{"id":21767,"date":"2014-10-21T17:00:00","date_gmt":"2014-10-21T15:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/media\/europes-identity-the-advantage-of-the-other-in-the-new-paradigm-2\/"},"modified":"2014-11-14T10:09:03","modified_gmt":"2014-11-14T09:09:03","slug":"europes-identity-the-advantage-of-the-other-in-the-new-paradigm","status":"publish","type":"portfolio_cpt","link":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/portfolio\/europes-identity-the-advantage-of-the-other-in-the-new-paradigm\/","title":{"rendered":"Jacques Cheminade: Europas Identit\u00e4t: Der Vorteil des Anderen im Neuen Paradigma"},"content":{"rendered":"<h2 lang=\"en-US\">Jacques Cheminade<\/h2>\n<p lang=\"en-US\"><em>Pr\u00e4sident von Solidarit\u00e9 et Progr\u00e8s, Paris, Frankreich.\u00a0<\/em><\/p>\n<p lang=\"en-US\"><hr class=\"shortcode-hr\"><\/p>\n<p>Lassen Sie mich mit etwas beginnen, was ich vorher nicht geplant hatte: Es geht um <i>Fidelio.<\/i> [Diese Oper wurde in konzertanten Ausz\u00fcgen als H\u00f6hepunkt des ersten Konferenztages am Abend zuvor aufgef\u00fchrt, <i>Red<\/i>.] Es ist meine Lieblingsoper, und die einzige mit einem \u201eHappy End\u201c. Sie ist anders als die besten der gro\u00dfen Schauspiele, bei denen man beim Verlassen des Theaters \u00fcber das Scheitern nachdenkt, \u00fcber das tragische Ende des Helden oder der Heldin, und sich dazu herausgefordert f\u00fchlt, es besser zu machen als sie. Hier, im <i>Fidelio<\/i>, haben wir ein \u201eHappy End\u201c &#8211; aber nicht, weil wir pers\u00f6nlich in ein behagliches Gef\u00fchl, einen sozial entropischen Zustand versetzt werden. Es ist ein frohes Ende, weil es zeigt, da\u00df man das Schicksal meistern kann, wenn man seinen Mut und seinen Geist mobilisiert &#8211; und das ist etwas, was uns allen m\u00f6glich ist, denn wir alle sind Menschen, so wie Leonore.<\/p>\n<p>Aber das ist uns nicht nur gegeben, es wird von uns verlangt: Was Leonore f\u00fcr ihren Ehemann getan hat, das hat sie f\u00fcr die ganze Menschheit vollbracht, indem sie die Menschen auf der B\u00fchne in den Kampf f\u00fcr eine bessere Welt f\u00fchrt. Das gl\u00fcckliche Ende ist eigentlich die Zukunft, die wir schaffen m\u00fcssen &#8211; insbesondere in Momenten, in denen es um Leben und Tod geht, wie im gegenw\u00e4rtigen Moment der Geschichte. Deshalb versetzt uns das gl\u00fcckliche Ende des Fidelio nicht in einen Zustand bequemer Ruhe, wie in einer Seifenoper. Im Gegenteil, es fordert uns auf, die Wahrheit zu sagen und daf\u00fcr zu k\u00e4mpfen. Selbst wenn es bedeutet, da\u00df wir daf\u00fcr unser Leben einsetzen m\u00fcssen, so wie Leonore und Florestan.<\/p>\n<p>Es ist, als habe Beethoven f\u00fcr uns hier und heute komponiert, damit wir f\u00fcr die Wahrheit einstehen.<\/p>\n<p>Europa in seinem derzeitigen Zustand ist eine aussterbende Gattung, ein wandelnder Schatten. Es gibt keine Hoffnung f\u00fcr eine Europ\u00e4ische Union auf der Grundlage des oligarchischen Prinzips der Benachteiligung aller Mitgliedsnationen und V\u00f6lker zum Vorteil der Londoner City und der Wall Street. Es gibt keine Hoffnung f\u00fcr eine Europ\u00e4ische Union, die nicht nur Unterdr\u00fcckung in andere L\u00e4nder exportiert, sondern auch ihre eigenen W\u00e4hler und Volkswirtschaften unterdr\u00fcckt. Deshalb ist es unsere unmittelbare Aufgabe, Europa hier und jetzt von seinen finanziellen Fesseln und seinen kulturellen M\u00fchlsteinen zu befreien.