{"id":21757,"date":"2014-10-22T11:50:24","date_gmt":"2014-10-22T09:50:24","guid":{"rendered":"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/media\/one-road-and-one-belt-and-new-thinking-with-regard-to-concepts-and-practice-2\/"},"modified":"2014-12-01T12:37:49","modified_gmt":"2014-12-01T11:37:49","slug":"one-road-and-one-belt-and-new-thinking-with-regard-to-concepts-and-practice","status":"publish","type":"portfolio_cpt","link":"https:\/\/2.schillermeet.de\/de\/portfolio\/one-road-and-one-belt-and-new-thinking-with-regard-to-concepts-and-practice\/","title":{"rendered":"Prof. Shi Ze: \u201eEine Stra\u00dfe und ein G\u00fcrtel\u201c &#8211; Einige innovative Ideen \u00fcber die Formen der Zusammenarbeit an der Seidenstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<h2><span lang=\"en-GB\">Prof. Shi Ze<\/span><\/h2>\n<p><em>Direktor f\u00fcr Internationale Energiestrategische Studien und Forschungsleiter am Chinesischen Institut f\u00fcr internationale Studien (CIIS) in Beijing. Seine Rede wurde aus dem Chinesischen \u00fcbersetzt.<\/em><\/p>\n<h4>Audio (Chinesisch\/\u4e2d\u6587)<\/h4>\n<div class=\"four-fifth\">\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-21757-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/20141018-2-Shi-Ze.mp3?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/20141018-2-Shi-Ze.mp3\">http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/20141018-2-Shi-Ze.mp3<\/a><\/audio>\n<p><\/div><br \/>\n<div class=\"one-fifth last\"><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/20141018-2-Shi-Ze.mp3\" style=\"display:inline-block;padding:6px 16px;background:#0693e3;color:#ffffff;border-radius:4px;text-decoration:none;font-weight:600;margin:5px;transition:opacity 0.2s;\" onmouseover=\"this.style.opacity=0.85\" onmouseout=\"this.style.opacity=1\">download<\/a><\/p>\n<p><\/div><div class=\"clear\"><\/div><\/p>\n<hr class=\"shortcode-hr\">\n<p>Sehr verehrte Pr\u00e4sidentin des Schiller-Instituts Frau LaRouche, sehr geehrte Experten, meine lieben Freunde, hallo. Ich komme aus Beijing in China und bin Forschungsleiter am Chinesischen Institut f\u00fcr Internationale Studien. Ich freue mich sehr, heute mit Ihnen den 30. Geburtstag des Schiller-Instituts feiern zu k\u00f6nnen, und ich m\u00f6chte dem Schiller-Institut und der Pr\u00e4sidentin des Schiller-Instituts f\u00fcr ihre Einladung sehr herzlich danken.<\/p>\n<p>Ich war schon auf vielen Konferenzen \u00fcber \u201eEine Stra\u00dfe, ein G\u00fcrtel\u201c in China, aber dies ist das erste Mal, da\u00df ich an einer solchen Konferenz au\u00dferhalb Chinas teilnehme, die sich mit der Politik der chinesischen Regierung und der internationalen Diplomatie befa\u00dft. Es ist mir wichtig, Ihnen, Frau LaRouche, meinen herzlichen Dank daf\u00fcr auszusprechen, da\u00df Sie mir diese gro\u00dfartige Gelegenheit geben, Ihnen die entsprechenden Konzepte und Gedanken \u00fcber unseren \u201eWirtschaftsg\u00fcrtel der Seidenstra\u00dfe\u201c mitzuteilen.<\/p>\n<p>Frau LaRouche wird in China von allen als eine sehr willkommene und respektierte gesellschaftliche Aktivistin empfangen. Ich habe ihre Reden und Interviews in vielen chinesischen Medien gelesen. Ich habe hohe Achtung f\u00fcr ihre Expertenmeinung \u00fcber China. Und als Freundin Chinas und des chinesischen Volkes hat sie viele ernsthafte und ernstzunehmende Ideen f\u00fcr die Entwicklung Chinas. Wir ehren und respektieren eine solche alte Freundin Chinas sehr.