\n<p>Gewaltiges Wachstum in China<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Stahl-Zentrum<\/p>\n<p>Abb. 12: China: Rasantes Wachstum wichtiger Industrieprodukte (Quellen: Statistisches Jahrbuch China, CISA, Wu Xichun)<\/p>\n<p>(ameling12)<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Ich haben Ihnen ein paar Bilder mitgebracht, um zu zeigen, wie die chinesische Regierung ihren letzten oder besser gesagt vorletzten F\u00fcnfjahresplan behandelt hat (<i>Abbildung 12<\/i>). Das ist der Vergleich des F\u00fcnfjahresplans von 2000 bzw. von 2000 bis 2005, einen neueren Plan hatte ich leider noch nicht. Aber Sie sehen hier ganz erhebliche Steigerungsmengen, insbesondere nat\u00fcrlich beim Stahl: Sie sehen, da\u00df wir hier in 2005 auf fast 400 Mio. t gekommen sind. Die PKW-Produktion ist explosionsartig angestiegen, von 600.000 um 361% auf 2,77 Mio.; auch Zement ist noch deutlich gesteigert worden, bei Klimaanlagen eine dramatische Steigerung im F\u00fcnfjahresplan, und bei den PCs, also bei den pers\u00f6nlichen Computern, ebenfalls ein dramatischer Anstieg.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Beijing Review<\/p>\n<p>Abb. 13: China: Wichtige Entwicklungsziele bis 2010.<\/p>\n<p>(ameling 13)<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>In diesem Bild (<i>Abbildung 13<\/i>) sind die wichtigen Ziele der Politik in China zusammengestellt, auch vor dem Hintergrund Ihres Obertitels \u201eSeidenstra\u00dfe\u201c. Sie sehen hier in dem F\u00fcnfjahresplan von 2005 bis 2010 zun\u00e4chst das Bruttoinlandsprodukt (BIP), was ganz erheblich gesteigert wurde in dieser Zeit. Auch das BIP pro Einwohner ist ganz erheblich gestiegen, und wenn bei der Urbanisierung von 2005-2010 \u201enur\u201c 4% dazugekommen sind, dann m\u00fcssen Sie sich vergegenw\u00e4rtigen, da\u00df 4% der chinesischen Bev\u00f6lkerung etwa 100 Millionen sind. Und die unterzubringen in neuen Wohnungen hei\u00dft eben, daf\u00fcr Wohngeb\u00e4ude, ganze St\u00e4dte neu zu bauen, und daf\u00fcr wird nat\u00fcrlich auch ein gro\u00dfer Teil des vorhin genannten Stahles ben\u00f6tigt. Und selbst das Ziel, die Waldfl\u00e4che anzuheben &#8211; von 2005 bis 2010 um nur 2% &#8211; ist bezogen auf die gewaltige Fl\u00e4che dieses Landes auch ein vergleichsweise hoher Anteil.<\/p>\n<p>Es gibt nat\u00fcrlich auch eine Reihe von Schwachstellen im Bereich Chinas, das wollen wir in dem Zusammenhang auch nicht verkennen. Das sind die Probleme der Landwirtschaft; aus den S\u00fcnden der vorhergehenden Regierungen ist das \u00fcbrig geblieben, und es hat nat\u00fcrlich auch zu Massenarbeitslosigkeit in China gef\u00fchrt. Es gibt soziale Spannungen und unzureichende Sicherungssysteme, es ist das Problem der Privatisierung maroder Staatsbetriebe noch zu nennen, die Insolvenz des chinesischen Bankensystems, die Rivalit\u00e4ten zwischen kommunaler, regionaler und zentraler Macht, was sich auch immer wieder in unsere Regionen auswirkt, die zunehmende Ressourcenverknappung &#8211; das habe ich ja klar gemacht, wieviel Rohstoffe gebraucht werden &#8211; und nat\u00fcrlich das Problem des noch unzureichenden Umweltschutzes. Das sind die Sorgen, die auch die chinesische Regierung bewegen.<\/p>\n<p>Wir brauchen Innovationen<\/p>\n<p>Kein Zweifel daran, da\u00df wir Innovationen brauchen. Unsere chinesischen Kollegen oder unsere indischen Kollegen brauchen Innovationen, auch wir hier in Europa brauchen weiterhin Innovationen, um auch im internationalen Wettbewerb \u00fcberleben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese Innovationen f\u00fchren dann zu einer gr\u00f6\u00dferen Ressourceneffizienz, das ist unser allgemeines Ziel, mit den nat\u00fcrlichen Ressourcen wie Eisenerz, Energie, mit den Kapitalressourcen oder auch mit den Humanressourcen vorsichtig und sparsam umzugehen, um die Leistungsf\u00e4higkeit unserer Staatswesen auch aufrechterhalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn ich das auf den Werkstoff Stahl anwende, dann geht es darum, Werkstoffinnovationen zu entwickeln, Produktinnovationen, Anwendungsinnovationen, Organisations- und Verfahrensinnovationen. Das ist unser treibender Motor, nicht nur in Europa, sondern ganz besonders nat\u00fcrlich auch in China und in Indien &#8211; dort ist es etwas problematischer, weil Indien mit seiner B\u00fcrokratie so steile Wachstumsraten, wie wir sie in China vorgefunden haben, auch in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht haben wird.