<\/p>\n<p>Ironischerweise bilden die Nationen, die Europa seiner Herrschaft unterworfen hat, jetzt das wichtigste Instrument, um uns von unseren Unterdr\u00fcckern zu befreien. Ich meine damit die BRICS-Staaten &#8211; nicht als eine nach innen orientierte Gruppe von Nationen, sondern, wie [der neue Premierminister] Narendra Modi sagte, ein Konzert von Nationen, die in ihrem gegenseitigen Interesse und zum Nutzen aller beteiligten Partner handeln.<\/p>\n<p>Die Trag\u00f6die unserer Zeit<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen aus der Trag\u00f6die unserer Zeit nur dann einen Weg in eine bessere Zukunft finden, wenn wir verstehen, da\u00df Entwicklung allein auf der Grundlage von Gegenseitigkeit und durch die wissenschaftlichen Leistungen der menschlichen Kreativit\u00e4t m\u00f6glich ist. Deshalb haben wir diesen Themenkreis als ein Orchester von Beitr\u00e4gen aus verschiedenen Teilen der Menschheit organisiert, als ein voranschreitendes Werk, eine gemeinsame Musik, anstelle der Kakophonie der Konkurrenz und Wut, die in unserer selbstzerst\u00f6rerischen Welt von heute erklingt.<\/p>\n<p>Schauen Sie sich an, was jetzt gerade vor unseren Augen geschieht: Eine barbarische Epidemie unmenschlicher Verbrechen in S\u00fcdwestasien und gleichzeitig die Ausbreitung von Ebola &#8211; eine m\u00f6gliche neue Schwarze Pest &#8211; bedrohen als kombinierter Proze\u00df unsere gesamte Zivilisation. Diese beiden m\u00f6rderischen Bedrohungen f\u00fcr die menschliche Gesellschaft beschr\u00e4nken sich nicht auf eine bestimmte Region der Welt; sie verbreiten sich auch in den entwickelten Sektor, insbesondere nach Europa. Die Dschihadisten aus Londonistan, Parisistan oder anderen \u201eistanen\u201c in Europa werden nach Europa zur\u00fcckkehren; sie sind dazu ausgebildet, zu vergewaltigen und zu t\u00f6ten. Schon jetzt hat einer von ihnen in Frankreich seine Kameraden dazu aufgerufen, wahllos franz\u00f6sische Zivilisten zu t\u00f6ten, als angebliche \u201eRache f\u00fcr die Bombenangriffe der westlichen Armeen\u201c. Wir haben mit dem Feuer gespielt, und nun kehrt das Feuer zu uns zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Ebola infiziert derzeit jede Woche etwa 10.000 Menschen und t\u00f6tet die meisten von ihnen, weil es in Afrika &#8211; dem \u00e4rmsten und am schlimmsten ausgebeuteten Teil der Welt unter der Herrschaft des britischen finanziellen Neokolonialismus, der auf Triage beruht und in der einen oder anderen Form von allen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern akzeptiert wurde &#8211; keine ausreichenden Behandlungsm\u00f6glichkeiten gibt. Ganz zu schweigen von Ma\u00dfnahmen zur Isolation der Kranken, die, selbst wenn sie gerechtfertigt sind, auch den Handel und die wirtschaftliche Entwicklung behindern werden, so da\u00df zur Krankheit noch der Hunger hinzukommt. Aber Ebola macht nicht vor den Grenzen halt; wir haben die Gefahr geschaffen, da\u00df diese Epidemie sich \u00fcber ganze Kontinente ausbreitet. Sie hat bereits medizinisches Personal in den Vereinigten Staaten und Spanien infiziert, und sie k\u00f6nnte sich auch in die armen Bev\u00f6lkerungsschichten unserer eigenen L\u00e4nder ausbreiten, die aufgrund der zerst\u00f6rerischen Sparpolitik wachsen.<\/p>\n<p>Ich erw\u00e4hne dies, obwohl es an anderer Stelle in dieser Konferenz noch ausf\u00fchrlicher dargelegt werden wird, um zu unterstreichen, da\u00df wir es nicht mit Inkompetenz oder einem Unfall der Geschichte zu tun haben, sondern mit dem Resultat einer vors\u00e4tzlichen Politik von Seiten der europ\u00e4ischen Oligarchie, die \u00fcber das Vereinigte K\u00f6nigreich, Br\u00fcssel und die F\u00fchrungen der europ\u00e4ischen L\u00e4nder herrscht. Dieses System der Macht l\u00e4\u00dft sich nicht heilen oder reparieren, man mu\u00df es \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Sie haben die Zitate von Prinz Philip, dem Herzog von Edinburgh, und anderen geh\u00f6rt, etwa jene ber\u00fcchtigte \u00c4u\u00dferung, er hoffe, als \u201et\u00f6dliches Virus wiedergeboren\u201c zu werden, um \u201edie Weltbev\u00f6lkerung zu reduzieren\u201c. Man kann auch andere erw\u00e4hnen, wie John Holdren, Obamas Chefberater f\u00fcr wissenschaftliche und technologische Fragen, oder den bekannten franz\u00f6sischen \u00d6kologen Jacques-Yves Cousteau, der wie seine britischen Kollegen die Weltbev\u00f6lkerung auf weniger als eine Milliarde Menschen verringern m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Das ist ein Verbrechen, aber es ist nicht blo\u00df das Verbrechen einiger weniger Individuen. Es ist ein Verbrechen, das in das britisch-imperiale System und in die Institutionen der Europ\u00e4ischen Union eingebaut ist. Warum? Weil sie Malthusianer sind. Sie halten den Menschen f\u00fcr eine gez\u00e4hmte wilde Bestie; \u201edie da oben\u201c seien dazu bestimmt, zu herrschen, und alle \u00fcbrigen dazu verdammt, sich zu unterwerfen. Wer diesem malthusianischen Denken folgt, der ist unf\u00e4hig, sich vorzustellen, da\u00df \u201eEntwicklung\u201c eine Zweckgemeinschaft bedeutet, um die gemeinsamen Ziele der Menschheit, f\u00fcr die man zusammenarbeitet, zu erreichen &#8211; statt der kriminellen Idee, da\u00df man in einer Welt vermeintlich begrenzter Ressourcen notwendigerweise nur auf Kosten anderer wachsen k\u00f6nne. Europa mu\u00df sich deshalb \u00e4ndern, um ein B\u00fcndnis von Nationalstaaten zu schmieden, die entschlossen sind, den globalen Fortschritt der Welt voranzubringen.<\/p>\n<p>Betrachten wir, wie \u201eEuropa\u201c seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs aufgebaut wurde. Es beruhte auf drei wesentlichen Regeln: finanziellem Liberalismus, Freihandel und der Entwertung der Nationalstaaten. Dieser Proze\u00df kulminierte im Euro, einem Werkzeug der selbstinduzierten Zerst\u00f6rung.<\/p>\n<p>Infolgedessen haben wir im Jahre 2014 und 2015 Nullwachstum &#8211; in Wirklichkeit sogar negative Wachstumsraten -, und nun fordert Eurostat, die Europ\u00e4ischen Statistikbeh\u00f6rde, da\u00df bei der Berechnung des nationalen Wirtschaftsprodukts aller Mitgliedstaaten auch die illegalen Aktivit\u00e4ten mitgez\u00e4hlt werden. Das bedeutet, da\u00df Prostitution, Drogenhandel, Schmuggel von Tabak und Alkohol wirtschaftlich einen Persilschein bekommen, um das BIP nominell zu vergr\u00f6\u00dfern und mehr Schulden zu rechtfertigen!<\/p>\n<p>Der gesch\u00e4tzte Kaufkraftverlust von Durchschnittsverdienern in Europa liegt seit 2007 zwischen 5% in Frankreich und Deutschland und 50% in Griechenland!<\/p>\n<p>In Frankreich sind dazu zwei B\u00fccher erschienen: \u201eDie Veruneinigten Staaten von Europa\u201c von Coralie Delaume und \u201eDer Raub der Europa\u201c von Robert Salais. Beide machen deutlich, da\u00df die gegenw\u00e4rtige Europ\u00e4ische Union gezielt, Ma\u00dfnahme f\u00fcr Ma\u00dfnahme, darauf hingearbeitet hat, die Nationalstaaten zu zerst\u00f6ren und zu verhindern, da\u00df sich die Menschen an den tats\u00e4chlichen politischen Entscheidungsprozessen beteiligen k\u00f6nnen. Wir wurden mit dem genauen Gegenteil infiziert: dem absoluten Gegenteil der Prinzipien einer Politik der Regierung \u201edes Volkes durch das Volk und f\u00fcr das Volk\u201c, wie es in der amerikanischen Verfassung und Artikel 2 der franz\u00f6sischen Verfassung in Stein gemei\u00dfelt ist.