<\/p>\n<p>Heute will ich hier meine Gedanken \u00fcber den \u201eWirtschaftsg\u00fcrtel der Neuen Seidenstra\u00dfe\u201c darlegen. Wie Sie alle wissen, hat unser Staatspr\u00e4sident 2013 zwei sehr wichtige Entwicklungsvorschl\u00e4ge vorgelegt: den Wirtschaftskorridor der Seidenstra\u00dfe und die Maritime Seidenstra\u00dfe des 21. Jahrhunderts. Das sind zwei Vorschl\u00e4ge zur Weiterentwicklung und Vertiefung der Zusammenarbeit in neuer Form, mit sehr bedeutenden Konsequenzen f\u00fcr die Entwicklung von Chinas Verh\u00e4ltnis zu den anderen Nationen an der Neuen Seidenstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Wie soll man nun diese Pl\u00e4ne, die der chinesische Pr\u00e4sident vorschl\u00e4gt, verwirklichen?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal brauchen wir Innovation, was Ideen und Konzepte betrifft. Bei der Ausarbeitung des Projekts der Neuen Seidenstra\u00dfe brauchen wir auch Innovationen bei der Umsetzung. Deshalb lautet das Thema meines heutigen Vortrags \u201eDer Wirtschaftskorridor der Neuen Seidenstra\u00dfe und Innovationen f\u00fcr seine Konzeptualisierung und Umsetzung\u201c. Ich m\u00f6chte hier auf die vier Hauptpunkte eingehen.<\/p>\n<h3>1. Das Konzept der Innovation<\/h3>\n<p>Der erste Punkt ist die Innovation in Bezug auf Konzeptualisierung und Perspektive. Zu diesen Konzepten m\u00f6chte ich drei Bereiche hervorheben.<\/p>\n<p>Erstens: Im Laufe seiner \u201eReformen und \u00d6ffnung\u201c verfolgte China anfangs die Strategie \u201eHereinholen\u201c, d.h. Technologie und Investitionen aus anderen L\u00e4ndern ins Land zu holen, um China zu entwickeln. Wie nennen das auch die Strategie \u201eAnhalter fahren\u201c, n\u00e4mlich das Heranziehen von Unterst\u00fctzung aus dem Ausland als Triebkraft f\u00fcr unsere Entwicklung.<\/p>\n<p>Diese Strategie zu Beginn der \u00d6ffnung Chinas brachte bei der Entwicklung Chinas offenkundige Resultate. Es kamen viele internationale Finanzorganisationen und befreundete Nationen nach China, um mit uns wirtschaftlich zusammenzuarbeiten.<\/p>\n<p>Die zweite Phase war die Strategie \u201eHerausgehen\u201c. Um Chinas wirtschaftliche Entwicklung zu beschleunigen, veranla\u00dften wir unsere chinesischen Firmen und Unternehmen, im Ausland aktiv zu werden, um sich an der internationalen Entwicklung \u00fcberall auf der Welt zu beteiligen und international wirtschaftlich zu kooperieren. Das brachte in der j\u00fcngeren Vergangenheit meiner Meinung nach sehr sichtbare Resultate. Die nationalen Ressourcen wurden im Ausland sehr gut genutzt, damit chinesische Unternehmen fortgeschrittenere Technologien kennenlernen konnten. Das hat unsere Forschungs- und Entwicklungskapazit\u00e4ten vorangebracht und f\u00f6rderte die Grundlagen f\u00fcr unsere eigenen Fortschritte. Indem wir \u201eherausgingen\u201c, verbreiterten und erweiterten wir den Umfang unserer \u201eReform und \u00d6ffnung\u201c, wir steigerten den Umfang und das Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung.<\/p>\n<p>An dem Punkt schlug dann die Zentralregierung das strategische Konzept \u201eEin G\u00fcrtel, eine Stra\u00dfe\u201c vor, das gesetzm\u00e4\u00dfig auf der Grundlage aufbaut, die durch die Strategien \u201eHereinholen\u201c und \u201eHerausgehen\u201c geschaffen wurde, und diese beiden Konzepte sowohl erweitert als auch miteinander verbindet. Wenn Chinas Freunde unseren Entwicklungsvorschlag \u201eEin G\u00fcrtel, eine Stra\u00dfe\u201c studieren, werden sie also feststellen, da\u00df diese Strategie eine viel weitgehendere, reichere konzeptionelle Bedeutung hat. Das ist die Innovation auf der konzeptionellen Ebene.