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>VW<\/p>\n<p>Abb. 14: Stahl-Innovationen im Automobil: Beanspruchungsgerechter Stahlg\u00fctereinsatz am Beispiel des VW Passat.<\/p>\n<p>(ameling14)<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Ich habe Ihnen nur ein einziges Beispiel mitgebracht zu dem Thema Werkstoffinnovationen: Hier (<i>Abbildung 14<\/i>) sehen Sie aus der Quelle VW die Zusammenstellung verschiedener Werkstoffe f\u00fcr das Automobil Passat, und die verschiedenen Farben dieses Bildes signalisieren verschiedene Festigkeitsklassen der verwendeten St\u00e4hle. Ich mache hier nur auf dieses orangefarbene Teil aufmerksam, das ist die sog. B-S\u00e4ule, Teile des Daches und Teile des Fu\u00dfraums, und hier die Sto\u00dff\u00e4nger: Das ist ein hochfester, schwierig umformbarer Werkstoff. Er f\u00fchrte z.B. dazu, da\u00df die Feuerwehren in Europa mit neuen Scheren ausger\u00fcstet werden m\u00fcssen, um \u00fcberhaupt bei Unf\u00e4llen die Personen freischneiden zu k\u00f6nnen. Dieser Werkstoff, der hier eingesetzt wird, ist so hart, da\u00df man ihn mit herk\u00f6mmlichen Scheren nicht mehr schneiden kann.<\/p>\n<p>Das ist eine klassische Produktinnovation, die der neue Passat gewonnen hat.<\/p>\n<p>Wir brauchen einen hohen Anteil industrieller Wertsch\u00f6pfung<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>IW<\/p>\n<p>Abb. 15: Anteil der Industrie an der Bruttowertsch\u00f6pfung in % (Quelle: OECD)<\/p>\n<p>(ameling15)<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Ein ganz wichtiges Kapitel ist das Kapitel der Industrialisierung. Unser Wohlstand hier in Deutschland und unser soziales Netz h\u00e4ngen ganz einfach vom Anteil der Bruttowertsch\u00f6pfung der Industrie an der Gesamtwertsch\u00f6pfung der Volkswirtschaft ab (<i>Abbildung 15<\/i>). Wir liegen hier in Deutschland derzeit immer noch bei rund 25% des BIP, 25% des BIP sind industrielle Wertsch\u00f6pfung. Korea, als Vergleichsland hier mit aufgef\u00fchrt, liegt deutlich \u00fcber 30%. Aber was ich f\u00fcr besonders kritisch halte, ist, da\u00df in England inzwischen der Anteil des industriellen Produkts an der gesamten volkswirtschaftlichen Leistung auf fast 15% abgesunken ist, und in Frankreich sogar noch tiefer abgesunken ist, n\u00e4mlich etwa 12,5-13%. Das ist im Vergleich dazu die besondere St\u00e4rke des Wirtschaftsstandortes Deutschland in der Europ\u00e4ischen Union, da\u00df hier noch ausreichende Wertsch\u00f6pfung im Bereich der industriellen Fertigung dargestellt werden kann.<\/p>\n<p>An den R\u00e4ndern w\u00e4chst n\u00e4mlich inzwischen die Armut. Dies ist ein Artikel, den ich zitiere, aus der <i>Frankfurter Allgemeinen Zeitung<\/i> vom Juni dieses Jahres: \u201eEine brisante Studie aus Gro\u00dfbritannien zeigt: Trotz steigender Wirtschaftskraft nimmt die materielle Not zu. Eltern sparen am eigenen Essen, um ihre Kinder satt zu bekommen, B\u00fcrgern fehlt es an Kleidung und Familien frieren daheim, weil sie Heizkosten sparen m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Das sind massive, kritische Schwachpunkte dieser Volkswirtschaft, die unter anderem ganz klar darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, da\u00df der Anteil der industriellen Wertsch\u00f6pfung in diesem Land viel zu klein geworden ist. Wir m\u00fcssen alles daran setzen, um insbesondere unsere Politiker und unsere