<\/p>\n<p>Das sollte nicht \u00fcberraschen, wenn man betrachtet, wo die heutige Europ\u00e4ische Union herkommt. Sie ist ein Gesch\u00f6pf des Komitees f\u00fcr ein Vereintes Europa und des Amerikanischen Komitees f\u00fcr ein Vereintes Europa, \u00fcber die die europ\u00e4ischen F\u00f6deralisten von britischen und amerikanischen Geheimdiensten mit Geld und \u201eIdeen\u201c versorgt wurden: britische Ideen und amerikanische Dollars. Das Komitee wurde erfunden von Allen Dulles, dem Anf\u00fchrer des Wallstreet-Fl\u00fcgels in der amerikanischen CIA, und von Duncan Sandy, einem Schwiegersohn Winston Churchills. Sie waren die Paten dieses Europa, zusammen mit dem Franzosen Henri Frenay, einem Todfeind von Charles de Gaulle. Frenay organisierte die Beseitigung von Jean Moulin, \u00fcber den die Verbindungen zwischen dem Freien Frankreich und dem Widerstand in Frankreich liefen. Der Kongre\u00df f\u00fcr Kulturelle Freiheit, finanziert aus Mitteln des Marshallplans, schuf die kulturelle Grundlage, um ein solch pervertiertes Europa durchzusetzen. Jean Monnet und Robert Schuman teilten sich diese Aufgabe, im Auftrag ihrer Freunde in ganz Europa &#8211; einschlie\u00dflich in den Hallen des Vatikans. Hier liegt, wenn man so will, die Urs\u00fcnde der Europ\u00e4ischen Union, und die Gestalt des Kindes entspricht den W\u00fcnschen derer, die es herangezogen haben.<\/p>\n<p>Lassen Sie mich noch etwas zum Zustand der europ\u00e4ischen Presse und der wirtschaftlichen Institutionen sagen.<\/p>\n<p>Zur europ\u00e4ischen Presse: Udo Ulfkotte, ein fr\u00fcherer Redakteur der <i>Frankfurter Allgemeinen Zeitung<\/i>, eine der f\u00fchrenden Tageszeitungen Deutschlands, hat k\u00fcrzlich [in einem Interview mit <i>Russia Today<\/i>, <i>https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=lm4OUcfiM-8<\/i> &#8211; d. Red.] zugegeben: \u201eIch bin &#8230; darin ausgebildet, zu l\u00fcgen, zu betr\u00fcgen und der \u00d6ffentlichkeit nicht die Wahrheit zu sagen.\u201c Und er beschrieb, wie er von der CIA unterst\u00fctzt wurde. Er sagte, die meisten Journalisten gro\u00dfer Medien in den USA und Europa arbeiteten unter sogenanntem \u201enon-official cover\u201c f\u00fcr Geheimdienste. Ich zitiere ihn:<\/p>\n<p>\u201eIhre Frage war, ob das nur f\u00fcr deutsche Journalisten gilt. Ich denke, das gilt besonders f\u00fcr britische Journalisten, da es da noch engere Beziehungen gibt. Es gilt besonders auch f\u00fcr Israelis. Es gilt f\u00fcr franz\u00f6sische Journalisten&#8230;<\/p>\n<p>Wenn ich mir die letzten Monate anschaue, wo deutsche und amerikanische Medien versuchen, Krieg in Europa, in Ru\u00dfland zu entfachen, gibt es f\u00fcr mich kein Zur\u00fcck mehr&#8230; Der Grund, warum ich dieses Buch geschrieben habe, ist meine Furcht vor einem erneuten Krieg in Europa.\u201c<\/p>\n<p>Jetzt verstehen Sie, warum alle diese Leute entweder kein Wort \u00fcber uns berichten wollen oder, wenn sie uns nicht mehr ignorieren k\u00f6nnen, behaupten, wir seien eine Sekte, oder im Laufe der Zeit irgendeine andere verleumderische Bezeichnung verbreiten. Solche Leute sind Rufm\u00f6rder, die dem Interesse von M\u00f6rdern dienen. Punkt.<\/p>\n<p>Was die Wirtschaft angeht: Der franz\u00f6sische Verhaltens\u00f6konom Jean Tirole hat gerade den sogenannten Wirtschaftsnobelpreis erhalten. Um es kurz zu machen: Er behauptet immer wieder, die Vorstellung einer \u201eSystemkrise\u201c sei \u201ebedeutungslos\u201c, und Hedgefonds oder Derivate zu regulieren, sei unm\u00f6glich, das w\u00e4re nur etwas f\u00fcr \u201eirrationale Idealisten\u201c. Nachdem er in Princeton und am MIT unterrichtete, hat er nun mit 60 Mio. Euro vom franz\u00f6sischen Staat und franz\u00f6sischen Banken die Toulouser Wirtschaftsschule und das Institut f\u00fcr Fortgeschrittene Studien in Toulouse gegr\u00fcndet. Beide werben unter anderem f\u00fcr das Konzept der \u201egegenseitig zugesicherten Illusionen\u201c. Immerhin ist das ein guter Ausdruck f\u00fcr das gegenw\u00e4rtige europ\u00e4ische Gruppendenken.