<\/p>\n<p>Zur zweiten konzeptionellen Innovation: Wie k\u00f6nnen wir uns nach Chinas eigener wirtschaftlicher Entwicklung an die Bed\u00fcrfnisse unserer eigenen \u201eReform und \u00d6ffnung\u201c anpassen und gleichzeitig einen Austausch mit den L\u00e4ndern an unserer Peripherie und entlang des Seidenstra\u00dfenkorridors haben, damit sie am Nutzen unserer eigenen Entwicklung einen Anteil bekommen, und dann zur Zusammenarbeit Chinas mit den anderen L\u00e4ndern der Welt \u00fcbergehen, um unser aller gemeinsame Entwicklung zu erreichen? Wie kann unsere Kooperation allen gleicherma\u00dfen n\u00fctzen? Nicht China allein soll Vorteile daraus ziehen, sondern in der Zusammenarbeit sollen wir alle zusammen von der Entwicklung profitieren. Das ist ein sehr wichtiger Kurswechsel in Chinas Au\u00dfenpolitik.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus hat unsere F\u00fchrung ein neues Konzept des \u201eNutzens\u201c entwickelt. Das hei\u00dft, da\u00df man bez\u00fcglich des \u201eGewinns\u201c oder \u201eNutzens\u201c beachtet, wie wir es unseren Partnern erm\u00f6glichen, aus der Kooperation ebenfalls Nutzen zu ziehen und sich zu entwickeln, damit unsere Partner nicht weniger Vorteil aus der Zusammenarbeit ziehen als wir.<\/p>\n<p>Das ist etwas, was unsere F\u00fchrung, allen voran Pr\u00e4sident Xi Jinping, in j\u00fcngster Zeit als die notwendige Einstellung zu unserer Kooperation mit anderen Nationen hervorgehoben hat. Meiner Ansicht nach hat er in Bezug auf unsere \u201eWirtschaftliche Entwicklung der Neuen Seidenstra\u00dfe\u201c einen sehr wichtigen Gedanken betont: da\u00df diese Art der Entwicklung ausgewogen und gleichm\u00e4\u00dfig sein mu\u00df &#8211; d.h., da\u00df nicht nur China seine Entwicklung beschleunigt, sondern da\u00df im Rahmen dieser Kooperation auch unsere Partner profitieren.<\/p>\n<p>Das ist wichtig, denn k\u00fcrzlich haben mir einige Freunde gesagt, Chinas Vorschlag der Neuen Seidenstra\u00dfe ziele nur auf den Nutzen f\u00fcr China. Ich denke aber, da\u00df das nur halb richtig ist. Zwar wird bei jedem Vorschlag f\u00fcr Chinas internationales Entwicklungsprojekt nat\u00fcrlich ber\u00fccksichtigt, welchen Nutzen er China bringt. Aber wir ber\u00fccksichtigen genauso den Nutzen f\u00fcr die Partner, mit denen wir zusammenarbeiten, und da\u00df es ein einvernehmlicher und gleichwertiger Entwicklungsschritt f\u00fcr unsere Partner ist.<\/p>\n<p>Drittens betont unsere Staatsf\u00fchrung bei der Strategie \u201eEin G\u00fcrtel, eine Stra\u00dfe\u201c das Konzept der \u201edrei Negationen\u201c, d.h.: 1. Wir mischen uns nicht in die inneren Angelegenheiten anderer ein; 2. China strebt nicht danach, die sogenannte \u201eEinflu\u00dfsph\u00e4re\u201c auszuweiten; und 3. China strebt keine Hegemonie an. Das bedeutet, wir sind alle gleichberechtigte Partner. Deshalb schl\u00e4gt unsere F\u00fchrung dieses Konzept der \u201edrei Negationen\u201c oder \u201edrei Neins\u201c vor. Ich denke, das ist etwas, was alle unsere Freunde, die hier bei dieser Konferenz anwesend sind, in Bezug auf Chinas Au\u00dfenpolitik besonders hervorheben sollten &#8211; da\u00df sie auf der gemeinsamen \u201efriedlichen Entwicklung\u201c mit anderen basiert.<\/p>\n<p>Ich denke, das Projekt der Neuen Seidenstra\u00dfe spiegelt wider, welche Position China international einnehmen m\u00f6chte. Indem es ein so wichtiges und innovatives Konzept vorlegt, schl\u00e4gt China einen Ansatz vor, wie wir uns selbst in unseren Beziehungen zur internationalen Gemeinschaft aufstellen k\u00f6nnen. D.h. wir m\u00f6chten nach dem Kalten Krieg in der eurasischen Region ein Gleichgewicht schaffen.