Wirtschaftspolitiker zu \u00fcberzeugen, da\u00df wir unseren 25%-Anteil an der Bruttowertsch\u00f6pfung aufrecht erhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>IW<\/p>\n<p>Abb. 16: Energie-Boom in den USA (Ursprungsdaten: BP)<\/p>\n<p>(ameling)<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Ein anderes Thema, was uns nat\u00fcrlich auch bewegt, ist die Frage der Energieversorgung, und da habe ich Ihnen dieses Bild mitgebracht (<i>Abbildung 16<\/i>). Es gibt einen Energieboom in den USA. Die \u00d6lproduktion ist von 2000 bis 2013 ganz deutlich gestiegen, wie man hier leicht erkennen kann. In der Europ\u00e4ischen Union sieht man ebenfalls die Gasproduktion in Mrd. m<sup>3.<\/sup> Hier spielt hinein, da\u00df insbesondere in den USA eine neue Technologie der Gewinnung von Schiefergas und Schiefer\u00f6l praktiziert wird, die dazu f\u00fchrt, da\u00df die Energiepreise in dem Land sehr stark abgesunken sind. Sie liegen dort heute bei einem Viertel bis einem Drittel der Energiepreise, die wir hier in Europa haben, und das erkl\u00e4rt nat\u00fcrlich eine besondere Leistungsf\u00e4higkeit der Amerikaner. Und das k\u00f6nnte auch dazu f\u00fchren, da\u00df unsere Industrie st\u00e4rker in Richtung USA abwandert, um eben diese g\u00fcnstigeren Energiepreise mitnehmen zu k\u00f6nnen und sich nicht mit dem Problem des Emissionshandels und der erneuerbaren Energien in Europa herumplagen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>IW<\/p>\n<p>Abb. 17: Erdgas: Fracking l\u00e4\u00dft die Preise purzeln. Durchschnittspreise je Einheit Erdgas (in US-Dollar).<\/p>\n<p>(Ursprungsdaten BP)<\/p>\n<p>(ameling17)<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Das ist die Entwicklung der Gaspreise (<i>Abbildung 17<\/i>) &#8211; \u201eFracking l\u00e4\u00dft die Preise purzeln\u201c. Sie sehen die Kurve f\u00fcr Deutschland mit 10,7 am rechten Bildrand, und mit 3,7 in den USA, da kann man also sagen: Die Amerikaner haben ein Drittel der Energiepreise, die wir hier in Europa haben, und damit ganz erhebliche Wettbewerbsvorteile realisiert.<\/p>\n<p>Zusammenfassung<\/p>\n<p>Damit bin ich auch schon bei meiner Zusammenfassung.<\/p>\n<p>* Stahl ist ohne Zweifel weltweit der Werkstoff Nr. 1.<\/p>\n<p>* Die Rohstahlproduktion steigt weiter, aber zurzeit gibt es auch Probleme mit \u00dcberkapazit\u00e4ten. &#8211; Das mu\u00df ich an dieser Stelle auch erw\u00e4hnen. Die Chinesen haben ihre Rohstahlkapazit\u00e4ten sehr stark ausgeweitet, die Fachleute reden heute davon, da\u00df China etwa 200 Mio. Tonnen Rohstahlkapazit\u00e4t zuviel hat, aber auch in Europa sind die Kapazit\u00e4ten derzeit zu hoch. Wir haben in Europa auch etwa 40 Mio. t zuviel an Kapazit\u00e4t, und das f\u00fchrt nat\u00fcrlich auch zu einem unzureichenden Preisniveau.<\/p>\n<p>* China ist der Stahlproduzent Nr. 1.<\/p>\n<p>* China braucht f\u00fcr die Wirtschaft hohe Wachstumsraten.<\/p>\n<p>* Indien wird kein zweites China, wegen der B\u00fcrokratie, ich habe es schon erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>* Die Rohstoffversorgung war knapp, das hat sich entspannt.<\/p>\n<p>* Innovationen sichern die Zukunft.<\/p>\n<p>* Voraussetzung f\u00fcr den Wohlstand ist ein Industrieanteil von 25% an der Bruttowertsch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>* Die USA haben die niedrigsten Energiekosten.<\/p>\n<p>Vielen Dank, da\u00df Sie mir so geduldig zugeh\u00f6rt haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dieter Ameling fr\u00fcherer Pr\u00e4sident der Wirtschaftsvereinigung Stahl und ehemaliger Vorsitzender des Stahlinstituts VDEh. &nbsp; Meine sehr verehrten Damen, meine Herren, ich m\u00f6chte mich als erstes beim Schiller-Institut bedanken f\u00fcr die Einladung, heute nachmittag einen Vortrag zu halten zu dem Thema \u201eDie Rolle des Stahls in der Perspektive der Neuen Seidenstra\u00dfe\u201c. 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