<\/p>\n<p>Europas Wahl<\/p>\n<p>Lassen Sie mich nun in klaren Worten sagen, vor welcher Wahl wir stehen. Werden Europa und Spanien zur Br\u00fccke f\u00fcr eine positive Entwicklung Eurasiens nach Afrika oder zur Br\u00fccke f\u00fcr den Todesmarsch von Ebola ins Zentrum Europas? Werden Deutschland, Frankreich, Italien und andere europ\u00e4ische L\u00e4nder ihren humanistischen Impuls zur\u00fcckerobern, oder werden sie im Interesse des Britischen Empires weiterhin das Gegenteil tun? Entschlie\u00dfen wir uns, die Idiotie der Geopolitik und des deduktiven Denkens \u00fcber Bord zu werfen und wieder Forscher und Entdecker zu werden? Sind wir bereit, auszubrechen aus dem wirtschaftlichen Dilemma zwischen dem Keynesianischen Monetarismus der Geldf\u00e4lscher (monetaristischer Durchfall) einerseits und dem orthodoxen Kult der Geldverknappung und der Wohlstandsr\u00e4uber (monetaristische Verstopfung) andererseits? Die franz\u00f6sischen und die deutschen Politiker m\u00f6gen sich in diesem Abort der Weltpolitik wiedererkennen.<\/p>\n<p>Das sind die wirklichen Fragen, die sich in der realen Welt stellen.<\/p>\n<p>Was war Europa im Jahre 1411? Eine Region der Welt, die relativ weniger entwickelt war als China und Indien. Von den zehn gr\u00f6\u00dften St\u00e4dten der damaligen Welt befand sich nur eine in Europa, Paris, mit fast 200.000 Einwohnern, w\u00e4hrend Beijing damals mindestens 600.000 Einwohner z\u00e4hlte. (1792-93 bezeichnete Lord Macartney die Macht und Zahl der Chinesen als Bedrohung f\u00fcr das aufstrebende Britische Empire, und meinte, man m\u00fcsse dagegen etwas tun, weil es viele zu viele davon auf der Erde gebe.)<\/p>\n<p>Was f\u00fchrte also zum Erfolg Europas nach 1411? Es waren die Renaissance und ihre Revolution in den Wissenschaften und den K\u00fcnsten &#8211; die Renaissance von Kues, Kepler und Leibniz, die Renaissance von Leonardo und Beethoven, Rembrandt und Bach. Die Idee des <i>homo universalis<\/i>, die Idee, da\u00df der Mensch nicht durch seine Macht, zu herrschen, \u00fcber den Tieren steht, sondern durch seine F\u00e4higkeiten, sch\u00f6pferisch zu handeln und sein Selbstbewu\u00dftsein zu wecken.<\/p>\n<p>Leider hat Europa, statt dieses Verm\u00f6gen an andere weiterzugeben, unter der Herrschaft der Oligarchie sein eigenes Bewu\u00dftsein der Universalit\u00e4t verraten. Die Imperien setzten die durch die Renaissance geschaffenen Potentiale zu ihrem eigenen Vorteil gegen andere Regionen der Welt ein. Ausbeutung, Zerst\u00f6rung und Brutalit\u00e4t setzten sich durch, und die technischen Anwendungen wissenschaftlicher Entdeckungen dienten nicht dazu, eine \u00c4ra der gegenseitigen Entwicklung einzul\u00e4uten, sondern Macht und Besitz zu erringen. Das, was die Vereinigten Staaten auf der Grundlage der besten europ\u00e4ischen Tradition zu ihrer Bl\u00fctezeit entwickelten &#8211; das Leibnizsche Prinzip des Rechts auf Leben, Freiheit und Gl\u00fcckseligkeit statt des Rechts auf Leben, Freiheit und Eigentum -, wurde im 20. Jahrhundert nach dem Tod Franklin Delano Roosevelts zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns Europ\u00e4er und Amerikaner ist die Aufgabe, diese Gr\u00fcndungsprinzipien zur\u00fcckzugewinnen, die in der amerikanischen Verfassung und f\u00fcr uns Europ\u00e4er im Westf\u00e4lischen Frieden von 1648 verankert sind. Deren ausdr\u00fcckliche Beseitigung forderte Tony Blair 1999 in seiner Chicagoer Rede, der ein sogenannter \u201eKrieg gegen den Terrorismus\u201c folgte, was nichts anderes war als ein Krieg, um die Menschen zu terrorisieren und jeden gegen jeden aufzuhetzen.