<\/p>\n<p>In diesem Gebiet existiert eine Situation der gegenseitigen Kontrollen zwischen allen Gro\u00dfm\u00e4chten, darunter China, Ru\u00dfland, die Vereinigten Staaten und die Europ\u00e4ische Union, wo kein einzelnes, gro\u00dfes Land im eurasischen Raum die Vorherrschaft hat. Chinas Ziel bei der F\u00f6rderung von \u201eEin G\u00fcrtel, eine Stra\u00dfe\u201c ist nicht, dieses Gleichgewicht in der eurasischen Region zu st\u00f6ren, sondern vielmehr, ihre Stabilit\u00e4t zu sichern. Wir m\u00f6chten, da\u00df alle Regionen gegenseitige Hilfe, gegenseitige Freundschaft und gegenseitige Kooperation ausbilden und weiterentwickeln. Ich denke, das ist eine notwendige Entwicklung, eine notwendige Grundlage und Voraussetzung, und auch ein Grund f\u00fcr unsere Entwicklung des Projekts der Neuen Seidenstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte noch ein paar Worte dazu sagen, da\u00df es in der eurasischen Region bereits mehrere regionale Wirtschaftskooperationen gibt, darunter die von Ru\u00dfland angef\u00fchrte Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU), die Shanghaier Organisation f\u00fcr Zusammenarbeit (SCO), die S\u00fcdasiatische Gemeinschaft f\u00fcr regionale Kooperation (SAARC), die Organisation f\u00fcr islamische Zusammenarbeit (OIC) und andere eurasische Kooperationsorganisationen. Wie sind die Verh\u00e4ltnisse zwischen diesen Organisationen? Ich denke nicht, da\u00df diese Organisationen dazu da sind, die anderen aufzuheben oder gegeneinander zu arbeiten. Ich meine vielmehr, da\u00df diese Organisationen dazu da sind, um zu lernen, wie man gemeinsam arbeiten und kooperieren kann, damit jeder vom anderen profitiert, und man alle diese Kooperationsorganisationen motiviert, in unsere wechselseitig n\u00fctzliche Entwicklung zu investieren. Nur in dieser Weise kann unser Wirtschaftskorridor der Neuen Seidenstra\u00dfe sich wirklich entwickeln. Ich denke daher, da\u00df unser Wirtschaftskorridor der Neuen Seidenstra\u00dfe ein Vorschlag ist, der als Schrittmacher dient und neue M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet, statt Beziehungen aufzul\u00f6sen oder zu blockieren.<\/p>\n<p>Hier im Publikum haben wir heute vor allem europ\u00e4ische Freunde, und die Basis unseres Wirtschaftskorridors der Neuen Seidenstra\u00dfe ist, da\u00df Europa am einen Ende und China am anderen Ende stehen wird. Es ist wie bei einer Hantel: Der Aufbau dieses Korridors zwischen China und Europa wird nicht blo\u00df Europa und China an den beiden Enden st\u00e4rken, sondern auch soziale und wirtschaftliche Entwicklung in allen Teilen Zentralasiens, S\u00fcdasiens, des Nahen Ostens und Osteuropas mit sich bringen.<\/p>\n<p>Ich denke daher, da\u00df der Wirtschaftskorridor der Neuen Seidenstra\u00dfe eine direkte Wirkung und Bedeutung f\u00fcr die europ\u00e4ischen Nationen haben wird. Die europ\u00e4ischen Nationen haben in dieser Hinsicht bereits eine hervorragende Grundlage in ihrer technologischen Basis, und der Korridor der Neuen Seidenstra\u00dfe ist etwas, was nach unserer Meinung alle diese Nationen stark weiterentwickeln wird.