<\/p>\n<p>Der Westf\u00e4lische Frieden beruhte auf drei Hauptverpflichtungen:<\/p>\n<p>1. vergangene Verbrechen zu vergeben, einschlie\u00dflich der Schulden, die zur Finanzierung der Kriege aufgenommen worden waren &#8211; eines der Hauptverbrechen;<\/p>\n<p>2. den Vorteil des anderen zu bef\u00f6rdern, um zu verhindern, da\u00df Kriege ausbrechen und auf Kosten anderer Gewinn gemacht wird;<\/p>\n<p>3. dem Prinzip der nationalen Souver\u00e4nit\u00e4t, das auf gegenseitiger Achtung beruht, zu verteidigen.<\/p>\n<p>Genau das wurde von der gegenw\u00e4rtigen Europ\u00e4ischen Union &#8211; die in Wirklichkeit weder europ\u00e4isch noch eine Union ist &#8211; \u00fcber Bord geworfen.<\/p>\n<p>Woher soll dann der Impuls kommen, der uns neues Leben schenken kann? Von denjenigen, die unsere Prinzipien &#8211; wenn auch unvollkommen &#8211; besser bewahrt haben als wir selbst. Ich meine nat\u00fcrlich die BRICS-Gruppe. In Modis Worten: \u201eLa\u00dft uns eine Massenbewegung f\u00fcr Entwicklung schaffen, so wie Mahatma Gandhi aus der Freiheitsbewegung eine Massenbewegung machte.\u201c Darin liegt das Paradox des jetzigen Moments der Geschichte: Wir haben in Europa und in den Vereinigten Staaten unsere Prinzipien verloren und k\u00f6nnen nur zu ihnen zur\u00fcckfinden, indem wir uns von der Bewegung der BRICS inspirieren lassen. Diese entstand als Verteidigung gegen unsere Fehler und unsere Verbrechen, und gegen die oligarchische Finanzdiktatur mit ihren m\u00f6rderischen Auswirkungen, der Zerst\u00f6rung des gesamten sozialen Gef\u00fcges.<\/p>\n<p>Dazu m\u00fcssen wir uns selbst ein f\u00fcr allemal von der britischen Oligarchie und ihren Mitl\u00e4ufern befreien.<\/p>\n<p>Das bedeutet nicht, da\u00df wir Europ\u00e4er mit leeren H\u00e4nden dastehen. Ich glaube nicht wie die Schule der britischen Historiker, der Gibbons und der Toynbees, an die Unausweichlichkeit des Niedergangs und die Kontinuit\u00e4t eines gro\u00dfen Verfalls. Ich glaube, je gr\u00f6\u00dfer die Gefahr wird, desto n\u00e4her r\u00fcckt auch das, was Rettung bringt &#8211; vorausgesetzt, da\u00df wir uns, \u00fcber Europa hinaus, f\u00fcr die Zukunft der gesamten Menschheit mobilisieren. Wenn Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs irgendetwas Erinnerungsw\u00fcrdiges hervorgebracht hat, dann war es die Schaffung von Frieden zwischen den europ\u00e4ischen Nationen, auch wenn das auf der Grundlage eines Kompromisses mit der Oligarchie geschah. Jetzt m\u00fcssen wir uns bessern und die oligarchische Infektion loswerden, denn wie will man ein friedliches Heim mit Kakerlaken und anderem Geziefer darin organisieren? Jetzt ist es an der Zeit, unser Haus in Ordnung zu bringen und zu handeln, nicht f\u00fcr uns selbst, sondern zum Vorteil der anderen V\u00f6lker. Wir m\u00fcssen uns einer Selbstreinigung unterziehen und gemeinsam einen gro\u00dfen Sprung nach vorn machen &#8211; nicht nur, um uns der BRICS-Gruppe anzuschlie\u00dfen, sondern um die Entwicklung der Zukunft anzuspornen. Unsere jetzige Herausforderung besteht nicht nur darin, Schreckliches zu verhindern, sondern daf\u00fcr zu sorgen, da\u00df Gutes geschieht, das auf diesen neuen Prinzipien beruht.<\/p>\n<p>Historisches Beispiel<\/p>\n<p>Ein historisches Beispiel, oder besser gesagt zwei, geben mir Hoffnung.