<\/p>\n<p>Aber nochmals: Wir m\u00fcssen dabei betonen, da\u00df wir beim Vorantreiben des Korridors der Neuen Seidenstra\u00dfe eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit allen wichtigen Nationen anstreben: Gemeinsamkeiten finden, auch wenn man unterschiedlich lebt. Das ist f\u00fcr unser Konzept entscheidend. Wir sind also nicht dagegen, da\u00df die Vereinigten Staaten oder Ru\u00dfland oder die europ\u00e4ischen Nationen sich uns anschlie\u00dfen. Alle Nationen sind willkommen.<\/p>\n<h3>2. Ein neues Modell der Zusammenarbeit<\/h3>\n<p>Der zweite Hauptpunkt, den ich bei unserem Konzept des Korridors der Neuen Seidenstra\u00dfe, \u201eEin G\u00fcrtel, eine Stra\u00dfe\u201c, hervorheben m\u00f6chte, ist der, wie man ein innovatives Modell der Zusammenarbeit entwickeln kann.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir den Ausbau von \u201eEin G\u00fcrtel, eine Stra\u00dfe\u201c vorantreiben? Wenn innerhalb und au\u00dferhalb Chinas \u00fcber die Idee der Neuen Seidenstra\u00dfe gesprochen wird, dreht sich die Diskussion meist mehr um das Praktische: Wenn China das vorschl\u00e4gt, was beinhaltet sein Vorschlag, z.B.: \u201eWelche Regionen sollen dazugeh\u00f6ren?\u201c oder \u201eWas bezweckt China damit?\u201c Aber was dabei oft \u00fcbersehen wird, ist die Frage: Wie arbeiten wir zusammen? Was ist das Modell der Zusammenarbeit? Wie kann man die Zusammenarbeit entwickeln?<\/p>\n<p>Wenn wir diese Frage nicht beantworten, dann wird die Initiative nicht umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Ein Punkt, der meiner Ansicht nach hervorgehoben werden mu\u00df, wenn wir dar\u00fcber nachdenken, wie wir das Projekt der Neuen Seidenstra\u00dfe vorantreiben k\u00f6nnen: Der Stand der wirtschaftlichen Entwicklung in den L\u00e4ndern Eurasiens ist sehr verschieden. Es gibt entwickelte L\u00e4nder, gro\u00dfe L\u00e4nder, relativ entwickelte L\u00e4nder und einige unterentwickelte Nationen. Unter den Bedingungen dieser sehr gro\u00dfen Unterschiede des Grades der wirtschaftlichen Entwicklung zwischen diesen Nationen sehe ich ein betr\u00e4chtliches Ma\u00df an Schwierigkeiten dabei, die Umsetzung dieses Projekts voranzutreiben.<\/p>\n<p>Wir glauben nicht, da\u00df wir dieses Projekt des Wirtschaftskorridors der Neuen Seidenstra\u00dfe schon in drei oder f\u00fcnf oder auch in zehn Jahren verwirklicht haben werden. Es ist ein langfristiges Ziel von Seiten Chinas. Es hat kein klar definiertes Ende. Wo immer und wann immer man dieses Projekt vorantreiben kann, werden wir das tun.<\/p>\n<p>Wenn China sich f\u00fcr die Initiative der Neuen Seidenstra\u00dfe einsetzt, dann geschieht dies ohne Gewalt oder Zwang. Kooperationspartner werden nur die sein, die sich uns freiwillig und bewu\u00dft bei diesem Projekt anschlie\u00dfen. Jeder, der daran interessiert ist, ist willkommen, mitzumachen.<\/p>\n<p>Und f\u00fcr diejenigen, die sich dem Projekt anschlie\u00dfen, gilt: gleiche Rechte f\u00fcr alle Seiten. Das Projekt der Neuen Seidenstra\u00dfe ist also eine Entwicklungschance f\u00fcr alle Nationen, wo Chinas Politik der \u201e\u00d6ffnung\u201c genutzt wird, um die gegenseitige wirtschaftliche Kooperation auszuweiten. Dies bedeutet Chancen aller Art f\u00fcr die Privatwirtschaft und die Besch\u00e4ftigung.<\/p>\n<p>Was also ist das Modell f\u00fcr das gemeinsame Handeln? In der eurasischen Region ist das Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung sehr unterschiedlich, anders als in der europ\u00e4ischen Region, wo die meisten L\u00e4nder entwickelt sind.<\/p>\n<p>Zweitens, wenn wir das Kooperationsmodell betrachten, reden wir bei der eurasischen Region \u00fcber einen Proze\u00df der St\u00e4rkung der Region. Es ist nicht wie in einigen anderen bestehenden Wirtschaftsregionen auf der Welt, wo das Ziel \u201eExpansion\u201c oder \u201eFl\u00e4chendeckung\u201c ist.<\/p>\n<p>So ist beispielsweise die Zusammenarbeit der ASEAN, der EU oder Lateinamerikas \u201efl\u00e4chendeckend\u201c. Dagegen liegt unser Schwerpunkt in Eurasien darauf, die Region zu st\u00e4rken. Was nun die Frage betrifft, ob wir die Erfahrungen der ASEAN, der EU oder Lateinamerikas nutzen k\u00f6nnen &#8211; ich denke, wir werden ihre Erfahrungen nicht ignorieren. Wir m\u00fcssen sie studieren und daraus lernen. Wichtiger ist aber, da\u00df wir uns die einzigartigen Potentiale der verschiedenen Regionen entlang des Korridors zunutze machen. Ich denke, die wichtige Frage f\u00fcr uns ist: Wie organisieren wir unsere Kooperation? D.h., wie gehen wir an diesen Proze\u00df der St\u00e4rkung der Region heran? Wir k\u00f6nnen nicht einfach die bestehenden Modelle \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Oft nehmen Wirtschaftsexperten, sogar bei uns in China, das westeurop\u00e4ische Modell und versuchen einfach, das ganze Modell dem neuen Konzept \u00fcberzust\u00fclpen. Nun, wir lehnen die Modelle der anderen nicht ab, aber wir m\u00fcssen versuchen, neue zu entwickeln. In dieser Hinsicht hoffe ich sehr, da\u00df unsere eurasischen Freunde uns ihre Gedanken und Vorschl\u00e4ge mitteilen.<\/p>\n<p>Dieses Projekt der Neuen Seidenstra\u00dfe ist also etwas ganz neues, es gibt daf\u00fcr kaum Vorbilder in der Weltgeschichte. Sie umfa\u00dft zahlreiche Regionen; die L\u00e4nge des Korridors ist beachtlich; die Zahl der L\u00e4nder, die er erreicht, ist hoch. Es gibt daf\u00fcr kein Vorbild. Wir m\u00fcssen also Neues entwickeln &#8211; neue Ideen und Gedanken, um einen Weg zu finden, der f\u00fcr die gemeinsamen Ziele, die Hoffnungen Chinas und die Nationen entlang des Korridors der Neuen Seidenstra\u00dfe gangbar ist.<\/p>\n<h3>3. Der Inhalt der Kooperation<\/h3>\n<p>Nun der dritte Punkt: Was die Zusammenarbeit an unserem Korridor der Neuen Seidenstra\u00dfe beinhaltet.<\/p>\n<p>Ich habe zun\u00e4chst \u00fcber die Konzepte und die Methoden gesprochen. Nun will ich \u00fcber die Details der Entwicklungsgebiete, den Inhalt der Entwicklung sprechen. Dazu mu\u00df ich nochmals betonen, da\u00df der lange Proze\u00df des Aufbaus von \u201eEin G\u00fcrtel, eine Stra\u00dfe\u201c nichts ist, was in wenigen Jahren vollendet werden kann. Dar\u00fcber sind wir uns v\u00f6llig im Klaren. Es gibt Chancen, aber auch Herausforderungen. Wir m\u00fcssen also einen klaren Kopf behalten.<\/p>\n<p>Angesichts des innovativen Charakters dieser Zusammenarbeit m\u00fcssen wir beim Proze\u00df des Aufbaus von \u201eEin G\u00fcrtel, eine Stra\u00dfe\u201c einige neue Elemente einbeziehen, die man erkennen und hervorheben mu\u00df. Wir sollten unsere Anstrengungen zun\u00e4chst auf diese Bereiche richten: Energiequellen, Verkehrsnetz, Stromleitungen, Kommunikationsnetze und \u00e4hnliche grundlegende Infrastrukturplattformen, wie man sie miteinander verbindet.<\/p>\n<p>Es gibt in China ein Sprichwort: \u201eUm reich zu werden, mu\u00dft du zuerst Stra\u00dfen bauen.\u201c Die Wirtschaft des Entwicklungskorridors kann nur prosperieren, wenn die menschlichen Ressourcen, die Logistik und die wirtschaftlichen Str\u00f6me allesamt eingesetzt und integriert werden. Diese Grundvoraussetzung mu\u00df gegeben sein.