<\/p>\n<p>Das erste ist Anton Wilhelm Amo, ein junger Afrikaner aus Ghana, den der Herzog von Braunschweig-Wolfenb\u00fcttel um 1707 adoptierte und als Familienmitglied behandelte. Amo besuchte die Universit\u00e4ten Halle, Wittenberg und Jena und studierte Logik, Metaphysik, Physiologie, Astronomie, Geschichte, Recht, Theologie, Politik und Medizin und lernte sechs Sprachen &#8211; Englisch, Franz\u00f6sisch, Deutsch, Latein, Griechisch und nat\u00fcrlich Deutsch. 1729 schrieb er ein Memorandum \u00fcber <i>De Jure Maurorum in Europa<\/i>, in dem er das Recht der Farbigen verteidigt, in gleicher Weise behandelt zu werden wie andere Europ\u00e4er. Er erhielt 1734 in Wittenberg den Doktortitel der Philosophie. Seine bemerkenswerte Arbeit <i>\u00dcber das Fehlen der Sinne im menschlichen Geist und ihr Vorhandensein in unserem organischen und lebenden K\u00f6rper<\/i> richtet sich gegen den Cartesischen Dualismus und entwickelt ein Leibnizsches Menschenbild auf der Grundlage der Entdeckung von Prinzipien und der Ausarbeitung von Ideen, \u00fcber die sinnliche Wahrnehmung hinaus.<\/p>\n<p>Er kehrte in sein Geburtsland zur\u00fcck, als seine Freunde und F\u00f6rderer in Deutschland nicht mehr lebten und er rassistischen Angriffen ausgesetzt war, und starb in einer holl\u00e4ndischen Festung in Ghana. Abb\u00e9 Gregoire r\u00fchmt Amo in seinen \u201eNotizen \u00fcber Neger und Mulatten, die sich durch ihre Talente und Werke ausgezeichnet haben\u201c. Er war auch ein Vorbild f\u00fcr Kwame N\u2019Krumah [den ersten Premierminister und dann Pr\u00e4sidenten Ghanas, <i>d.<\/i> <i>Red<\/i>.].<\/p>\n<p>Das zweite Beispiel aus dem 18. Jahrhundert ist Abraham Petrowitsch Gannibal, ein schwarzes Kind, das vom russischen Zaren Peter dem Gro\u00dfen adoptiert und freigelassen wurde. Gannibal machte eine ruhmreiche Karriere als Ingenieur und Offizier in Ru\u00dfland, heiratete in eine adelige Familie ein und hatte Generationen von Nachkommen, zu denen auch sein Urenkel, der Dichter Alexander Puschkin geh\u00f6rte.<\/p>\n<p>Diese beiden F\u00e4lle beweisen, was m\u00f6glich ist, wenn sich Individuen in Europa entscheiden, den Vorteil des anderen zu respektieren &#8211; ein Hoffnungsstrahl aus der Vergangenheit in die Zukunft. Heute sind wir weit davon entfernt, allen Afrikanern ihr Menschsein in solcher Weise zuerkannt zu haben, und es ist eine Forderung an uns alle, dies zu erf\u00fcllen, um unsere eigene Wiedergeburt unter Beweis zu stellen.<\/p>\n<p>Denn das Europa, das uns aufgezwungen wurde, hat keine Zukunft: Das britisch dominierte Finanzzentrum in diesem begrenzten Teil der Welt hat seine Macht verloren. Aber die Nationalstaaten, aus denen Europa besteht, m\u00fcssen wiederbelebt werden und wie die Stimmen in einem Chor oder die Instrumente eines Orchesters im Dienste des Vorteils aller souver\u00e4n zusammenarbeiten.<\/p>\n<p>Betrachten wir dies als eine Frage von Leben und Tod. Denn es ist eine Frage von Leben und Tod, und wir alle m\u00fcssen die Gefahr besser verstehen, als es in den geschriebenen Worten, die ich Ihnen hier vortrage, m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Tod: Wenn wir uns weiter so verhalten wie bisher, dann sind wir dazu verdammt, zu sterben &#8211; entweder in einem Weltkrieg, durch Ebola oder durch die kommenden Wellen m\u00f6rderischer Sparpolitik, die \u00fcber uns hereinbrechen. Darum geht es hier und jetzt, und alles liefe auf das gleiche hinaus: ein planm\u00e4\u00dfiges Massensterben.<\/p>\n<p>Dagegen Frieden: Stellen wir uns vor, alle europ\u00e4ischen Nationen w\u00fcrden sich zusammentun, um zur L\u00f6sung beizutragen.<\/p>\n<p>Leben: Das bedeutet als erstes, ein f\u00fcr allemal die Konfrontation gegen Ru\u00dfland und China zu beenden, und zweitens, eine Kreditpolitik in Gang zu setzen, um die Infrastruktur oder besser gesagt, eine Plattform f\u00fcr den Weltfrieden, zu schaffen.