<\/p>\n<p>Wenn wir den Aufbau von \u201eEin G\u00fcrtel und, eine Stra\u00dfe\u201c vorantreiben, dann reden wir nicht davon, einen v\u00f6llig neuen Mechanismus der Kooperation zu schaffen. Vielmehr bauen wir auf der bestehenden regionalen Zusammenarbeit auf &#8211; wir erweitern best\u00e4ndig ihren Umfang. Das ist ein gemeinschaftlicher Proze\u00df, wir wollen diesem Proze\u00df keinen bestimmten Mechanismus aufzwingen.<\/p>\n<p>Das zweite ist, da\u00df wir die Entwicklungsstrategie und -planung jedes Landes verbessern und st\u00e4rken m\u00fcssen und die gegenseitige Kommunikation und Integration dieser Verbesserungen f\u00f6rdern m\u00fcssen. Wir tun dies, damit jedes Land verstehen kann, was die Entwicklungsziele der anderen f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf bis zehn Jahre sind und in welchen Bereichen die Strategie des anderen der eigenen \u00e4hnlich ist, um auf dieser Grundlage gemeinsam zu arbeiten. Und wir m\u00fcssen bestimmte Bereiche und Projekte finden, in denen wir auf der Grundlage dieser einvernehmlichen, gemeinsamen Strategien kooperieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Indem China f\u00fcr \u201eEin G\u00fcrtel, eine Stra\u00dfe\u201c wirbt, strebt es nicht unilateral nach Einheit. Wir versuchen nur, den Proze\u00df der Kooperation voranzutreiben.<\/p>\n<p>Drittens denke ich, wir m\u00fcssen bei diesem gemeinsamen Handeln an der Spitze des technischen Fortschritts sein, Leistungen, die weltweit erbracht werden, f\u00f6rdern und ihnen gro\u00dfe Aufmerksamkeit widmen. Wir m\u00fcssen unter Ber\u00fccksichtigung des vorhandenen Entwicklungsniveaus aller Nationen in der Region eine Zusammenarbeit im gro\u00dfen Ma\u00dfstab durchf\u00fchren, aber nicht auf der Grundlage, sich Rohstoffe oder Energietr\u00e4ger anzueignen. Denn in der eurasischen Region spielen die nat\u00fcrlichen Reicht\u00fcmer jedes Landes &#8211; ihre nationalen und nat\u00fcrlichen Ressourcen &#8211; ohnehin schon eine gro\u00dfe Rolle bei der bestehenden Kooperation.<\/p>\n<p>Ich denke, es gibt zuwenig gemeinsames Handeln, das auf anderem als nat\u00fcrlichen Rohstoffen beruht. Das bedeutet vor allem eine Entwicklung der Landwirtschaft, der Infrastruktur, der Industrie. Das sind alles Bereiche, wo Verbesserungen notwendig sind. Wie sollten uns auf Bereiche konzentrieren, die nicht auf der Ausbeutung von Rohstoffe beruhen, damit unser wirtschaftlicher Forschritt ein neuen, hohen Ma\u00dfstab der Zusammenarbeit erreicht.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich mu\u00df ich hier noch die vielf\u00e4ltigen Aspekte unseres Projektes \u201eEin G\u00fcrtel, eine Stra\u00dfe\u201c hervorheben. Wir brauchen vor allem eine multidimensionale Kooperation auf hoher Ebene. So k\u00f6nnen und sollten beispielsweise die Nationen entlang der Seidenstra\u00dfe so etwas wie \u201eSt\u00e4dteb\u00fcndnisse\u201c gr\u00fcnden. Man sollte B\u00fcndnisse von St\u00e4dten in verschiedenen Wirtschaftsbereichen schaffen &#8211; beispielsweise internationale Eisenbahnverb\u00e4nde, internationale Transportverb\u00e4nde und \u00e4hnliche Vereinigungen, darunter auch internationale Verb\u00e4nde von Kooperationsnetzwerken. D.h. wir sollten die bestehenden industriellen Kooperationen zwischen den Regionen vernetzen, um bilaterale oder multilaterale Netzwerke und Systeme der Kooperation zu schaffen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig regt China zu Pl\u00e4nen und Programmen an, die den Vorschlag \u201eEin G\u00fcrtel, eine Stra\u00dfe\u201c umsetzen, auch wenn China selbst dabei gar kein Beteiligter ist. Es wird also einige Programme geben, an