<\/p>\n<p>Denken wir uns einen europ\u00e4ischen Chor, einen Chor von Nationen, vom Atlantik zum Ural, ein Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok und zum Chinesischen Meer. Ein Deutschland, das seinen Stahl und seine Maschinenbaukapazit\u00e4ten einbringt, zusammen mit der Schweiz und \u00d6sterreich; Frankreich mit seiner Atomkraft und seinen Luft- und Raumfahrtkapazit\u00e4ten, und Frankreich und Deutschland, die sich mit Ru\u00dfland, China und den Vereinigten Staaten zu einem Raumfahrtprojekt zusammenschlie\u00dfen. Wissenschaftler und Ingenieure aus Darmstadt und Toulouse erwarten von uns, da\u00df wir daf\u00fcr mobilisieren.<\/p>\n<p>Denken Sie sich Nordeuropa &#8211; Schweden, D\u00e4nemark und Finnland &#8211; als Br\u00fccke zum Osten. Stellen Sie sich den S\u00fcden als Br\u00fccke nach Afrika, \u00fcber Italien, Spanien und Portugal vor.<\/p>\n<p>Denken Sie auch an alle Nationen Europas, die ich hier nicht genannt habe. Diese Kombination birgt in sich ein unglaubliches Potential f\u00fcr Frieden und ist einer der Schl\u00fcssel, um das Tor zur Zukunft aufzuschlie\u00dfen. Aber wir mit unserer Kultur des Todes und der t\u00f6dlichen Unt\u00e4tigkeit, unserer entropischen Unt\u00e4tigkeit, unseren Unterlassungss\u00fcnden und unserem Pessimismus, setzen es bisher nicht ein.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ischen Nationen k\u00f6nnen nur \u00fcberleben, wenn sie sich verpflichten, ihre schlechten gesellschaftlichen Gewohnheiten, Praktiken und Meinungen der letzten hundert Jahre abzulegen und den Optimismus aufzubringen, eine Kultur des Todes zur\u00fcckzuweisen. Menschlich zu sein, hei\u00dft nicht, in den Spiegel zu schauen wie ein narzi\u00dftischer Oligarch, sondern auf sich selbst vom Standpunkt der Zukunft zu blicken und den Zustand der Menschheit zu verbessern.<\/p>\n<p>Europa hat in seiner jetzigen, pervertierten Form keine Zukunft, aber wenn sich weise Menschen in souver\u00e4nen Republiken versammeln, hat es das Recht, diese f\u00fcr sich einzufordern. So finden wir uns hier zusammen, und ich bin mir sicher, da\u00df uns die n\u00e4chsten Redner mit ihren Gedanken, die von der Zukunft ausgehen, bereichern werden.<\/p>\n<p>Befreien wir uns also aus der t\u00f6dlichen Umarmung der Londoner City, der Wall Street und des Britischen Empire, und sprechen wir mit \u00dcberzeugung aus:<\/p>\n<p>Lang lebe eine Neue Seidenstra\u00dfe, die die ganze Erde umspannt!<\/p>\n<p>Lang lebe das freie Europa; lang lebe Eurasien vom Atlantik zum Chinesischen Meer!<\/p>\n<p>Lang lebe das freie Deutschland!<\/p>\n<p>Lang lebe das freie Frankreich!<\/p>\n<p>Lang leben die freien Vereinigten Staaten!<\/p>\n<p>Wir alle k\u00f6nnen unter offenem Himmel befreit aufatmen, wenn wir uns mit unserem Leben f\u00fcr die Zukunft der Menschheit einsetzen. Unsere Mission liegt in unseren H\u00e4nden. Und die Menschen warten nur darauf, auf die B\u00fchne zu kommen, wenn wir ihren Pessimismus nicht gelten lassen und ihnen mit gutem Beispiel vorangehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jacques Cheminade Pr\u00e4sident von Solidarit\u00e9 et Progr\u00e8s, Paris, Frankreich.\u00a0 Lassen Sie mich mit etwas beginnen, was ich vorher nicht geplant hatte: Es geht um Fidelio. [Diese Oper wurde in konzertanten Ausz\u00fcgen als H\u00f6hepunkt des ersten Konferenztages am Abend zuvor aufgef\u00fchrt, Red.] Es ist meine Lieblingsoper, und die einzige mit einem \u201eHappy End\u201c. 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