denen China nicht beteiligt sein wird, aber auch solche Programme werden f\u00fcr alle von Nutzen sein. Was wir anstreben, ist die F\u00f6rderung der regionalen Entwicklung, und China wird jedes Programm unterst\u00fctzen, das der Entwicklung der Region dient. Es ist nicht so, da\u00df wir nur Programme f\u00f6rdern werden, an denen China selbst beteiligt ist, nein: Wir unterst\u00fctzen auch Programme, die andere betreffen und von anderen entwickelt werden. Wir streben also einen inklusiven und offenen Rahmen der Zusammenarbeit an.<\/p>\n<h3>4. Die Innovation des Systems<\/h3>\n<p>\u201eEin G\u00fcrtel, eine Stra\u00dfe\u201c ist eine gro\u00dfartige Vision. F\u00fcr China bedeutet sie gro\u00dfe Herausforderungen. Zun\u00e4chst einmal betrifft es nicht nur die notwendige Kooperation zwischen den Regionen und den Ministerien in China, sondern auch Chinas Organisationen und Einrichtungen im Ausland. Es betrifft nicht nur die inl\u00e4ndischen Interessen und Vorrechte jeder Region und jedes Ministeriums, sondern ber\u00fchrt auch die Interessen und Vorrechte der privaten und staatlichen Unternehmen mit ihren vielf\u00e4ltigen Einnahme- und Gewinnquellen. Man mu\u00df die Entwicklung dieser unterschiedlichen Gewinnquellen bedenken. Man mu\u00df die Koordinierung dieser nationalen und internationalen Ma\u00dfnahmen bedenken.<\/p>\n<p>Um den Aufbau des Korridors der Neuen Seidenstra\u00dfe zu f\u00f6rdern, war unsere Zentralregierung gezwungen, das Tempo unser Wirtschaftsystems und seiner Reform zu erh\u00f6hen, damit dieses System den Aufbau des Korridors der Neuen Seidenstra\u00dfe besser f\u00f6rdern kann.<\/p>\n<p>Bei der F\u00f6rderung der Neuen Seidenstra\u00dfe haben wir uns auch Vorbilder daran genommen, wie andere Nationen ihre internationalen Strategien verfolgt haben. So haben beispielsweise die Vereinigten Staaten bei der Umsetzung ihres eigenen \u201ePlans f\u00fcr die Neue Seidenstra\u00dfe\u201c S\u00fcd- und Zentralasien in Bezug auf seinen Entwicklungsbedarf als Einheit aufgefa\u00dft und die urspr\u00fcnglichen Abteilungen f\u00fcr zentralasiatische Angelegenheiten und f\u00fcr s\u00fcdasiatische Angelegenheiten zu einer einzigen Abteilung f\u00fcr s\u00fcd- und zentralasiatische Angelegenheiten zusammengelegt. Ich denke, da\u00df wir aus solchen Erfahrungen lernen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ru\u00dfland hat, um die Entwicklung seines Fernen Ostens und die regionale Kooperation dort zu f\u00f6rdern, ein Ministerium f\u00fcr die Entwicklung des Fernen Ostens geschaffen. Wir beabsichtigen, in \u00e4hnlicher Weise Beispiele aufzugreifen, die zur Entwicklung des Systems \u201eEin G\u00fcrtel, eine Stra\u00dfe\u201c passen, und sie anzuwenden, um unseren Vorschlag auszuarbeiten.<\/p>\n<p>Wir hoffen daher sehr aufrichtig, da\u00df wir in Zukunft im Verlauf der Entwicklung von \u201eEin G\u00fcrtel, eine Stra\u00dfe\u201c mit der internationalen Gemeinschaft, den verschiedenen Nationen und den verschiedenen Regionen auf der Grundlage einer gleichwertigen und einvernehmlichen Entwicklung zusammenarbeiten k\u00f6nnen, um ein Programm voranzubringen, das dem Wohl der ganzen Menschheit dient.<\/p>\n<p>Vielen Dank.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Shi Ze Direktor f\u00fcr Internationale Energiestrategische Studien und Forschungsleiter am Chinesischen Institut f\u00fcr internationale Studien (CIIS) in Beijing. Seine Rede wurde aus dem Chinesischen \u00fcbersetzt. 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